Elfte Heiße-Herzen-Fahrt mit Feuerwerk

Erstellt: 21. Dezember 2009
Elfte Heiße-Herzen-Fahrt mit Feuerwerk Die Enz in Flammen.

Vaihingen (aa). Ein Spektakel der besonderen Art war am Samstagabend an der Enz in Vaihingen zu erleben. Zum Finale der Heiße-Herzen-Fahrt stand der Fluss in Flammen. Die Schau bildete den Abschluss des Jubiläumsjahres der Vaihinger Feuerwehr und des Ortsvereins des Deutschen Roten Kreuzes.
Luft minus acht Grad, Wasser plus ein Grad. Da waren wirklich heiße Herzen und vor allem extrem warme Bekleidung gefragt. Bei der elften Heiße-Herzen-Fahrt der Jugend vom Kanuclub Jugenddorf Schloss Kaltenstein herrscht am Samstag trotz extremer Temperaturen ein enormer Andrang. 113 Paddler wurden registriert. Darunter sogar Gäste aus München und Gießen.
Eine Gruppe der Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen (BVB) aus der Werkstatt Farb- und Raumgestaltung des Jugenddorfs hat auf zwei Booten den Kaltenstein auf die Enz gesetzt. Die Ausbilderin und der Sozialpädagoge konnten die Truppe offensichtlich motivieren. Die jungen Leute sind sogar noch als Könige aus dem Morgenland gewandet. „Alle Achtung, dass sie das geschafft haben“, freut sich der Vaihinger Feuerwehrkommandant Thomas Korz, der selbst Mitarbeiter im Jugenddorf ist. Dass es sich lohnen kann, sich für eine Sache über das normale Maß hinaus zu engagieren, erfahren die CJDler später bei der Siegerehrung: Ihre Idee wird auf Platz eins gesetzt.
Ein junger Kanute ist als Außerirdischer mit von der Partie, man sieht jede Menge Nikoläuse, aber auch Schneemänner, Pinguine, Hexen und einen Bautrupp. Die Jugend der Grünen versucht sich an einem Castor-Transport auf dem Wasser. Beim Team der Lebenshilfe ist man eher darauf bedacht gewesen, die Schützlinge so warm wie möglich anzuziehen. Es ist saukalt auf der Enz. Michael Marek, Leiter der Diakonischen Bezirksstelle, paddelt im Lebenshilfeboot mit. Er ist ausgestopft wie das berühmte Michelin-Männchen.
Bärbel Fischer, die Jugendleiterin des Kanuclubs, erinnert daran, dass in diesem Jahr die Lebenshilfe und der Vaihinger Tafelladen den Erlös der Veranstaltung erhalten werden. Wer aufs Wasser geht, muss einen Obulus als Startgeld entrichten. Daneben wird kräftig mit der Spendenbüchse gesammelt. Von den kleinen Fluchten im Kanu, dem Kreuzfahrtschiff der kleinen Leute, spricht die Jugendleiterin. Dabei werde der Kopf klar, die Gedanken seien wieder geordnet, bereit, neue Aufgaben anzugehen. Deshalb lade man auch Jahr für Jahr in dieser unwirtlichen Zeit zur Heiße-Herzen-Fahrt ein.
Über der Roßwager Enzbrücke steht glutrot die Wintersonne. Das Minusgrad rutschen jetzt in den zweistelligen Bereich. Es dauert eine halbe Stunde, bis alle Boote im Wasser sind. Das größte Problem ist an der schneebedeckten Böschung der Einstieg. Wenn da jemand ins Wasser plumpsen würde… Zum Glück ist nichts passiert.
Es ist schon dunkel, als die Boote in Vaihingen ankommen. Das Umsetzen am Wehr unterm Kaltenstein kostet auch mit Hilfe der Feuerwehr, die an diesem Tag über hundert Leute im Einsatz hat, viel Zeit. Und der Ausstieg an der Treppe beim oberen Egelseesportplatz ist nicht weniger spannend.
Dunkel soll es natürlich auch sein für den Höhepunkt des Abends, das Feuerwerk der anderen Art. Die Enz soll in Flammen stehen. Sprengmeister Lothar Rapp hat wieder seine Beziehungen spielen lassen, den Feuerwerker Helmut Hörig aus Rotalben bei Pirmasens verpflichtet und, das soll auch gesagt sein, den Großteil der Kosten übernommen. Hörig war schon mehrmals in Vaihingen aktiv, zuletzt beim Musikfeuerwerk im Rahmen des Kultursommers. Den ganzen Tag über haben bis zu 20 Mitarbeiter an der Enz geschafft. Es soll was geboten werden am Vorabend des vierten Advent. Ein Seiz-und-Zimmermann-Autokran ist bis zum Anschlag ausgefahren. Oben hängt eine Traverse. Mit ein wenig Fantasie kann man sich vorstellen, was da passieren wird. Die Soundlight-Experten haben gewaltige Boxen aufgefahren, beschallen die Enz mit weihnachtlichen Liedern. Am Verpflegungszelt des DRK herrscht riesiger Andrang.
Oberbürgermeister Gerd Maisch lobt die Organisatoren der Aktion: „Eine ganz tolle Sache!“ Und er bewundert alle, die sich auf die Enz gewagt hatten. Fanfaren klänge des Musikvereins. „Wann geht’s endlich los?“, tönt es aus den Lautsprechern. Um 18.10 Uhr gehen am Ufer die Lichter aus. Der berühmte Bolero von Ravel dröhnt aus den Lautsprechern. Lichter, Fontänen, schwimmende Fackeln. Vom Floß an der Enzinsel aus werden Feuerwerkskörper abgefeuert. Dann regnet es Feuer aus 50 Meter Höhe. „Firefall“ nennt sich die Show. Etwas Ähnliches hat es in Vaihingen noch nie gegeben. Die Kälte ist vergessen.
Im Zelt des DRK werden noch die Boote der Heiße-Herzen-Fahrt prämiert. Die Gruppe vom Kaltenstein hat gewonnen, auf Platz zwei kommen die Schneemänner Marina und Christian Rödl, Eiskristall Marei Beukman wird auf Platz drei gesetzt. Wer hat jetzt noch Lust hat auf die Feuerzangenbowle?
Am Sonntag wären die ganzen Aktionen auf der Enz in dieser Art übrigens schwer zu realisieren gewesen: Das Wasser ist zum großen Teil ist Eis bedeckt.

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