Erfolg mit Spezialkleber

Erstellt: 23. Juli 2010
Erfolg mit Spezialkleber Häcker-Geschäftsführer Gerd Clemens bei der Mischanlage. Foto: Bögel

Vaihingen (ub). „In jedem Reisepass ist auch ein Stück Häcker“, sagt Gerd Clemens, Geschäftsführer der Fritz Häcker GmbH + Co. KG. Das Vaihinger Traditionsunternehmen ist 125 Jahre alt. Und mit der Produktion von Proteinklebstoff hat die Firma eine Nische gefunden, „wo wir wunderbar weiterwachsen können.“
 Mit der Klebstoffsparte des Düsseldorfer Weltkonzerns Henkel besteht eine Partnerschaft, zu den Kunden von Häcker zählen neben der Bundesdruckerei auch der Bertelsmann-Verlag und die Ravensburger Spieleproduzenten. Nach der Phase der Restrukturierung vor sieben Jahren zählt Häcker mittlerweile zu den weltweit führenden Herstellern von Proteinklebstoffen. Mehr als 70 Prozent der Produkte aus dem Vaihinger Holzgarten werden exportiert, Abnehmer sitzen in Brasilien genauso wie in Norwegen und Südafrika. Mit dem schnellen und intensiven Klebstoff Plakal erwirtschaften die rund 30 Mitarbeiter jährlich einen Umsatz von acht bis neun Millionen Euro.
Seit 1885 wird bei Fritz Häcker technische Gelatine hergestellt, ein Produkt, das bereits vor 4000 Jahren von den Ägyptern als Leim verwendet wurde. Die geruchsintensive Hautleimproduktion sorgte viele Jahre für das „Vaihinger Gschmäckle“. Diese Zeiten sind aber schon eine Weile vorbei. Ab 2000 wurde das Kerngeschäft komplett umstrukturiert, 2003 die Hautleimproduktion endgültig eingestellt. Der Geruch ging, aber auch das Personal wurde abgebaut.
Mitte der 80er Jahre produzierte Häcker noch über 1000 Tonnen Gelatine im Jahr. Schlagzeilen machte die Fertigung für die Streichholzindustrie. Ein bis zwei Milligramm Gelatine sitzen in jedem Streichholzkopf, die die Komponenten zusammenhält und beim Anzünden aufschäumt. Doch für die Produktion von Gelatine musste die siebenfache Menge an Rohstoffen eingesetzt werden. Und diese Versorgung wurde immer schwieriger, Umweltauflagen nahmen zu, der Markt brach massiv weg. „So war die Zukunft des Unternehmens nicht mehr händelbar“, sagt Clemens, der seit 1999 Geschäftsführer bei Häcker ist.
Seit 2003 lässt sich der Vaihinger Betrieb die Gelatine in Form von Granulat liefern und produziert einen Klebstoff auf Basis der Gelatine. So fällt das Aufbereiten des Rohstoffs Rinderhaut mit Kalkmilch weg, die Äscherfelder stehen seitdem leer. Die Granulat-Gelatine, die früher in Vaihingen produziert wurde, wird jetzt aus China, der Türkei oder Brasilien eingekauft und zu einem Klebstoff veredelt. Zu einem großen Teil wird der Klebstoff dann wieder in diese Länder exportiert. Clemens: „Wir haben quasi unser Kerngeschäft umgedreht.“
In einer kleinen Nische setzt die Häcker GmbH dieses Modell konsequent um. Geschäftsführer Clemens: „Wir haben jetzt eine Position erreicht, wo wir wunderbar wachsen können.“ Allein 2010 verbuchte der Proteinklebstoff Plakal eine Steigerung um 30 Prozent. Plakal ist eine Gallerte, die in der Hauptsache aus Protein und weiteren Qualitätszusätzen besteht.
Im Einsatz ist dieses Produkt beispielsweise bei Großbuchbindereien; die Gallerte ermöglicht kurze Taktzeiten auf schnellen Maschinen. Auch Spiele-, Ordner- und Displayhersteller beziehen den Vaihinger Kleber. Und eben auch in Reisepässen ist der Stoff, der Papiere weder quellen noch wellen lässt, zu finden.
Mit steigender Tendenz produziert Häcker in dem Betrieb an der Enz auch Pflanzendünger, basierend auf Eiweißhydrolysat und Aminosäuren, der seine Wirkung über die Blätter der Pflanzen entfaltet. Mehrere 100 Tonnen pro Jahr werden in 20 Kubikmeter großen Rührwerksbehältern hergestellt und filtriert. Die Abnehmer sitzen in Süd- und Westeuropa.
Obwohl etwa für die aktuelle Produktion nur die Hälfte des etwa drei Hektar großen Werksgeländes im Holzgarten gebraucht wird, denkt Geschäftsführer Clemens nicht an die Aufgabe des Standortes an der Enz. „Ich kann mir nicht vorstellen, die Produktion zu verlagern. Hier ist alles gewachsen und die Tendenz ist klar zum Bleiben.“
Damit erteilt der Häcker-Chef auch den Autoren des Rahmenplans Egelsee, Köpfwiesen und Gemeindewiesen eine Absage. Als Leitziel für den Bereich Gemeindewiesen nannten die Planer den möglichen Rückbau baulicher Anlagen. Hier sei vor allem die Firma Häcker zu nennen, für den Fall, dass diese Nutzung aufgegeben werden sollte. Auch ein Abspalten des Werksgeländes ist nicht möglich, da sich die benötigte Kläranlage am Ende des Standortes befindet. Trotzdem bescheinigt Clemens eine „exzellente“ Zusammenarbeit mit der Stadt.
Das soll auch im Jubiläumsjahr der Firma zum Tragen kommen. Als kleines Dankeschön will das Unternehmen Häcker im nächsten Jahr einen Beitrag für den Kultursommer am Enzufer leisten.
Das Festbuch zum 125-jährigen Firmenjubiläum gibt es zum Preis von 25 Euro bei dem Unternehmen Fritz Häcker GmbH + Co. KG im Holzgarten 18 in Vaihingen.

Weiterlesen

Mehrere verletzte Schüler durch Böller im Klassenzimmer

Drucken Mühlacker (p). Wie die Polizei meldet, ist in Mühlacker kurz nach 10 Uhr im Klassenzimmer einer in der Lindachstraße gelegenen Realschule ein Böller in der Hand eines Schülers explodiert. Er selbst erlitt dabei schwere Handverletzungen und kam... »