Ein grünes Pendant zur Altstadt

Erstellt: 26. März 2014
Ein grünes Pendant zur Altstadt Dieser Teil der Köpfwiesen, der direkt an die Altstadt grenzt, soll bei der Neugestaltung erhalten bleiben. Foto: Elsässer

Vaihingen (elf). Sie sind ein Kleinod für Müßiggänger sowie eine grüne Oase für ambitionierte Hobbygärtner. Jetzt sollen die Köpfwiesen in Vaihingen zwischen der Straße Im Mühlkanal und der Enz neu gestaltet werden. Der Vorstellung des Gestaltungskonzepts in den städtischen Gremien – am Montag war der Stadtteilausschuss dran – soll eine Bürgerbeteiligung folgen. Vor 2016 ist derweil nicht mit der Umsetzung zu rechnen.
Eifrig sind die Bauarbeiter seit zwei Wochen dabei, das Enzufer zwischen der Enzbrücke und der Auch-Mühle umzugestalten. Dabei handelt es sich um die erste Maßnahme des Rahmenplans Egelsee, Köpfwiesen, Gemeindewiesen, dem der Vaihinger Gemeinderat bereits im Sommer 2011 zugestimmt hat. Erste Priorität genießt darin neben der Umgestaltung des Enzufers auch die Neugestaltung der Köpfwiesen. Der Erwerb des Enssleareals – dazugehören das Gebäude Köpfwiesenweg 2 (Elldi-Markt), die dahinter liegenden Parkplätze sowie das langgezogene Gebäudeensemble hinter dem Köpfwiesenparkhaus – Anfang des Jahres durch die Stadt Vaihingen war ein wichtiger Baustein zur Neugestaltung der Köpfwiesen. Ziel dieser zweiten Maßnahme innerhalb des Rahmenplans ist es, das Gebiet zwischen der Straße im Mühlkanal und der Enz für die Allgemeinheit zu öffnen. Dies soll durch ein durchgängiges öffentliches Wegenetz mit diversen Aufenthaltszonen und einer Verteilung der privaten Gartenflächen und öffentlichen Parkflächen erreicht werden.
Wie das gestalterisch aussehen könnte, hat das Planungsbüro Schmid, Treiber, Partner erarbeitet. Im Stadtteilausschuss berichtete Thomas Treiber am Montagabend, dass es in den Köpfwiesen schon seit etwa 700 Jahren eine Gartenkultur gebe. Er bezeichnete die Bürgergärten deshalb als „wertvolles Kulturgut“. In einer Bestandsaufnahme in den Köpfwiesen habe sein Büro zahlreiche Mauern und Einfriedungen, Gartenhäuser, verzierte Tore, Zäune mit Sandsteinpfeilern und Bäume gesehen, die es zu erhalten gelte. Gleichzeitig würden einige Nadelgehölze, unansehnliche Bauten und Maschendrahtzäune das Ortsbild beeinträchtigen.
Promenaden sollen die Köpfwiesen mit der Altstadt verbinden
Die Köpfwiesen, so Treiber, sollen künftig ein grünes Pendant zur Altstadt darstellen. Verknüpfungen mit der Stadt sollen ebenso erreicht werden wie eine Anbindung zum Enztalradweg. Das Gestaltungskonzept geht dabei von zwei Varianten aus. Beide Varianten gehen von einem Ausbau des Wegenetzes sowie von einer Reduzierung der privat genutzten Kleingärten aus. Sehr dezent gestaltet sich dies bei Variante eins, innerhalb derer die historische kleinteilige Gartengliederung beibehalten wird. Die zweite Variante sieht neben den Kleingärten eine offene Parklandschaft mit einem umfangreichen Nutzungsangebot vor.
