Asylbewerber ins Schloss?

Erstellt: 13. September 2014
Asylbewerber ins Schloss? Das Schloss Kaltenstein in Vaihingen steht seit Jahresbeginn leer. Jetzt schlägt der Landkreis Ludwigsburg vor, Asylbewerber darin unterzubringen. Foto: Kuhnle

Vaihingen (elf). Um dem steigenden Asylbewerberstrom gerecht zu werden, sucht Landrat Dr. Rainer Haas dringend neue Unterkünfte. Dabei geriet jetzt auch das Vaihinger Schloss Kaltenstein in den Fokus. Bei der Stadt hält sich die Begeisterung darüber ebenso in Grenzen wie beim Land, dem die Immobilie gehört.
Seit Januar sind die Räumlichkeiten des Vaihinger Wahrzeichens verwaist, nachdem dort das CJD Jugenddorf ausgezogen ist. Kein Wunder, dass man beim Landkreis Ludwigsburg neben vielen anderen Immobilien auch das Schloss für die Unterbringung von Asylbewerbern ins Visier genommen hat. „Angesichts der steigenden Asylbewerberzahlen sind wir natürlich auf der Suche nach geeigneten Unterkünften und führen dazu Gespräche mit dem Land“, sagt Dr. Andreas Fritz, Pressesprecher des Landkreises. Dabei ginge es darum, ob das Land geeignete Grundstücke und Immobilien zur Verfügung stellen kann. „Bei diesen Gesprächen handelt es sich um mehrere Objekte im Kreis, darunter ist auch das Schloss Kaltenstein“, sagt Fritz. Eine Entscheidung sei noch nicht getroffen worden.
Bastian Fleig, Sprecher des Landesministeriums für Finanzen und Wirtschaft, bestätigt ebenfalls, dass es bereits Gespräche über die Unterbringung von Asylbewerbern im Vaihinger Schloss gegeben habe. „Die Begeisterung darüber hält sich bei uns relativ stark in Grenzen“, sagt Fleig. Das Schloss sei aus baulichen Gründen kurzfristig nicht beziehbar, da „erhebliche Sanierungsarbeiten“ erforderlich wären, um den Flüchtlingen eine sichere Unterkunft bereitstellen zu können. „Der Landkreis müsste also zunächst das Gebäude entsprechend nutzbar machen und auch die gegebenenfalls erforderlichen Genehmigungen einholen sowie das Einverständnis der Standortgemeinde herbeiführen. Entsprechende Gespräche dazu sind in Planung“, teilt der Sprecher des Ministeriums mit.
Da die Landkreise für die Unterbringung von Asylbewerbern zuständig sind und dafür pro Asylant eine Pauschale von rund 14 000 Euro vom Land bekommen, sei der Landkreis auch für entsprechende Sanierungsarbeiten verantwortlich. Die Stadt Vaihingen müsse aus bau- und denkmalschutzrechtlichen Gründen gehört werden. Gegen den Willen einer Kommune könne man eine Immobilie nur schwer zu einer Asylbewerberunterkunft umfunktionieren.
„Der Landkreis befindet sich hier zweifellos in einer schwierigen Situation“, sagt der Vaihinger Oberbürgermeister Gerd Maisch. Da sei es nachvollziehbar, alle möglichen Varianten ins Kalkül zu ziehen. Schon vor einigen Monaten sei beim Kreis der Gedanke aufgekommen, Asylbewerber im Schloss unterzubringen. Das Land und er als Stadtoberhaupt hätten mit ihrer Meinung übereingestimmt, dass es besser wäre, andere Varianten zu prüfen. Jetzt habe der Landrat einen erneuten Vorstoß in diese Richtung gemacht.
„Ich halte das für den falschen Weg“, sagt OB Maisch. Schloss Kaltenstein sei Aushängeschild und Wahrzeichen der Stadt und nicht dafür geeignet, Unterkunft für Flüchtlinge zu sein. Außerdem habe er erhebliche Sicherheitsbedenken hinsichtlich der Rettungswege im Schloss. Wenn der Landkreis diese Idee weiterverfolgen werde, müsse man die Sicherheitsfrage „sehr genau“ klären. „Es ist zu kurz gesprungen, eine solche Nutzung zu realisieren“, so der OB. „Da hat das Schloss mehr Gehirnschmalz verdient.“

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