Auf der Suche nach dem Grundriss

Erstellt: 12. Juni 2014
Auf der Suche nach dem Grundriss In Abständen von je 50 Zentimetern fährt Geophysiker Harald von der Osten mit dem Georadar das Gelände ab. Foto: Rostek

Oberriexingen (cmr). Was versteckt sich unter der Fläche, auf der einst die Burg Dauseck in Oberriexingen stand? Sollten dort noch immer die Steinblöcke liegen, die einst das Fundament der Anlage gebildet haben, könnte das Aufschluss über die Struktur der Burg geben. Um das herauszufinden, wird die Fläche aktuell unter die Lupe genommen.
Eine große Linde spendet kühlen Schatten. Mitten auf einer mit Steinen ausgelegten Fläche ragt sie empor. Nebenan ist ein ehemaliger Brunnen sowie ein alter Gusstigel zu sehen. Dass hier einst eine Burg stand, ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Einzig die erhöhte Lage lässt darauf schließen, dass hier früher eine Festung das Landschaftsbild prägte.
Dokumente aus dem Hauptstaatsarchiv Stuttgart belegen das auch: Im Mittelalter stand hier die Burg Dauseck. „Früher hieß sie Tuseck, was so viel wie Zwei-Eck bedeutet. Durch die Geländeform bestimmter Gewanne zwischen zwei Geländevorsprüngen erhielt sie ihren Namen. 1789 wurde sie eingerissen. Einige Steine wurden für die noch heute bestehenden Weinbergmauern verwendet“, informiert Marc-Oliver Boger, der heutige Eigentümer des Grundstücks.
Auf einem Din-A4-Blatt hat der Mann aus Bietigheim-Bissingen Informationen rund um die Burg zusammengetragen. Viele Einzelheiten sind darauf allerdings nicht zu lesen, wenn man bedenkt, dass die Burg mehrere Jahrhunderte überdauerte. „Die historische Quellenlage ist sehr dünn“, erklärt Boger.
Um mehr über die Burg zu erfahren, möchte der Mann aus Bietigheim-Bissingen einen Blick in die Erde werfen. „Das Fundament vieler Burgen bestand früher aus großen Steinblöcken. Da diese sehr schwer sind, nehme ich an, dass man sie nicht weggetragen hat, als man die Burg abriss. Es ist also anzunehmen, dass sie sich noch immer hier in der Erde befinden. Falls ja, könnte uns das Aufschluss über die Struktur der Burg geben“, erklärt der 37-Jährige.
Muss nun also der Boden aufgerissen werden? Boger schüttelt den Kopf. Ob sich hier noch Fundamentsteine befinden, lässt sich auch auf anderem Weg herausfinden und zwar mit einem sogenannten Georadar, das ähnlich wie ein Echolot funktioniert. „Das Gerät gibt elektromagnetische Impulse in den Boden ab. Trifft es auf eine sogenannte Störgrenze, also beispielsweise die Grenze zwischen Stein und Humus, wird ein Teil der Energie reflektiert. Der Rest dringt weiter in den Boden ein, so dass wir ein dreidimensionales Bild erhalten und sehen, wie die Tiefen hier im Boden aufgebaut sind“, erklärt Harald von der Osten, Geophysiker am Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg.
Eine Arbeit von wenigen Minuten ist das aber keineswegs: Um genaue Ergebnisse zu erzielen, wurde die Fläche abgesteckt und in gleichmäßigen Abständen Schnüre gespannt. Der inzwischen pensionierte Archäologe Andreas Szymanski hat ihm dabei geholfen. Im Abstand von je 50 Zentimeter fährt der Geophysiker nun parallel zu den Schnüren das Grundstück ab.
Mit dem Gerät verbunden ist ein kleiner Computer mit Display, auf dem der Geophysiker in Form schwarzer und weißer Linien sofort erste Ergebnisse angezeigt bekommt. Sprich: Er kann bereits erkennen, ob sich in der Erde etwas befindet, das vermutlich kein Humus ist. Ob es sich dabei aber um geologische Elemente – zum Beispiel natürlich vorkommende Steine –, oder archäologische Funde handelt – etwa ein von Menschen in den Boden eingebrachter Stein – kann er dann aber noch nicht sagen. „Allerdings ist es recht verdächtig, dass es hier so eben ist. Der Mensch hat hier auf alle Fälle etwas gemacht“, mutmaßt er.
Um jedoch zweifelsfrei beurteilen zu können, ob die elektromagnetischen Impulse auf die vermuteten Steine getroffen sind, muss von der Osten seine Ergebnisse erst noch einem Computer übermitteln. Mit einem speziellen Programm werden dann Filteroperationen durchgeführt, unter anderem um Störungen – etwa das Hintergrundrauschen – herauszufiltern. Am Ende entsteht ein Profil der parallel zur Oberfläche liegenden Erdebenen. „Es sieht ähnlich aus wie das Bild einer Computertomografie“, sagt von der Osten. Bis Ende der Woche sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.
Sollte der Geophysiker auf die erhofften Fundamentsteine stoßen, würde das den Grundstückseigentümer sehr glücklich stimmen. „Dann wäre ich geschichtlich befriedigt“, sagt er mit einem Schmunzeln im Gesicht. Ob er die Steine dann auch ausgraben möchte? „Nein, das habe ich nicht vor. Und ohne Genehmigung dürfte ich das eh nicht. Mir geht es darum, einen Grundriss der Burg vor Augen zu haben. Diesen würde ich dann der Stadt Oberriexingen zur Verfügung stellen“, sagt Boger.
Doch auch für den Fall, dass die vermuteten Steine dort nicht mehr liegen, dürfte der 37-Jährige nicht all zu traurig sein. Schon jetzt hat er rund um das Gelände der ehemligen Burg alte Fundstücke entdeckt, die sein Herz höher schlagen lassen. „Bei einer eingestürzten Mauer habe ich zum Beispiel das Randstück eines alten Topfes gefunden sowie eine kleine Glocke, die vermutlich mal einer Kuh um den Hals hing“, erzählt er. So oder so war der Erwerb des Grundstücks ein Glücksgriff für den historisch interessierten Mann.

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