Ensinger Lehrschwimmbecken als Vorzeigebeispiel

Erstellt: 21. November 2007
Ensinger Lehrschwimmbecken als Vorzeigebeispiel Freude über die Bestätigung der Arbeit fürs Lehrschwimmbecken in Buchform. Foto: Arning

Ensingen (aa) – Die Geschichte um den Erhalt des Lehrschwimmbeckens an der Ensinger Grundschule ist zum bundesweiten Vorzeigeprojekt geworden. „Deutschland zum Selbermachen“ heißt ein Buch, in dem 22 beachtliche Bürgeraktionen porträtiert werden. Ideen statt Rotstift werden vorgestellt. Neben Ensingen sind aus Baden-Württemberg lediglich noch Projekte aus Mannheim und Bibersfeld vertreten.
Das Ensinger Bädle – 7,5 x 4,5 Meter groß, 90 bis 110 Zentimeter Wassertiefe – sollte nach dem Willen der Vaihinger Stadtverwaltung geschlossen werden. Im Jahre 2001 lag eine Kostenschätzung (250000 Euro) für einen Sanierungsvorschlag auf dem Tisch, der vor dem Hintergrund der leeren Stadtkasse keine Aussichten auf eine Umsetzung hatte.
 Schulleitung, Elternbeirat und Ortschaftsrat waren sich einig, diese Entscheidung nicht hinzunehmen. Im Verlauf von Verhandlungen mit der Kommune wurde im März 2003 der Förderverein der Ensinger Grundschule e.V. gegründet, dessen erstes Ziel es war, das Lehrschwimmbecken für die Grundschüler zu erhalten und die Schule auch sonst organisatorisch und finanziell zu unterstützen.
Der Vorsitzende des Vereins, Uwe Schütz, legte offiziellen Widerspruch gegen die Schließung des Bades bei der Stadtverwaltung ein und gab ein Gegengutachten in Auftrag. Ergebnis: Man könnte mit 80000 Euro auskommen, vorausgesetzt, die Bürger bringen sich durch freiwillige Mithilfe bei der Sanierung mit ein.
Bekanntlich hat die Idee gegriffen. Das Bädle wurde saniert und blieb erhalten. Per Vertrag wurde der Förderverein zum Betreiber des Lehrschwimmbeckens, der für den laufenden Betrieb zuständig ist, die Kommune übernahm im Gegenzug die laufenden Energie- und Wasserkosten und bezahlte die Sanierung. Jährlich muss der Verein jetzt 15000 Euro für Betriebskosten, Personal, Sozialabgaben, Versicherung, Wartung, Chemikalien und Reinigungsmittel aufbringen. Ein dreiköpfiges Team sorgt dafür, dass alles reibungslos läuft.
Die Ensinger Schule mit dem Lehrschwimmbecken wurde 1958 eingeweiht. „Bei uns ging in den letzten Jahrzehnten kaum einmal ein Kind von der Schule, das nicht schwimmen konnte“, erzählt die langjährige Rektorin Sibylle Rohloff, die sich zusammen mit ihrem Mann Werner, der „nebenbei’“ ja auch Ortsvorsteher ist, für den Erhalt des Bades stark gemacht hatte. Oberbürgermeister Heinz Kälberer habe mal den Vorschlag unterbreitet, ins Becken eine Tischtennisplatte zu stellen, weiß sie noch. Da sei sie dann schon ein wenig laut geworden.
Dass es mit dem Erhalt des Bades geklappt hat, liegt wohl auch an den emotionalen Bindungen, die viele Ensinger an das Lehrschwimmbecken haben. Wenn nicht nur die Eltern, sondern zum Teil auch die Großeltern der heutigen 141 Grundschüler hier das Schwimmen gelernt haben, dann sind da schon besondere Beziehungen vorhanden. Und die konnte der Förderverein offensichtlich nutzen. Er hat derzeit 260 Mitglieder, die 10 Euro (Einzelmitglieder) bzw. 20 (Familien) bezahlen. Das bildet den Grundstock. Dazu kommen diverse Festivitäten im Ort.
Wie landete das Ensinger Projekt in das Buch? Heiko Welz, der dem Förderverein seit einiger Zeit vorsteht, bekam Anfang des Jahres eine Anfrage der Universität Paderborn. „Das muss wohl über die Stadt gelaufen sein“, vermutet er. Auf jeden Fall kam die Aktion in die engere Wahl und schließlich auch ins Buch, in dem mit ausgewählten Projekten deutlich gemacht werden soll, „dass Bürger keineswegs nur nach Vater Staat rufen, sondern im Gegenteil selbst anpacken“, so Max A. Höfer von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, die den Leitfaden herausgegeben hat. „Traut den Menschen mehr zu“, sagt Höfer, „das Buch soll zum Nachmachen anregen.“
Professor Sebastian Braun vom Forschungszentrum für Bürgerschaftliches Engagement an der Uni Paderborn beschreibt den neuen Trend des Übertragens staatlicher Aufgaben an die Gesellschaft. Er spricht bei den 22 Beispielen vom „neuen Ehrenamt“. Braun: „Die Beispiele wollen und dürfen die Politik allerdings nicht zum Missbrauch anstiften. Wird die ehrenamtliche Einsatzbereitschaft der Bürger von Anfang an einkalkuliert, um staatliche Leistungen abzubauen, droht die Verweigerung der Betroffenen“
„Generation von Wasserratten“, heißt die Ensinger Geschichte. Es gibt dazu wie bei allen anderen Storys ganz praktische Hinweise für Selbermacher und Kontaktadressen.
Die Schule wird inzwischen von Heide Bolter geleitet, die sich im Sinne ihrer Vorgängerin um das Lehrschwimmbecken angenommen hat. Einmal pro Woche gibt es für alle Klassen Schwimmunterricht. Zudem kommen drei Schulen nach Ensingen. Derzeit üben außerdem vier externe Gruppen, darunter die Rheuma-Liga. In dem 30 Grad warmen Wasser werden auch Baby-Schwimmkurse und Senioren-Gymnastik angeboten.
„Es läuft“, freuen sich Vorsitzender Welz und seine Stellvertreterin Gabriele Frey. Und sie loben vor allem auch die Zusammenarbeit mit der Stadt. Das sind doch gute Perspektiven für ein Jubiläumsfest im kommenden Jahr.
„Deutschland zum Selbermachen. Ideen statt Rotstift: 22 beachtliche Beispiele, wie Bürger Staat machen“. Das Buch ist zum Preis von 12,90 Euro im Buchhandel erhältlich. Pendo Verlag, ISBN 978-3-86612-148-5. Internet: www.deutschland-zum-selbermachen.de.

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