Alle Zeichen stehen auf VAI

Erstellt: 2. April 2014
Alle Zeichen stehen auf VAI Der Vaihinger Oberbürgermeister Gerd Maisch wirbt für ein „Ja“, wenn der Ausschuss für Umwelt und Technik des Kreistags am 9. Mai über die Wiedereinführung des Vai-Kennzeichens abstimmt. Foto: Elsässer

Vaihingen (elf). Es sind nur drei Buchstaben, doch für viele Vaihinger drücken sie ein gutes Stück Heimatgefühl aus. Dem will sich jetzt auch die Politik nicht mehr verschließen. Deshalb hat Landrat Dr. Rainer Haas die Wiedereinführung des VAI-Kennzeichens auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Technik am 9. Mai gesetzt. Dort zeichnet sich jetzt eine Mehrheit für das Alt-Kennzeichen ab.
Oberbürgermeister Gerd Maisch ist zweifelsohne einer der größten Kämpfer für das Kennzeichen, das vor 40 Jahren der Verwaltungsreform zum Opfer gefallen war. Immer wieder hat der Vaihinger OB bei Landrat Haas dafür geworben, nachdem der Kreistagsausschuss für Umwelt und Technik (AUT) im November 2012 mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit gegen die Wiedereinführung des Nostalgiekennzeichens gestimmt hat. Jetzt deutet alles darauf hin, dass die Vaihinger bald „VAI“ an Front und Heck ihres Autos durch die Gegend fahren können.
Mittlerweile hat auch bei Landrat Haas ein Umdenken stattgefunden. Der Chef der Kreisverwaltung führt zwei Argumente an, weshalb er das Thema auf die Tagesordnung des AUT genommen hat. So dürfen Halter eines Kraftfahrzeugs ab 1. Januar 2015 ihr Kfz-Kennzeichen behalten, wenn sie in einen anderen Landkreis oder gar ein anderes Bundesland ziehen. Beim bisherigen Prinzip habe man sich darauf verlassen können, dass der Bürger auch dort wohnt, wo sein Kennzeichen gestempelt wurde, so der Landrat. Diese Tatsache werde künftig aufgeweicht. „Das halte ich für bedauerlich“, sagt Haas. Gleichzeitig könne man aber die Augen nicht davor verschließen. Gleichzeitig sei der Landrat davon überrascht worden, welchen Hype das Nostalgie-Kennzeichen andernorts ausgelöst habe. So auch in Leonberg, wo Haas wohnt. Dort beschränken sich die LEO-Kennzeichen keinesfalls nur auf neue Zulassungen. „Viele Leute sind dort bereit, auch so rund 100 Euro für Ummeldung und Kennzeichen auszugeben“, weiß Landrat Rainer Haas. „Das scheint den Leuten sehr viel zu bedeuten.“
Einen Beschluss des Ausschusses hätte der Landrat nicht benötigt, um das VAI-Kennzeichen beim Land zu beantragen. „Ein Brief ans Ministerium hätte gereicht“, macht Haas deutlich. Doch nachdem sich der AUT vor anderthalb Jahren mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit dagegen ausgesprochen hatte, sei es für ihn keine Frage, das Thema erneut diesem Gremium zur Abstimmung vorzulegen. Dass der Verwaltungsvorschlag mittlerweile mehrheitsfähig ist, davon geht der Chef der Kreisverwaltung aus. Haas: „Ich habe den Eindruck, dass die Kreisräte ähnlich wie ich zu einer neuen Sicht gekommen sind.“
Darüber freut sich vor allem Oberbürgermeister Gerd Maisch: „Ich war immer davon überzeugt, dass das VAI-Kennzeichen über kurz oder lang eingeführt wird.“ Es handele sich dabei um eine der seltenen Entscheidungen, mit der man die Menschen glücklich machen könne, ohne Kosten zu verursachen. In Baden-Württemberg seien immer mehr der alten Kennzeichen wieder eingeführt worden. Dabei handele es sich um einen Trend, der nicht mehr aufzuhalten sei. Umso mehr freue es ihn, dass der Landrat die Initiative ergriffen hat.
Nun erfolgt die Beschlussfassung also am 9. Mai. Die VKZ wollte allerdings jetzt schon wissen, wie die Kreisräte abstimmen werden, und hat bei den Fraktionen nachgefragt. „Es ist damit zu rechnen, dass wir das einstimmig passieren lassen“, signalisierte Albrecht Fischer aus Gündelbach die Zustimmung der CDU-Fraktion. Nachdem man künftig die Kfz-Kennzeichen bei Umzügen mitnehmen kann, mache es keinen Sinn mehr, gegen das Nostalgie-Kennzeichen zu sein. Außerdem ließe es sich nicht rechtfertigen, das VAI-Kennzeichen zu verbieten, wo nebenan mit dem LEO-Kennzeichen gefahren wird.
Bei der Freien-Wähler-Fraktion, der auch der Vaihinger OB angehört, gibt es einen Fraktionsbeschluss für das Alt-Kennzeichen. „Wir werden geschlossen dafür sein“, sagte Sprecher Eberhard Zucker aus Vaihingen. Sein Fraktionskollege OB Maisch habe kräftig die Werbetrommel gerührt, was nun endlich gefruchtet hätte. „Nachdem man überall Autos mit dem LEO-Kennzeichen herumkurven sieht, wäre es peinlich, wenn es in der Sitzung am 9. Mai nicht durchginge“, sagt Zucker.
„Ob wir geschlossen abstimmen, kann ich nicht sagen, da wir uns formal noch kein Meinungsbild gemacht haben“, sagt Gerhard Jüttner aus Tamm von der SPD-Fraktion. Es gebe zwar wichtigere Themen, doch dass dieses den Vaihingern am Herzen liege, sei schon verständlich. Ob sich die SPD deswegen einstimmig für das VAI-Kennzeichen ausspreche, könne er nicht sagen. Aber: „Die Vaihinger brauchen sich keine Sorgen zu machen.“
Dr. Peter-Michael Valet aus Asperg vom Bündnis 90/Die Grünen signalisierte, dass seine Fraktion zu dem Ergebnis gekommen sei, sich bei dem Thema geschlossen enthalten zu wollen. Er sei geradezu schockiert darüber, wie viele Autos mit LEO-Kennzeichen im Kreis Leonberg zu sehen seien, sagt Valet und spricht von einer Modererscheinung. Doch er beruhigt: „Von den Grünen wird es kein Dagegen geben.“
Ein Ja wird es aller Aussicht nach auch von der FDP geben, wie Holger Haist aus Mundelsheim andeutet. „Wir haben schon beim letzten Mal dafür gestimmt und werden dies wohl auch dieses Mal wieder tun.“ Allerdings habe er sich noch nicht mit seinem Fraktionskollegen Volker Godel abgesprochen. „Wir sehen das entspannt“, sagt Haist. er verstehe zwar die Gegenargumente, doch „wenn die Vaihinger das haben wollen, sollen sie es bekommen“.

Weiterlesen
Das steht morgen in der VKZ

Das steht morgen in der VKZ

Drucken Diese und weitere Themen lesen Sie wie gewohnt morgen früh in der gedruckten Zeitung oder als E-Paper-Abonnent schon heute Abend ab circa 22.30 Uhr online. Vaihingen: Ein Besuch beim Weihnachtsmarkt … Kleinglattbach/Gündelbach: … und noch mehr Besuche... »