Immer wieder lockt die Ferne

Uwe Schoppel ist Weltreisender aus Maulbronn

Von Sabine Rücker Erstellt: 19. Dezember 2014
Immer wieder lockt die Ferne Weltreisender Uwe Schoppel bei der VKZ.

Uwe Schoppel dürfte manchem VKZ-Leser noch vom Foto als „Gänsemagd“ auf der Kläranlage Strudelbach in Erinnerung sein. Hauptberuflich kümmert sich der Maschinenbaumeister dort seit einigen Jahren um die Maschinen. Schon viel länger ist er aber als Weltenbummler unterwegs.

Vaihingen/Maulbronn. Erst war alles ganz normal im Leben von Uwe Schoppel: Schule, Ausbildung zum Industriemechaniker, Bundeswehr, Meisterschule. Dann ging seine damalige langjährige Freundin nach Chile, erinnert sich Schoppel. Bei seinem vierwöchigen Besuch merkt der Maulbronner, dass das Reisen ihm gefällt. „Das hat mich inspiriert“, sagt Schoppel. Ab diesem Zeitpunkt wird der Lebenslauf des Maschinenbaumeisters anders als der vieler Mitmenschen. Schoppel ist Weltreisender, nachzulesen ist das auch auf der Internetseite www.dieweltreisenden.de.
1976 wird er in Kronstadt in Rumänien geboren und zieht im Alter von vier Jahren mit seinen Eltern nach Maulbronn. Dort lebt er auch heute noch und er verdient seinen Lebensunterhalt seit einigen Jahren mit der Wartung und mechanischen Arbeiten an den Maschinen der Kläranlage Strudelbach in Enzweihingen.
Das Außergewöhnliche sind Schoppels Reisen: Skandinavien mit dem Fahrrad, Süd-/Zentral- und Nordamerika mit dem Fahrrad, diverse Afrikareisen, Alaska mit dem Fahrrad, Kolumbien, Neuseeland – so lautet die unvollständige Liste an besuchten Reisezielen.

