Auf zur bunten Weltmeisterschaft

Erstellt: 5. Juni 2012
Auf zur bunten Weltmeisterschaft Birgit Hertfelder. Foto: Rücker

Vaihingen (sr). „Mit Farbe Freude bringen“, so bringt Birgit Hertfelder ihre Passion auf den Punkt. Auch Anfang Juli beim World Bodypainting Festival 2012 im österreichischen Pörtschach ist das ihre Maxime. Die 47-jährige Vaihingerin, bekannt mit ihrem Theater Dimbeldu, wird sich dort mit der Weltelite messen.
Ganz ungezwungen sei sie mit Farben aufgewachsen, erzählt Birgit Hertfelder. Vater Heinz war Maler- und Lackiermeister, da habe man dann keine Hemmungen mehr vor der bunten Welt der Pigmente, sagt die Vaihingerin. Sie wird Anfang Juli wieder beim World Bodypainting Festival (WBF) antreten, der Weltmeisterschaft der Körperbemaler. Ihre Eltern seien schon kreative Menschen. Holzpfeifen wurden selbst geschnitzt, die ersten Kasperlepuppen sind von Mama und Papa für die fünfköpfige Kinderschar gebastelt worden. Im Vaihinger Elternhaus wurde der kleinen Birgit schon von Anfang an Kreativität eingehaucht. „Kein Werkstoff ist umsonst da“, habe sie von Kindesbeinen an gespürt. Birgit Hertfelder ist die Chefin des Theaters Dimbeldu in Vaihingen, Puppenspielerin, Kinderschminkerin, Buchautorin, Stadtführerin, alleinerziehende Mutter – „bestimmt habe ich 1000 Sachen vergessen“, sagt sie nach einer kleinen Denkpause. Dabei hat sie nach der Schule Rechtsanwaltsfachangestellte gelernt und in diesem Job 23 Jahre gearbeitet. Als sie 2001 im Mutterschutz mit ihrer jüngsten Tochter Marina war, kam die Initialzündung für die berufliche Neuorientierung.
„Eine Freundin hat mich gefragt, ob ich in ihrem Piercing-Studio tätowieren will“, erinnert sich das Multitalent. Das war nicht ihre Sache, sie mag niemandem Verletzungen zufügen. Aber gemalte Tattoos, das kam von Anfang an gut an. Hertfelder wurde recht schnell auch zu größeren Events gebucht. Ein Weingärtner aus Ensingen habe dann irgendwann angefragt, ob sie auch Kinderschminken anbieten würde. Hertfelder: „Da bin ich losgerast in den Vaihinger Bastelladen und habe einen Schminkkasten gekauft.“ In dieser Zeit wurde auch das Theater Dimbeldu aus der Taufe gehoben und „irgendwann, vor ein paar Jahren, war klar, dass das mein Hauptberuf wird“.
Seitdem habe sie, als Puppenspielerin, mit Kinderschminken, als Stadtführerin und, und, und einen 24-Stunden-Tag. Sie könne mal mehr, mal weniger gut von ihren kreativen Arbeiten leben. „Wichtig ist, dass man lebt – der Weg ist das Ziel, und das ist das Leben“, philosophiert Hertfelder. Durch das Kinderschminken und die Tattoos habe sie, als ihre zwei Mädchen noch klein waren, das Bodypainting nur im Fernsehen und Internet verfolgen können. „Es hat mich so fasziniert, welche Effekte mit Farben auf dem menschlichen Körper erzielt werden können“, denkt die Vaihingerin an diese Zeit zurück. Im Jahr 2005 fasst sie sich ein Herz und bewirbt sich beim German Bodypainting Festival. Nur, wer den Anforderungen genügt, darf bei den Wettkämpfen an den Start. Im In- und Ausland misst sie sich seitdem mit den Künstlerkollegen, von denen inzwischen viele zu Freunden geworden sind. Unter den Teilnehmern sind auch professionelle Make-up-Artisten, die für Film und Fernsehen Special Effects kreieren. „Da tritt man dann als kleine Hausfrau gegen die Profis an“, fasst Birgit Hertfelder die Situation zusammen.
Mit Kosten von rund 1000 Euro muss sie für die Teilnahme am WBF-Wettkampf auf der Halbinsel im Wörthersee für ihr Team rechnen. Auch Tochter Miriam geht mit einer eigenen Gruppe an den Start. Mit einem Geldpreis sei eher nicht zu rechnen, die beiden ersten Plätze seien traditionell mit Profis belegt, weiß Hertfelder aus Erfahrung.
Miriam und Birgit Hertfelder treten beide in den Kategorien Special Effects Make-up und Facepainting an. Die Vorbereitung hierfür laufen bei Birgit Hertfelder seit einigen Tagen. Es gilt, das Thema „Innere Ängste“ auszudrücken. Hertfelder will etwas Positives machen, „keinen blutigen Depri-Scheiß“. Der Druck von außen und die positive innere Energie werden dann beim Contest an ihrem Berliner Modell plastisch erscheinen. Mehr möchte sie aus Sorge vor Ideenklau nicht verraten.
Formen aus Ton werden jetzt schon modelliert, mit Gips abgegossen, bearbeitet und schließlich mit Latex und Kaltschaum aufgefüllt. Im Sammelsurium der Ausstattung, die mit zum Wettkampf geschleppt wird, finden sich Glitzer, Wimpern, Kontaktlinsen, „x-verschiedene Schwämmchen“, Pinsel, Farben in allen Variationen und mehr. Aber „am allerwichtigsten ist Wasser, sonst flutscht nichts“.
2007 belegte Hertfelder den zweiten Platz bei der Kategorie Special Effects bei den Deutschen Meisterschaften, 2008 war sie Facepaintingmeisterin in den Niederlanden, beim WBF 2011 erreichte sie den sechsten Platz bei den Special Effects. Darauf sei sie schon stolz, meint sie, fügt aber an: „Mein größter Erfolg war, dass Jugendliche, denen ich in Vaihingen Facepainting gezeigt habe, mehrmals erste Plätze belegt haben.“ Für sie selbst steht nun wieder eine Weltmeisterschaft bevor. Aber vorher noch sieht sie „Großeinsätzen zur Fußball-EM“ ins Auge, bei denen die Fans den richtigen Anstrich fürs Mitfiebern bekommen.
Mehr über das Bodypainting von Birgit Hertfelder findet sich im Internet unter www.farbevent.de. Mehr zum World Bodypainting Festival in Pörtschach unter www.bodypainting-festival.com.

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