In vier Jahrzehnten zusammengewachsen

Erstellt: 21. Januar 2013
In vier Jahrzehnten zusammengewachsen Volles Haus: Rund 600 Gäste wollten sich den Neujahrsempfang des Landkreises Ludwigsburg nicht entgehen lassen. Viel Applaus bekamen die Musiker des Kreisjugendblasorchesters.

Ludwigsburg (clar). Der Schauplatz hat schon das ein oder andere Mal gewechselt, dieses Mal aber konnte es nur das Kreishaus sein: Denn der alljährliche Neujahrsempfang des Landkreises Ludwigsburg stand im Zeichen von dessen „Geburtsstunde“ vor 40 Jahren.
Es geht nicht ohne Schlange: Rund 600 geladene Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung, Kultur sowie der Kirchen sind am Freitagabend der Einladung zum Neujahrsempfang des Landkreises Ludwigsburg gefolgt – und standen erst einmal an. Denn Landrat Rainer Haas und seine Frau Andrea begrüßten, so ist es üblich, jeden Gast per Handschlag und mit guten Wünschen für das neue Jahr. Erst nach einer guten Stunde ist das Defilee vorüber.
Dann drehte sich alles um das, was die Gäste des Abends verbindet: der Landkreis Ludwigsburg, der in den heutigen Strukturen und Umrissen – von Vaihingen bis Erdmannhausen und von Bönnigheim bis Gerlingen – seit 40 Jahren besteht. Haas ließ zunächst das vergangene Jahr Revue passieren. „2012 war ein soziales Jahr“, sagte der Landrat mit Blick auf die Übernahme des Jobcenters und der Kindertagespflege durch den Kreis. Es sei aber auch ein „verkehrsreiches Jahr“ gewesen, in dem sich in Sachen Mobilität viel getan habe, etwa mit der Ausweitung des Bussystems. Und nicht zuletzt war 2012 ein historisches Jahr, so Haas, in dem sich die Rede Charles de Gaulles an die deutsche Jugend im Ludwigsburger Schlosshof zum 50. Mal jährte – im September war das mit einem großen Festakt in der Kreisstadt gefeiert worden.
Soziales, Verkehr, die Energiewende, die Zuständigkeit des Kreises für die Wertstoffentsorgung und die geplante Integrierte Leitstelle werden dem Landrat zufolge auch 2013 Themen des Kreises sein.
Und dessen „Geburtsstunde“ in der jetzigen Form schlug 1973 mit der Kreisreform, als aus 63 Kreisen in Baden-Württemberg 35 wurden. Damals sei der Landkreis Ludwigsburg um Teile der Kreise Vaihingen, Leonberg, Backnang und Heilbronn vergrößert worden – und damit um mehr als 100 000 Einwohner sowie über 20 Kommunen gewachsen. Und zusammengewachsen, meinte der Landrat: „Wer vorher in einem anderen Landkreis lebte, hat sich bald mit dem Kreis Ludwigsburg identifiziert.“
Dazu beigetragen hat nach Ansicht des Kreisverwaltungschefs – der im Übrigen in jenen 40 Jahren nach Ulrich Hartmann erst der zweite Amtsinhaber ist, wie Gastredner Erwin Teufel lobend erwähnte – auch das, was sich in dieser Zeit bewegte. So ist zum Beispiel der Klinikenverbund Ludwigsburg-Bietigheim gGmbH, dem alle Krankenhäuser im Landkreis angehören und deren mehrheitlicher Gesellschafter der Kreis ist, entstanden; später auch die kreisübergreifende Regionale Kliniken Holding (RKH). In die Beruflichen Schulen, deren Träger der Landkreis ist, sind den Angaben nach in diesen Jahrzehnten rund 100 Millionen Euro investiert worden. Zudem sei der öffentliche Nahverkehr ausgebaut und eine moderne und an den Bürgern orientierte Verwaltung entstanden. Diverse Partnerschaften in Israel, Ungarn, Sachsen und China entstanden und würden regelmäßig gepflegt.
„Der Landkreis hat von der Kreisreform profitiert, indem er die Größe erhalten hat, die er für eine optimale Leistungsfähigkeit benötigt“, so Haas. Immerhin ist der Kreis Ludwigsburg nach Angaben aus dem Kreishaus hinsichtlich seiner Einwohnerzahl der zweitgrößte des Landes und der viertgrößte im Bund. Umso wichtiger sei der Kontakt der Verwaltung zu den Bürgern, die Präsenz vor Ort, sagte der Landrat. Bedeutung hat das Haas Ansicht nach auch mit Blick auf die Zukunft der Europäischen Union. „Wenn Europa sich weiterentwickeln will und die europäische Integration weitergehen soll, dann braucht die EU die kommunale Ebene.“ Nicht nur, weil sie eben lokal und regional verwaltet, sondern auch, weil sie die Basis der Bürger ist – und nur diese könnten die europäische Vereinigung voranbringen. Auch in der EU sollte man deshalb großes Interesse daran haben, möglichst viele Kompetenzen auf eben jener Ebene zu belassen – Stichwort Selbstverwaltung. Und so betonte Haas besonders: „Für mich ist wichtig, dass wir das kommunale Miteinander stärken.“
In diesem Zusammenhang sieht der Ludwigsburger Landrat auch die künftige Rolle der Kreise: Einerseits sollten sie ihre „annehmbare Größe behalten“ – um für die Einwohner überschaubar und begreifbar zu bleiben sowie den besagten Kontakt zum Bürger nicht zu verlieren. Eine Absage erteilte Haas damit riesigen Gebilden, wie sie zuletzt durch die Kreisgebietsreform in Mecklenburg-Vorpommern entstanden sind, beziehungsweise die in Baden-Württemberg diskutierten – ebenfalls größeren – Regionalkreise.
Damit sich die Bürger ein Bild von „ihrer“ Kreisverwaltung machen können, eröffnete der Landrat zum Abschluss des Empfangs den Tag der offenen Tür im Kreishaus. Die geladenen Gäste konnten bereits am Freitagabend einen Blick hinter die Kulissen der Verwaltung werfen, die Öffentlichkeit am Samstag.

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