„Solche Reisen kosten eigentlich nicht so viel“, sagt er. Übernachtet wird in der Regel im Zelt oder in Jugendherbergen. Zwischen den Reisen habe er immer gearbeitet, er möchte der Gesellschaft nicht auf der Tasche liegen. Das sei kein Problem, „wenn man eine gute Qualifikation hat“, erklärt Schoppel. So schafft er in der Skisaison in Balderschwang, arbeitet im Sondermaschinenbau oder mal als Hausmeister. Und dazwischen geht es in die weite Welt hinaus.
Die vier Wochen Skandinavien, in denen er Ende der 90er Jahre 2200 Kilometer auf seinem Rad von Dänemark bis zu den Lofoten vor Norwegens Küste bewältigt, gehören bei dem Maulbronner eher zur Kategorie „Kurztrip“.
Im Jahr 2001 fährt Schoppel mit seinem Maulbronner Freund Rolf Langohr und weiteren Kumpels mit Mercedes-Fahrzeugen Baujahr 1980 innerhalb von fünf Wochen nach Afrika, wo sie in Gambia unter anderem Arzneimittel und Kleidung an eine Hilfsorganisation liefern.
„Die Begeisterung fürs Reisen wurde immer größer“, räumt Schoppel ein.
2002/2003 schlägt die Reiselust erneut zu. Zuerst durchquert Schoppel wandernd und bergsteigend mit einem Freund in sechs Monaten Chile, Argentinien, Bolivien und Peru. Dann, wieder in Chile angekommen, nimmt er sein Fahrrad in Empfang. „Der Plan war, mit dem Fahrrad von Chile bis Alaska zu fahren“, sagt der 38-Jährige. Es habe alles wunderbar geklappt, bis zu seinem vierten Tag in den USA. Kurz nach Los Angeles kommt ein großer Lkw von der Straße ab „und er hat mich erwischt“, sagt Schoppel, der schon damals immer mit Helm fuhr. Doch an diesem 25. April 2003 nützt auch der Kopfschutz nichts. Schoppel wird etliche Meter mitgeschleift und ist klinisch tot. Er wird wiederbelebt, hat aber schwere Verletzungen erlitten, darunter Wirbelbrüche und großflächige Schürfwunden. Einen Monat lang ist er im Krankenhaus, bevor er nach Deutschland zurückfliegen kann. Das Ende der abenteuerlichen Reisen?
„Ne, ne, ne“, sagt der Weltreisende. „Kaum war ich daheim – ich bin hier im Rollstuhl angekommen – habe ich mir ein neues Fahrrad gekauft.“
Er trainiert, rappelt sich auf, arbeitet das Jahr 2004 durch, um 2005/2006 bei diversen Afrikareisen mit Kumpels die Sahara mehrmals mit dem Allradfahrzeug zu durchqueren. Fazit: „Super.“ Auch wenn manches sehr gefährlich gewesen sei, zum Beispiel die Minengürtel in Mauretanien und das Schlafen in der Nähe von Tuareg-Rebellen. Es folgt wieder ein Jahr der Arbeit, abgelöst von einer großen Reise. Gemeinsam mit seinem Freund Langohr bezwingt er die USA und Alaska mit dem Fahrrad. „Das war Genussradeln“, strahlt Schoppel bei der Erinnerung daran. Genussradeln heißt im Schoppelschen Reiseuniversum: Es gibt überall Trinkwasser und Supermärkte und die Zeltplätze waren meistens okay und günstig. Schoppel: „Man konnte sich voll aufs Fahrradfahren und die Nationalparks konzentrieren.“
Dutzende Bären geraten bei dieser Tour ins Blickfeld der Radler aus dem Ländle. „Man muss halt gewisse Grundregeln beachten“, sagt er dazu unaufgeregt. „Wenn man sich gut vorbereitet, passiert nichts.“ Viel Wild sehen sie bei dieser Tour. Unter anderem umflutet eine Bisonherde die zwei Maulbronner. Alaska sei „super“. Zwar gab es im Herbst schon Nachtfrost, aber „wir waren von der Ausrüstung her gut aufgestellt“.
Auch die Zentralasientour 2008 mit Allradfahrzeugen „war super“. Vor allem der Verkehr auf den russischen Straßen sei spannend gewesen und die Uralüberquerung „hat mich an den Schwarzwald erinnert“. Sehr freundlich seien die Kirgisen und Usbeken gewesen, die Einladung zum Wodka obligatorisch. Der konnte Schoppel durch das Zeigen seiner großen Narbe und dem Hinweis, dass er keinen Alkohol trinken dürfe, entgehen.
2010 nimmt der Maulbronner wieder alleine Australien unter die Räder seines Velos. Viel Buschlandschaft und viel Gegenwind zerren an den Nerven. Er spürt, „dass ich mit dem Alleinreisen durch bin“.
Im vergangenen Jahr reist er zwar nochmal alleine, aber in teilweise bekanntem Terrain – er führt die Reise, bei der er schwer verunglückte, fort.
50 Kilogramm wiegt sein Fahrrad samt Equipment, das er durch Kolumbien und Ecuador bewegt. „Es war super, das hat echt wieder Spaß gemacht“, erinnert sich Schoppel. Die Andenpässe und starker Verkehr seien schon etwas knifflig gewesen. Aber endlich kann er wieder Spanisch sprechen und Erinnerungen an die frühere Reise werden wach.
2014 beradelte er Neuseeland. „Sechs Wochen nur“, sagt er mit traurigem Blick. Die Freiheit habe ihm dort ein bissle gefehlt. Wild campen sei beispielsweise nicht erlaubt gewesen. „Ich bin halt sehr freiheitsliebend“, lässt Schoppel wissen. Das könnte auch mit dem schweren Unfall in den USA zusammenhängen.
Danach habe er gemerkt, „dass ich mein Leben leben muss, wie ich es leben will“. Zurzeit ist er Single, aber für alles offen. „Es kann sein, dass ich mich verliebe und Kinder werden habe.“ Doch konkrete Ziele gibt es auch noch in seinem Leben: „Es gibt schon noch einige Flecken auf der Landkarte, wo ich noch nicht war“, sagt Schoppel. Zum Beispiel Südostasien und nochmal Südamerika …

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