Begegnungstag

Erstellt: 31. Mai 2010
Begegnungstag Zehnter Begegnungstag in Kleinglattbach. Foto: Bögel

Kleinglattbach (ub). Klöstitz ist der Name eines Dorfes im alten Bessarabien, einer ehemaligen deutschen Kolonie in der heutigen Ukraine. Viele der ehemaligen Bewohner dieses Dorfes haben – oft nach einer Odyssee unter abenteuerlichen Umständen und Gefahren – nach dem Zweiten Weltkrieg in Kleinglattbach eine neue Heimat gefunden.
 Am Samstag gab es nach fünf Jahren im katholischen Gemeindezentrum in Kleinglattbach den zehnten Begegnungstag der Klöstitzer Heimatgemeinde. Das Treffen stand unter dem Motto: 195 Jahre Klöstitz – heute Wesjolaja Dolina. Zum Treffen in dem größten Vaihinger Stadtteil waren auch einige junge Bürger aus dem Landstrich zwischen Dnjestr und Pruth gekommen. Heute zählt Wesjolaja Dolina rund 1000 Einwohner, vor der Vertreibung waren es noch 3600.
Einen Neubeginn wagten die Familien aus Bessarabien nach dem Zweiten Weltkrieg im Schwabenland. Auf Betreiben des Kleinglattbacher Pfarrers Adolf Greinert siedelten sich allein 91 Familien in Kleinglattbach an. Darunter auch der heute 74-jährige Egon Feyl, der seit Jahrzehnten die Treffen seiner Landsleute organisiert. „Das erste Treffen war 1965 in der Vaihinger Stadthalle. Da waren noch 1100 Besucher da. Bei jedem Treffen sind es aber 100 Leute weniger“, erzählte Feyl.
So kamen am Samstag rund 170 Gäste in das katholische Gemeindezentrum in Kleinglattbach, um einen Tag lang sich zu unterhalten, sich informieren zu lassen, alte Freunde wiederzutreffen.
Dass sich auch jüngere Leute für ihre Herkunft und die Vergangenheit ihrer Vorfahren interessieren, bewies in Kleinglattbach Volker Haller aus Holzgerlingen, Vorsitzender des Klöstitz-Ausschusses und nicht im alten Bessarabien geboren. „Die Herkunft ist wichtig – auch für junge Menschen“, sagte Haller. Für junge Menschen sei es wichtig, auf wessen Wurzeln sie sich gründen, denn: „Die Zukunft braucht die Vergangenheit.“
Haller erinnerte am Samstag an die Vorfahren, die sich vor 200 Jahren unter abenteuerlichen Bedingungen in ein Land aufgemacht hätten, dass sie nicht einmal vom Hörensagen kannten. „Und die Nachfahren dieser mutigen Menschen sind heute in Kleinglattbach versammelt“, freute sich der Ausschuss-Vorsitzende. Man müsse Respekt vor den Erlebnissen und Erfahrungen haben. Manche Besucher haben 1000 Kilometer zurückgelegt, um am Begegnungstag in Kleinglattbach teilzunehmen.
Der Klöstitz-Ausschuss unterstützt heute auch den Ort Wesjolaja Dolina. So wird eine Fahrt in die Ukraine organisiert, um am 4. September 195 Jahre Klöstitz zu feiern.
Kleinglattbachs Ortsvorsteherin Sieglinde Kühnle erinnerte an den Anfang der 50er Jahre, als die ersten Bessaraber im Ort ankamen. „Da wurde gebuddelt und zwar mit der Schaufel am Arm. Nachbar für Nachbar hat sich geholfen, bis die Siedlung hier entstanden ist.“ Man habe damals großen Respekt vor den Neubürgern bekommen und gelernt, dass es gemeinsam besser gehe. Die Klasse in der Schule sei deutlich angewachsen und man habe gemerkt, dass die Kinder aus Bessarabien christlicher erzogen seien. Kühnle: „Das war etwas Neues, etwas Schönes. Wir haben von Euch gelernt.“
In dem Buch „Klöstitz – das Bild der Heimat“ erinnert Oberlehrer Arnold Mammel an die Anfänge des Lebens in der Steppe: „So stehen den 125 Jahren bäuerlichen Schaffens in unserer alten Heimat 17 Missernten und vier Fehljahre durch Heuschreckenplage 106 Jahre mit mittelmäßigen und guten Ernten gegenüber, in denen sich die Bevölkerung wieder wirtschaftlich erholte, ja viele von ihnen es sogar zu beträchtlichem Wohlstand bringen konnten. Dies aber war nur möglich durch eiserne Sparsamkeit und unendlichen Fleiß. Bauernpioniere mussten hier ganze Arbeit leisten. Die eintönige Steppe musste bewältigt werden. Die Grassteppe verwandelte sich allmählich in fruchtbringende Ackerfelder, die sonnigen Berglagen in herrliche Gärten mit Weinreben und Nussbäumen. Anstelle der ersten notdürftigen Häuschen traten fest gefügte Steinbauten, großräumige Stallungen und Wirtschaftsgebäude. Das ganze Dorf war eingebettet in das Grün unzähliger Akazienbäume, umsäumt von Wald- und Obstanlagen. Auf der Weide suchten stattliche Viehherden ihr Futter, und weiter draußen sah das Auge kilometerweit nichts anderes als wogende Ährenfelder. So haben wir es heute noch in Erinnerung – das Bild unserer Heimat.“
Egon Feyl, der als Vierjähriger Klöstitz verließ, hat heute logischerweise keine großen Erinnerungen mehr an seine Kindheit. Fünfmal war er seither in Klöstitz. Klar ist, dass in fünf Jahren wieder ein Begegnungstag in Kleinglattbach stattfindet. „Dann feiern wir schließlich 200 Jahre Klöstitz

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