Die Franzosenbraut

Erstellt: 27. April 2010
Die Franzosenbraut Premiere der „Franzosenbraut“ mit Renate Storm als Mutter Büchner, Stefan Weiss als Antoine, Lara Schüssler als Ida und Renate Gebhard als deren Schwester (von links). Foto: tud

Oberriexingen (wes). Mit seinem Stück „Franzosenbraut“ begibt sich das „Theater unter der Dauseck“ erneut auf eine Zeitreise, um ein menschliches Schicksal zu verdeutlichen, das auch knapp 100 Jahre nach seinem Eintreten noch berührt und bewegt.
 Am Samstag fand die außerordentlich erfolgreiche Premiere in der Georgskirche in Oberriexingen statt. Am Sonntagnachmittag folgte eine weitere recht gut besuchte Vorstellung des von Barbara Schüssler geschriebenen Bühnenwerks.
Während des Ersten Weltkriegs zwischen 1914 und 1918 spielt das Schauspiel „Franzosenbraut“ und es basiert auf einer wahren Begebenheit in jener schrecklichen Epoche, wie solche von Christa Lieb, einer für das Stadtarchiv Bietigheim-Bissingen tätigen Autorin, in dem Buch „Zwischen Heimat und Front“ beschrieben wurden. Die Tochter eines Landwirts, der selbst mit größter vaterländischer Begeisterung, die damals alle wehrtüchtigen Männer erfasste, gleich zu Begin des Weltkrieges die Soldatenuniform anzog, aber schon in den ersten Wochen an der Front in Frankreich fiel, verliebte sich in einen französischen Kriegsgefangenen, der auf dem elterlichen Hof zur Zwangsarbeit eingesetzt war. Das galt als ein schwerwiegendes Vergehen gegen das eigene Volk und wurde mit mehrmonatiger Haft bestraft.
Das Stück „Franzosenbraut“ beginnt im Frauengefängnis von Ludwigsburg, wo das Mädchen Ida Büchner aus Bietigheim nach mehr als fünfmonatiger Haft auf seine Entlassung wartet. Zuvor aber muss es noch vor einem Geistlichen ein Schuldbekenntnis ablegen. Sie erzählt ihre Geschichte, die mit der Mobilmachung im Jahr 1914 begann. Nachdem schon der Vater zu den Waffen geeilt war, ging es auch Idas Bruder nicht schnell genug, eingezogen zu werden, obschon er Brillenträger war und sich deshalb als körperlich benachteiligt empfand. Auch er wird jedoch an die Front geschickt. Mutter Büchner und ihre beiden Töchter, eine davon ist Ida, können die Arbeit auf dem Bauernhof allein nicht mehr bewältigen, weshalb ihnen Antoine, ein französischer Kriegsgefangener, als Zwangsarbeiter zugeteilt wird. Der junge Mann ist sehr fleißig und lernt die deutsche Sprache erstaunlich schnell. Ida, die jüngere der beiden Töchter, verliebt sich trotz strengster Ermahnungen durch die Behörde, jedweden persönlichen Kontakt zu dem Gefangenen zu unterlassen, in ihn. Sie wird verraten und ins Gefängnis geworfen.
Um das Stück in der Oberriexinger Georgskirche aufführen zu können, wurde der Altarraum durch einen Vorhang von dem übrigen Kirchenraum abgetrennt. Auf enger Fläche und bei äußerst geringer Ausstattung mit Requisiten wird in schnell aufeinander folgenden kurzen Szenen die Handlung des dramatischen Stücks fortgeführt. Der Autorin Barbara Schüssler war es damit gelungen, die Geschichte von der verbotenen Liebe spannungsreich und zugleich auch tief bewegend zu gestalten. Dazwischen wurden aber auch in knapp bemessenen Sequenzen die Schrecken des brutalen Kampfes Mann gegen Mann an der Front verdeutlicht oder das selbstherrliche Auftreten der Staatsgewalt gegenüber den Menschen in der Heimat.
Nur fünf Mitwirkende verkörperten eine große Zahl verschiedener Personen. Vom eigentlichen Ensemble des „Theaters unter der Dauseck“ waren dies Lara Schüssler, Renate Storm und Bernd Schlegel und als Gäste spielten Renate Gebhard sowie Stefan Weiss mit. In der lebendigen und auf Tempo achtenden Regie von Patricia Liedtke-Wittenborn entfalteten insbesondere Bernd Schlegel und Stefan Weiss überaus lebendige Charakterisierungen verschiedener Bühnenfiguren. Eindringliches Spiel bot vor allem Lara Schüssler als Ida, mit dem sie die Entwicklung vom naiven Mädchen vom Lande zur gereiften jungen Frau gestaltete. Auch Stefan Weiss, der unter anderem den französischen Kriegsgefangenen Antoine darstellte, beeindruckte mit sensibler Darstellung.
Das ohne Pause aufgeführte Stück „Franzosenbraut“ von Barbara Schüssler machte nachdenklich.
 Weitere Aufführung folgen am zwischen dem 7. und 9. Mai in der Kelter Bietigheim.

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