Festakt im Vaihinger Schloss

Erstellt: 19. September 2008
Festakt im Vaihinger Schloss Ministerpräsident Oettinger gratuliert Erich Schneider. Foto: Bögel

Vaihingen (ub) – Vom baden-württembergischen Ministerpräsidenten gab es eine herzliche Umarmung. Günther Oettinger bezeichnete schließlich Erich Schneider als „väterlichen Freund“, der ihm bei einer Afrika-Reise nächtens in einer Bar das Du angeboten habe.
Gestern gab es auf dem Vaihinger Schloss Kaltenstein, dem Stammschloss des Christlichen Jugenddorfwerk Deutschlands (CJD), einen Festakt anlässlich des 75. Geburtstages und der Verabschiedung nach 15-jähriger Präsidentenzeit im CJD von Erich Schneider, von 1982 bis 1992 Landtagspräsident. Zahlreiche Spitzenvertreter von Jugenddorf, Politik und Wirtschaft würdigten die Leistungen von Schneider.
Erich Schneider ist am 2. August 1933 in Pritschendorf (Ostalbkreis) geboren. 1956 begann er seine Beamtentätigkeit bei der Stadt Gaildorf, schon vier Jahre später wurde er zum Bürgermeister der Gemeinde Burgstall gewählt. Auch die nach der Gemeindereform neu gebildete Gemeinde Burgstetten führte er als Bürgermeister bis 1979. Im Landtag stieg Schneider 1976 zum stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der CDU auf, die damals von Erwin Teufel geführt wurde. 1982 wurde er nach dem Rücktritt Lothar Gaas zum Präsidenten des baden-württembergischen Landtags gewählt. Bei der Landtagswahl 1992 verzichtete Schneider auf eine neue Kandidatur. Vor 15 Jahren wurde er zum ehrenamtlichen Präsidenten des CJD gewählt, das in Ebersbach an der Fils seinen Sitz hat.
Ministerpräsident Oettinger würdigte gestern in Vaihingen das „geglückte Lebenswerk“ von Schneider. Er sei über alle Parteigrenzen anerkannt und geschätzt. Es sei auch Glück für das Christliche Jugenddorfwerk gewesen, dass Erich Schneider in einer schwierigen Zeit das Präsidentenamt übernommen habe.
Auf diese Epoche ging in seiner Laudatio auch Georg Michael Primus, Nachfolger von Schneider als CJD-Präsident, ein: Das CJD sei nach der Wiedervereinigung ins Schlingern geraten. „Zu den bestehenden 112 Jugenddörfern kamen 50 neue hinzu, das Haushaltsvolumen stieg auf 600 Millionen DM. Das führte zu Problemen finanzieller Art.“ Schneider habe erkannt, dass die bisherigen Führungsstrukturen den Anforderungen der Zeit nicht mehr entsprächen. Das operative Geschäft sei auf eine Geschäftsleitung übertragen worden. Primus: „In den 90er Jahren konsolidierten sich die Finanzen wieder, wobei das Präsidium unter Ihrer Leitung auch nicht vor einschneidenden, aber notwendigen Entscheidungen wie Schließung von Jugenddörfern zurückschrecken durfte.“
Und der neue CJD-Präsident hatte ein nicht alltägliches Geburtstagsgeschenk für seinen Vorgänger: In Vaihingen wurde am Mittwoch zum ersten Mal der CJD-Erich-Schneider-Preis ausgelobt, den Jugendliche bekommen können, die sich bei der Gestaltung des Miteinanders insbesondere um die Begegnung zwischen Menschen unterschiedlicher kultureller Herkunft und um die gesellschaftliche Integration von Migranten kümmern. Der Preis wird in einem Turnus von zwei Jahren vergeben und ist für Einzelpersonen mit einem Gutschein über eine Sprach- oder Begegnungsreise im Wert von 700 Euro dotiert. Wird der Preis an eine Gruppe verliehen, wird deren Projekt mit einer Zuwendung von 1000 Euro unterstützt.
Peter Straub, Landtagspräsident des Landes Baden-Württemberg, bezeichnete Schneider als ein „schwäbisches Phänomen“. Sein Vorvorgänger vereine die württembergische Erfolgmischung: schaffigen Pietismus und Tüftlergeist. „Erich Schneider hat in seinem Wirken erst geruht, wenn sich die Tauglichkeit der Konstruktion erwiesen hat.“ Der CDU-Politiker habe seine Ämter als „Aufträge zum Dienen“ interpretiert. Überzeugt habe er in seiner Arbeit nicht durch verbissenes Sendungsbewusstsein, sondern durch Verantwortungsbewusstsein und Glaubwürdigkeit. „Er hat die Tugenden gelebt, die sich die Bürger von ihren Repräsentanten wünschen.“ Dabei sei seine Bodenständigkeit nicht mit Provinzialität zu verwechseln. Straub: „Die politische Legende Erich Schneider strahlt wie einst.“

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