Abschiedstour für Reinhard Wolf

Erstellt: 25. September 2013
Abschiedstour für Reinhard Wolf Reinhard Wolf mit einem Plan der Möhrseelein. Foto: Rücker

Horrheim/Sersheim (sr). Sieben Stationen im Landkreis Ludwigsburg wurden gestern bei der Abschiedstour für Reinhard Wolf angesteuert. Der Referatsleiter Naturschutz und Landschaftspflege geht nach über 35 Jahren Einsatz für den Schutz der Natur in den Ruhestand. Erster Halt war der Untere See in Horrheim.
 „Naturschutzgebiet und Krawatte beißt sich ein bisschen“, erklärt Regierungspräsident Johannes Schmalzl gestern Morgen am Unteren See in Horrheim. Leger bis zünftig gekleidet sind dann auch die Teilnehmer der Abschiedstour für den Referatsleiter Naturschutz und Landschaftspflege des Regierungspräsidiums Stuttgart (RP), Reinhard Wolf. „Über 35 Jahre kraftvolles Engagement für den Schutz der Natur“, bescheinigt Schmalzl dem 63-jährigen Wolf. Sein Eintreten in den Ruhestand sei eine Zäsur. Reinhard Wolf sei eine Art Brückenbauer gewesen zwischen dem amtlichen und dem ehrenamtlichen Naturschutz und könne auf eine gewaltige Lebensleistung zurückblicken. Schmalzl: „Naturschutz kann man nicht von oben verordnen, er muss gelebt werden.“ Das gehe nur, wenn Hauptamtliche und Ehrenamtliche zusammenarbeiten.
Der Marbacher Wolf wurde 1950 in Künzelsau am Kocher geboren, studierte Diplom-Geografie an der Universität Stuttgart und hatte zwischenzeitlich drei Jahre in Vaihingen gewohnt. Seit 1976 ist er in der Naturschutzverwaltung des Landes beschäftigt und ist zudem vielfach engagiert in Verbänden, unter anderem dem Schwäbischen Albverein, dem Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und dem Bund für Umwelt und Naturschutz. Als Schwerpunkte seiner Arbeit werden beispielsweise die Neuausweisung und Betreuung von Naturschutzgebieten, Landschaftspflegemaßnahmen und Öffentlichkeitsarbeit genannt.
An den Beginn der Arbeiten für den Unteren See in Horrheim Mitte der 80er Jahre erinnert sich Wolf noch gut. Eine derart große Ausgleichsfläche – in diesem Fall für die Neubaustrecke Stuttgart-Mannheim der Bahn – „war damals ein Novum“, so Wolf. Ebenfalls neu war, dass Bagger für den Naturschutz eingesetzt wurden. Teilweise bei minus 22 Grad Celsius sei das schwere Gerät angerückt, die Maßnahme schaffte es sogar ins Fernsehen. Das vorher kleinparzellierte Gelände sei in den 70er Jahren nach und nach größtenteils vom Nabu erworben worden, wobei Wolf vor allem die Arbeit des Gründers der Vogelschutzgruppe Kleinglattbach, Otto Gittinger, würdigt Unter Federführung von Wolf erfolgte die Planung, Ausschreibung, Baubetreuung sowie die Pflege des heutigen Naturschutzgebiets „Unterer See und Umgebung“.
Der rund einen Hektar große See ist von einem großen Schilfgürtel verborgen, „damit man ohne Rohrstiefel nicht an den See kommt“, erklärt Wolf. Ein Refugium für die Wasservogelwelt sei hier entstanden und Öffentlichkeitsarbeit dürfe an einem solchen Ort nicht fehlen, weshalb große Tafeln auf die Schätze von Flora und Fauna hinweisen. Der Untere See sei ein ornithologisches Juwel, sagt auch Joachim Sommer, der gestern die Nabu-Gruppe Vaihingen vertritt.
Der Roßwager Vogelkundler aus Leidenschaft kann von Eisvogel, Teichrohrsänger, Rohrweihe, Schwarzmilan und weiteren Besonderheiten berichten, die er in dem Naturschutzgebiet schon beobachtet hat. Reinhard Wolf kennt er persönlich, weil auch Sommer einmal in Marbach gewohnt hatte. „Ich schätze ihn sehr, weil er umgänglich ist und realitätsnah“, lobt Sommer. Wolf sei kein Eiferer und Ideologe, sondern ein Macher und Realist.
Passend zum Anlass lässt sich auf der Wiese am See ein Silberreiher nieder, der mit seinem schneeweißen Gefieder auch dem Laien als Besonderheit auffällt. Mit diesem Bild verlässt der kleine Tross um Wolf aus Weggefährten und auch den Verwaltungschefs aus Vaihingen und Sersheim den Unteren See in Richtung Naturdenkmale Möhrseelein auf Sersheimer Markung.
„Es sind hier tatsächlich Wasserflächen drin“, versichert Wolf nach der Ankunft und mit Blick auf die Gehölze um die Möhrseelein. Hinter dem dichten Grün verbergen sich drei kleine Weiher. Im Rahmen der Flurbereinigung konnten die Möhrseelein in den 70/80er Jahren zu Naturschutzzwecken vom Land erworben und dadurch besser geschützt werden. Wolf hatte in einem Plan aufgezeichnet, wie die dicht am Wasser verlaufenden Wege verlegt werden könnten, damit die Tier- und Pflanzenwelt ungestört bleiben kann. In einem dieser Seelein befindet sich das vermutlich einzige Vorkommen des Laubfroschs im Landkreis Ludwigsburg.
1996 wurde Reinhard Wolf von der damaligen Ministerin für Ernährung und Ländlichen Raum des Landes Baden-Württemberg, Gerdi Staiblin, um Hilfe gebeten. Ob er nicht eine Idee hätte, was anstelle von Weihnachtsgeschenken Gutes getan werden könne, worauf sie dann in ihren Weihnachtskarten hinweisen könne. Wolf hatte eine Idee, nämlich das Pflanzen einer Hecke. Im Dezember 1996 wurde schließlich am dritten Möhrseelein die „Staiblin-Hecke“ gepflanzt. Beim Anblick der kleinen Pflänzchen sei die Ministerin enttäuscht gewesen. Aber Wolf schicke ihr regelmäßig Bilder von der inzwischen stattlichen Hecke. Weitere Stationen der Abschiedstour waren der Hohe Spielberg in Spielberg; der Geigersberg in Ochsenbach; das Naturschutzgebiet Pleidelsheimer Wiesental in Pleidelsheim, das Sulzbächle und eine weiter Fläche in Marbach.
Seine Tätigkeit in Sachen Kleindenkmale will Wolf auch im Ruhestand weiterführen. Im vergangenen Jahr erhielt er die Silberne Halbkugel für sein außerordentliches Engagement für den Erhalt und die Erforschung der Kleindenkmale in Baden-Württemberg. „Da mach’ ich weiter“, sagt Wolf. Und auch Reiner Ehret, Vorsitzender des Landesnaturschutzverbandes Baden-Württemberg, hat die Hoffnung, dass Wolf nun viel mehr Zeit für private Naturschutzarbeit hat.

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