Deponie wächst

Erstellt: 12. Oktober 2012
Deponie wächst Entlang der B 10 wird die Deponie Froschgraben in die Höhe erweitert. Foto: Kuhnle

Schwieberdingen (ub). Das Projekt hat den Namen „Froschgraben Plus“. Und das „Plus“ bedeutet, es geht in die Höhe und nicht in die Breite. Die Mineralstoffdeponie „Froschgraben“ an der Bundesstraße 10 bei Schwieberdingen – die Genehmigung zum Betrieb erfolgte im Jahr 1994 – wird erweitert.
Die Schaffung des zusätzlichen Deponievolumens – die Abfallverwertungsgesellschaft des Landkreises Ludwigsburg (AVL) spricht als Betreiberin der Anlage von 2,8 Millionen Tonnen – soll durch eine Erhöhung der bestehenden Deponie erreicht werden. Die Schutthöhe von 35 Metern soll aber nicht überschritten werden. Auf dem „Froschgraben“ werden Erdaushub, Straßenaufbruch und Bauschutt abgeliefert – Material, das in die Deponieklassen 0 und 1 (unbelastet und nicht gefährlich) fällt.
Gestern hat der Aufsichtsrat der AVL die Geschäftsführung ermächtigt, den Planfeststellungsantrag für die Deponieerweiterung beim Regierungspräsidium Stuttgart einzureichen. Bis Ende Februar 2013 können dann die Einwendungen Privater und die Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange eingehen. Mit dem Planfeststellungsbescheid rechnet die AVL im Sommer. Mit der Gemeinde Schwieberdingen ist bereits ein entsprechender Vertrag unterzeichnet.
Auch der Verband Region Stuttgart hält an der Kooperation mit der AVL über das Jahr 2014 hinaus fest. Der Verband, der sich qua Gesetz um die Entsorgung von Schlacken und Kernsanden (mineralische Abfälle) und verunreinigten Bodenaushub zu kümmern hat, will auch ab 2015 rund 70 000 Tonnen pro Jahr nach Schwieberdingen liefern.
„Konkreter Bedarf“ für
weiteren Deponieraum
Zum Ende des vergangenen Jahres hat die Deponie „Froschgraben“, die sich auf einer Fläche von 56 Hektar entlang der Bundesstraße 10 erstreckt, noch eine Restlaufzeit von vier Jahren und eine Kapazität von 1,2 Millionen Kubikmeter. Doch das reicht nicht, „denn es besteht konkreter und dringender Bedarf für die Schaffung zusätzlichen Deponieraums“, so die AVL in ihrer Begründung für die Erweiterung. Mit der größeren Auffüllhöhe soll sich das Gesamtvolumen um 1,9 Millionen Kubikmeter erhöhen. Kumuliert über den Prognosezeitraum von 14 Jahren (2012 bis 2025) rechnet die AVL mit einer Gesamtmenge von 5,79 Millionen Tonnen beziehungsweise 3,6 Millionen Kubikmeter Abfällen – vor allem in der Deponieklasse 1.
Das Großprojekt Stuttgart 21 wurde in der Prognose als „Sondereffekt“ angesetzt. Maximal würden in vier Jahren rund 500 000 Tonnen anfallen.
Die technische Planung für die Deponieerhöhung ist bereits abgeschlossen. So ergab die Visualisierung der neuen Deponieform nur eine „geringfügig veränderte Sichtbarkeit“ der Deponie im Umkreis von zehn Kilometern. Berechnungen zur Beeinflussung des lokalen Klimas durch die erhöhte Deponie hätten ergeben, dass sich die Windverhältnisse nur sehr gering verändern. „Auswirkungen auf Schwieberdingen wird es nicht geben“, steht in der Umweltverträglichkeitsuntersuchung. Auch die Zusatzbelastung durch Feinstaub wird als „sehr gering“ bewertet. Ein Gutachter schätzt die Hintergrundbelastung für den Raum Schwieberdingen auf etwa 20 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft (ein Mikrogramm ist 0,000 001 Gramm). „Die Immissionswerte der TA Luft zum Schutz vor Gesundheitsgefahren sowie zum Schutz vor erheblichen Nachteilen und Belästigungen im Bereich der nächstgelegenen nutzungssensiblen Punkte werden im Jahresmittel sicher eingehalten“, heißt es in der Sitzungsvorlage für die AVL-Aufsichtsratsmitglieder.
Untersucht wurde in dem Verfahren auch, ob es Sinn macht, die anfallenden „Froschgraben“-Mengen zur Deponie „Burghof“ zwischen Horrheim und Gündelbach zu liefern. Doch das würde bedeuten, dass die Restkapazität des „Burghofs“ bereits 2023 erreicht wäre, zehn Jahre früher als geplant. Außerdem sei dadurch die geforderte Entsorgungssicherheit nicht gewährleistet und verlängerte Transportwege würden zu Buche schlagen. Das Fazit der AVL: Die Nutzung des hochwertigen Deponieraums für die Deponieklasse 2 auf der Deponie „Burghof“ zur Ablagerung von nicht oder unerheblich belasteten Abfällen der Deponieklassen 0 oder 1 nach Auslaufen der Restkapazitäten der Deponie „Froschgraben“ ist keine abfallwirtschaftlich sinnvolle Alternative zur geplanten Erhöhung in Schwieberdingen.
Für die letzten noch fehlenden Flurstücke – es werden durch die Erhöhung aber keine zusätzlichen Flächen außerhalb des planfestgestellten Deponiebereichs in Anspruch genommen – wurde in der Zwischenzeit eine Einigung erzielt, so dass mit Unterzeichnung der Kaufverträge der Landkreis Ludwigsburg alleiniger Eigentümer der Gesamtfläche der Deponie ist. Albrecht Tschackert, AVL-Prokurist: „Durch die geplante Landschaftsform gelingt es unseres Erachtens, auch die erhöhte Deponie harmonisch in das örtliche Landschaftsbild einzufügen.“

Weiterlesen
Das steht morgen in der VKZ

Das steht morgen in der VKZ

Drucken Diese und weitere Themen lesen Sie wie gewohnt morgen früh in der gedruckten Zeitung oder als E-Paper-Abonnent schon heute Abend ab circa 22.30 Uhr online. Ochsenbach: Mit einer Demonstration wehren sich die Bürger gegen den Schwerlastverkehr im... »