Die Erschließung der Köpfwiesen soll zum einen über den Köpfwiesenweg erfolgen, der durchgängig gemacht werden soll. Sogenannte Promenaden durch das gesamte Gebiet verbinden die Altstadt mit der Enz. Gleichzeitig sollen die mit Bäumen gesäumten Promenaden jederzeit einen Blick auf die Altstadt ermöglichen. Der Dammweg soll unbefestigt bleiben und Sitz- sowie Aussichtsplätze erhalten. Auch eine Bootsanlagestelle sowie eine Floßverbindung zwischen Gemeindewiesen und Köpfwiesen ist in dem Konzept vorgesehen. Verschiedene Sitz- und Picknickplätze kann sich der Planer im Gebiet zwischen Köpfwiesenweg und Enz vorstellen. Das Raumprogramm sieht hier auch eine Liegewiese sowie einen Strandgarten vor. Dem kulturellen Bereich soll mit Kunst am Parkeingang sowie mit einer Freiluftbühne Rechnung getragen werden. Ein Spielplatz sowie eine Gastronomie mit Biergarten soll das Konzept ergänzen.
Die Köpfwiesen zwischen Enz und Straße haben eine Fläche von rund sechs Hektar. Davon gehören dem Land 5200 Quadratmeter (Enzdamm), im Privatbesitz sind 1,9 Hektar, der Rest der Fläche gehört der Stadt. Der Bereich zwischen der Straße Im Mühlkanal und dem parallel verlaufenden Köpfwiesenweg bleibt unberührt, die Gärten dort sollen erhalten bleiben. Dies gilt auch für einen Teil des Bereiches zwischen Köpfwiesenweg und Enz, in dem ebenfalls private Gärten liegen. Nach Auskunft der Stadt Vaihingen gibt es dort insgesamt etwa 21 private Gartengrundstücke, von denen künftig sechs öffentlich werden sollen. Den Besitzern wird entweder ein Kaufangebot gemacht oder ein anderes Grundstück in den Köpfwiesen zum Tausch angeboten.
„Mein erster Eindruck ist positiv, doch dahinter verbergen sich erhebliche Kosten“, sagte Fritz Wahl (FDP). Umso wichtiger sei es, die Bürger zu beteiligen. Wilfried Breit (Bündnis 90/Die Grünen) kann sich vorstellen, dort im Biergarten zu sitzen. Das Konzept beinhalte viele Anregungen. Breit: „Das wird ein ganz tolles Quartier.“
Walter Sämann (Freie Wähler) sah ein Problem beim Erwerb der privaten Grundstücke. „Leute, die dort ihr Gärtle haben, haben sich in dieses verliebt und wollen es so schnell nicht hergeben.“ Außerdem dürfe bei der Maßnahme der Hochwasserschutz nicht beschädigt werden. Oberbürgermeister Gerd Maisch warf ein, dass mit der Neugestaltung der Köpfwiesen auch ohne Grundstückskauf begonnen werden könne. Selbstverständlich wolle man versuchen, die Eigentümer mit ins Boot zu nehmen.
Armin Nonnenmacher (Freie Wähler) monierte, dass im Konzept die Anbindung des Enztalradwegs fehle. Um die kulturelle Veranstaltungsfläche, wo auch der Vaihinger Kultursommer stattfindet, mit Lkw besser erreichen zu können, müsse der Köpfwiesenweg aufgeweitet werden. Ulrich Grau (sachkundiger Einwohner) regte an, den Enztalradweg im Bereich des Illinger Tors in die Mühlstraße zu führen. Generell sollte man seiner Ansicht nach die Neugestaltung der Köpfwiesen ruhen zu lassen, bis die Umgestaltung des Enzufers abgeschlossen ist. Dazu der OB: „Bis wir an die Umsetzung gehen, ist die Enzufer-Umgestaltung schon lange fertig.“
Eberhard Zucker sah in dem Konzept „interessante Ansätze“, vermisste allerdings die Würdigung der historischen Bürgergärten. Für die Schaffung aller im Konzept vorgeschlagenen Dinge wie Picknickplätze, Liegewiesen und andere Dinge sei das Gelände zu klein. „Ich möchte das Historische und nicht den Eventcharakter in den Vordergrund stellen“, sagte Zucker. Martin Braun (Freie Wähler) regte einen Badebetrieb an der Enz an. Dazu Verwaltungschef Maisch: „Dieses Ziel verfolgen wir nicht.“

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