Die Heinkel-Liebe

Erstellt: 26. August 2014
Die Heinkel-Liebe Petra Döring mit dem Heinkel Tourist 102 A-1. Foto: Rücker

Enzweihingen (sr). 4600 Mitglieder zählt der Heinkel-Club Deutschland weltweit. Die Vorsitzende des Vereins ist Petra Döring aus Enz-weihingen, die mit ihrem Mann Peter sieben Heinkel-Roller besitzt. Auch bei der Hochzeit der beiden am Freitag waren die Viertakter dabei. Mit dem Heinkel-Virus angesteckt wurde die Enzweihingerin schon vor ihrer Geburt.
„Ich bin schon Heinkel-Roller gefahren, da war ich noch gar nicht geboren“, erzählt die Enzweihingerin Petra Döring. Mehr als 44 Jahre währt die Zuneigung zu Heinkel nun schon, die im Bauch von Mutter Eva begann. Daheim auf den Fildern hatte Vater Horst Seikowski einen „Schrotthaufen“ zu einem Heinkel-Roller auferstehen lassen. „Meine Mutter sollte mobil werden“, erklärt Döring. Eva Seikowski hatte „nur“ den Motorradführerschein. So erfährt Töchterchen Petra schon im Mutterleib das Heinkel-Feeling mit Vibrationen und dem besonderen Klang.
Bewusst erinnern kann sie sich an eine Fahrt im zarten Alter von circa drei Jahren, als sie, behütet vom Vater, auf dem Trittbrett eine Heinkel-Fahrt über einen Landweg absolviert. Als Petra Seikowski im Teenageralter ist, zieht die Familie nach Stuttgart Bad-Cannstatt. Die Mutter mag nicht mehr Heinkel fahren, der Roller wird beim Bruder eingelagert.
2000 stirbt ihr Vater und es wird erwogen, das Zweirad zu verkaufen. Petra Döring hat damals noch keinen Führerschein, den sie dann aber unter anderem deshalb macht, um dem Heinkel eine Daseinsberechtigung im Familienbesitz zu verschaffen. Ihr Motto: „Der Roller kommt nicht weg!“ Bruder Uwe, von Beruf Feinmechaniker, bringt das Gefährt in Schuss. Petra Seikowski denkt sich: Ersatzteile für den Tourist 102 A-1 Baujahr 1954 bekommt sie wohl am besten beim clubeigenen Ersatzteildienst des Heinkel-Clubs. 2001 tritt sie dem Verein mit Sitz in Lauffen bei.
Der Roller hat auch Anteil an der Ehestiftung zwischen Peter und Petra. Am vergangenen Freitag war Hochzeit im Vaihinger Archivhöfle. Heinkler und Heinkel-Roller waren natürlich dabei, ebenso die Ur-Heinklerin Ruth Bader aus Vaihingen, die der VKZ den Tipp mit der Feier gab. Im Jahr 2000 tuckerte Peter Döring, der aus Bad-Cannstatt Sommerrain kommt, zum Telefonladen, über dem die Seikowskis wohnten. Petra Seikowski und ihr Vater entdeckten den geparkten Heinkel-Roller. Ein Gespräch von „Heinkler zu Heinkler“ entspann sich. Erst zwei Jahre später klingelt der Feuerwehrler aus dem Sommerrain auf der Suche nach einem Motor. Petra Seikowski bittet Peter Döring, ihr die Termine für Heinkel-Stammtische in Ludwigsburg durchzugeben, doch ihm kommt die Telefonnummer in den Wirren eines Volksfestbesuchs abhanden. Beim Maibaumaufstellen in Cannstatt erspäht sie den Feuerwehrmann allerdings wieder und „macht ihn rund“. Beim nächsten Stammtisch positioniert sich Petra Seikowski an der Gaststätte, die noch erschreckend leer ist.
„Dann höre ich das Tuckern …“, erinnert sie sich. Zwei Gestalten wie Rocker steigen vom Heinkel. „Da willst du nicht hin“, ist ihr erster Impuls, aber das „jetzt guckst du dir den Haufen mal an“, gewinnt die Oberhand.
Bald darauf ist sie beim Jahrestreffen hinter der Theke eingebunden und erlebt „bundesweite Heinkler im Einsatz – das war einfach bloß irre“. Danach braust sie erst mal mit ihrer BMW nach Sardinien. Dem Regionalclub der Heinkler bleibt sie treu und ist seit 2005 mit ihrem Peter liiert. Seit 2009 ist sie Vorsitzende des Heinkel-Clubs und mittlerweile in der dritten Amtszeit. Sieben Heinkelroller sind im und ums Haus in Enzweihingen, wo sie seit vier Jahren mit ihrem Mann wohnt, verteilt. Den Tourist 103 A-1 , Baujahr 1959, hat sie zum 40. Geburtstag geschenkt bekommen. Mit einem schwarzen 103 A-2 fährt die gelernte Industriekauffrau gerne mal zu ihrer Arbeitsstelle nach Gerlingen, – auch der „Opa-Roller“ kommt so zum Einsatz.
Die vorgezogene Hochzeitsreise führte Anfang August mit anderen Heinklern in den Harz. Durchschnittsgeschwindigkeit 50 Kilometer pro Stunde, Höchstgeschwindigkeit 95 km/h – „Buckel runter mit aufgespanntem Rückensegel“. Diese Roller haben zwar – im Gegensatz zu dem „Opa“ – einen Vibrationsschutz. Auf den 220 Kilometern musste trotzdem eine Beschleunigerpumpe wieder festgeschraubt werden.
Die Tourist-Roller mit ihren 9,2 PS hätten vom Sound her was von einer Citroën-Ente oder einem zarten Lanz-Bulldog. „Tuck tuck tuck“, beschreibt Döring den Klang des Viertakters. Ganz anders also als das „Rengdengdeng“ eines Zweitakters.
Diese Lautmalerei scheint global verständlich. „Im Ausland wird manchmal gefragt: ‚Rengdengdeng?‘“ Die Antwort „nein, ‚tuck tuck tuck‘ versteht jeder“, sagt Petra Döring.
Bei der gestrigen Vorführung der charakteristischen Klangfarbe verschluckt sich der 103 A-2 und verstummt. „Dem hat irgendwas am Herz nicht gut getan“, sagt Döring und klingt recht besorgt. Halb so schlimm, Ehemann Peter muss ja schließlich auch was zu tun haben.
www.heinkel-club.de

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