Vaihingen (elf) – Die Vaihinger Kreiszeitung begleitet in der Serie „Von der Rebe ins Glas“ ein Jahr lang jeden Monat die Mitglieder des Arbeitskreises der Vaihinger Weinbaubetriebe, um zu zeigen, welcher Aufwand betrieben werden muss, bis der Wein getrunken werden kann. Die elfte Folge beschäftigt sich mit dem Lohn für die Mühen eines Jahres: die Weinprämierung.
Sie ist das Ergebnis und der Ausdruck des Qualitätsmanagements in der Weinbranche: die Landesweinprämierung, die in diesem Jahr in Württemberg zum 50. Mal stattgefunden hat. Die Prüfung der Weine auf Qualität verfolgt gleich zwei Ziele: Sie ermöglicht dem Kunden eine bessere Orientierung beim Kauf eines guten Tropfens und spornt die württemberger Weinwirtschaft außerdem zu einem umfassenden Qualitätsdenken an. Die Prämierung zeigt den Weingärtnern, ob das über das Jahr betriebene Qualitätsmanagement im Weinberg und im Keller seine Früchte getragen hat.
Auch einige Mitglieder des Arbeitskreises der Vaihinger Weinbaubetriebe haben Weine ins Rennen geschickt und beachtliche Erfolge erzielt, wie jetzt bei der Vorstellung der Preisträger in Heilbronn bekannt wurde (wir berichteten). Abgesahnt haben das Weingut Sonnenhof Bezner-Fischer in Gündelbach (18 Gold, 26 Silber, 3 Bronze) und die Genossenschaftskellerei Roßwag-Mühlhausen (17 Gold, 50 Silber, 16 Bronze). Prämierte Betriebe sind auch die Weingärtner Horrheim-Gündelbach (3 Gold, 14 Silber, 1 Bronze), das Weingut Faigle in Horrheim (3 Gold, 7 Silber, 1 Bronze), das Weingut Bastian Walz (1 Gold, 2 Silber, 1 Bronze) und die Weingärtnergenossenschaft Ensingen (3 Silber). Zu besonderen Lorbeeren kam das Gündelbacher Weingut Sonnenhof. Der Riesling 2007 Selection und der Trollinger 2007 trocken bekamen die Höchstpunktzahl und wurden unter den besten Weinen nochmals zu Siegerweinen gekürt. Die Genossenschaftskellerei Roßwag-Mühlhausen bekam überdies bei der Bundesweinprämierung 6-mal Gold, 14-mal Silber und 9-mal Bronze und hat jeweils einen Vertreter bei den zehn Spitzenweinen aus ökologischem Anbau (Trollinger 2007 QbA trocken) und bei den zehn Spitzenweinen Rotwein fruchtig (Lemberger mit Trollinger 2005 QbA). Außerdem gab es beim internationalen Weinpreis Mundus Vini zwei Mal Silber.
Das Prämierungsjahr im Land dauert vom 1. Oktober bis 30. September. In dieser Zeit werden an fünf Terminen die angestellten Weine verkostet und prämiert. Wie viele Weine pro Teilnehmer angestellt werden dürfen, hängt von der jeweiligen Rebfläche ab. Jeder teilnehmende Betrieb hat pro Weinsorte drei Flaschen abzuliefern, falls einer korkt oder sonstige Probleme aufweist. Außerdem sind für jeden eingereichten Wein Prüfgebühren in Höhe von 30 bis 50 Euro zu berappen.
Vier Juroren verkosten dann jeweils die eingereichten Weine. Jeder Prüfer benötigt einen Prüfpass. Sie kommen in erster Linie aus der Branche von Kellereien, Weingütern und Genossenschaften. Auch Verbrauchervertreter sind dabei. Die Weine werden Sorte für Sorte verdeckt probiert und bekommen von den Juroren Punkte zugewiesen. Daraus wird pro Wein die Durchschnittspunktzahl errechnet. Wer dann 4,5 bis 5 Punkte hat, bekommt Gold. Bei 4 bis 4,49 Punkten gibt es Silber, bei 3,5 bis 3,99 Punkten Bronze. Darunter zählt nur noch der olympische Gedanke.
Geprüft wird nicht nur nach dem subjektiven Geschmack der Juroren, sondern auch nach typischen sortenspezifischen Eigenschaften. So charakterisiert den Riesling eine ausdrucksvolle Nase, ein Geschmack, der an exotische Früchte erinnert, sein harmonisches Spiel zwischen Säure, Süße und Alkohol sowie seine Spritzigkeit und sein nachhaltiger Geschmack. Der Lemberger ist gekennzeichnet von einer kräftigen, rot-violetten Farbe. Sein beeriges Fruchtaroma erinnert an schwarze Johannisbeere und Herzkirsche. Ein guter Lemberger ist vollmundig und hat ein „Bodag’fährtle“ – einen langen, erdigen Nachgeschmack. Der Spätburgunder – der König unter den Rotweinen – ist rubinrot mit braunen Untertönen. Sein opulenter Duft und sein samtiger Geschmack sind von einem fruchtigen Aroma (Erdbeere, Brombeere) mit Einfluss von Veilchen und Vanille geprägt. Sind die Preismünzen verteilt, bekommt dies der anstellende Betrieb sofort mitgeteilt, damit er die Auszeichnung bei der Etikettierung seiner Weine berücksichtigen kann. Nicht, dass die Weine verkauft sind, bevor das Prämierungsetikett angebracht wurde…
Auf die Preisgestaltung wirkt sich die Prämierung in aller Regel nicht aus. „Das ist nicht in unserem Sinne“, sagt beispielsweise Martin Fischer vom Weingut Sonnenhof. Die Auszeichnung sei vielmehr ein Zusatznutzen für den Kunden, diene allerdings auch dem Image des Weinbaubetriebes. So bleibt der Weingärtner in aller Regel zwar seinem Stil treu, doch letztlich wird vorwiegend für den Geschmack des Kunden produziert. Hierzu Dieter Faigle (Horrheim): „Der Köder muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler.“ Albrecht Fischer vom Weingut Sonnenhof: „Wir müssen uns nach dem Wunsch des Kunden richten.“ Hier werde sich auch in den kommenden Jahren in Sachen Qualität noch einiges tun. „Wir sind noch nicht dort, wo wir hinkommen können“, so Fischer. Letztendlich werde sich die Qualität des Weines auf dem „erbarmungslosen“ Markt behaupten.
