Donnerstag, 09. Februar 2012

Mai: Der Austrieb der Reben


Weingärtner Bernhard Ilshöfer aus Horrheim beim Biegen der Frostrute. Foto: Elsässer
Weingärtner Bernhard Ilshöfer aus Horrheim beim Biegen der Frostrute. Foto: Elsässer

Vaihingen (elf) – Die Vaihinger Kreiszeitung begleitet in ihrer Serie „Von der Rebe ins Glas“ ein Jahr lang jeden Monat die Mitglieder des Arbeitskreises der Vaihinger Weinbaubetriebe, um zu zeigen, welcher Aufwand betrieben wird, bis der Wein getrunken werden kann. Die fünfte Folge beschäftigt sich mit den Arbeiten rund um den Austrieb der Reben.
 „Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus.“ So heißt es im Volkslied, so trifft es aber auch auf die Reben zu. Bevor im Juni die Blüte ansteht, passiert das, was der Fachmann den Austrieb nennt. Ein kritischer Zeitpunkt, denn die Arbeit an den Rebstöcken hat jetzt direkten Einfluss auf den Pflanzenwuchs und damit auf die Qualität des Weines. Zu dieser Jahreszeit hat der Weingärtner fast täglich im Weinberg zu sein, um seine Reben zu beobachten. In dieser Phase wird nämlich bestimmt, wie später die sogenannte „Laubwand“ aussieht. Diese Laubwand, das Blattwerk der Rebe, soll die Sonnenenergie nach Möglichkeit optimal ausnützen und sowohl lichtals auch luftdurchlässig sein, um hochwertige Trauben zu bekommen. Das Problem: Das zarte Blattwerk wird von den Insekten geliebt und befallen, wenn nicht geeignete Gegenmaßnahmen getroffen werden. Schadmilben, Dickmaulrüssler und Rhombenspanner machen es sich gerne auf und am Blattwerk gemütlich und halten sich dort schadlos. Griff man früher noch zur chemischen Keule, ist man heute weitaus einfallsreicher. Statt Insektizide zu spritzen, was seit 1992 ohnehin verboten ist, werden Pheromonfallen ausgehängt. Dabei handelt es sich um eine biologische Pflanzenschutzmaßnahme zur Bekämpfung des Traubenwicklers. Der Sexualduftstoff Pheromon wird mittels Kapseln, die etwa alle fünf Meter im Weinberg aufgehängt werden, verströmt. Dadurch werden die Männchen zu den Duftquellen gelockt, können aber keine Weibchen zur Paarung finden. Dieses Verfahren wird auch als „Verwirr-Methode“ bezeichnet. „Die Pheromonkapseln müssen flächendeckend aufgehängt werden, damit sich die Weinberge wie unter einem Duftstoff-Zelt befinden“, sagt Bernhard Ilshöfer vom gleichnamigen Weinbaubetrieb in Horrheim. Eine wirksame Methode, die zwar etwas teurer ist, aber vom Verbraucher sehr geschätzt wird, wie Ilshöfer weiß: „Die Kunden sehen diese Art der Schädlingsbekämpfung als Vorteil für den deutschen Wein, da im Ausland heute noch oft bis in den September hinein Insektizide gespritzt werden.“ Lediglich im Jahr 2003 waren die Ampullen zu früh leer, weil der Lockstoff aufgrund der heißen Witterung schneller als geplant verdunstete. Dass in Sachen Pflanzenschutz im Weinberg nichts dem Zufall überlassen wird, belegt die Tatsache, dass die Weingärtner sogar die Anflughäufigkeit der Falter messen, um schnell reagieren zu können. Dies geschieht mit mobilen Messgeräten. Ein weiteres Problem ist der Nachtfrost, der sich negativ auf den Austrieb auswirken kann. Während die Burgundersorten nicht so anfällig auf Frost sind, kann die Kälte dem Lemberger schon mal etwas anhaben. Wurde der Austrieb des angebundenen Rutenbogens durch den kalten Draht zerstört, wird die Rute abgezwickt und durch die so genannte Frostrute – eine Ersatzrute – ersetzt (vgl. die Folgen Januar und Februar). Nach den Eisheiligen können die nicht mehr benötigten Frostruten entfernt werden. Übrigens: Noch bis 1990 wurde in Frostnächten in den Weinbergen geheizt, was mit viel Rauch und Gestank einher ging. Als dies aus Umweltgründen untersagt wurde, besann man sich, zur Sicherheit eine Frostrute zu belassen. Auch Krankheiten wie Pilzbefall, Mehltau und die Schwarzfleckenkrankheit können der Rebe zu schaffen machen und sich negativ auf den Austrieb auswirken. Tritt eine Krankheit nur vereinzelt auf, werden die befallenen Stellen mit der Rebschere entfernt. Bei flächendeckendem Befall muss gespritzt werden (mehr darüber in der nächsten Folge). Doch noch weitere Arbeiten müssen im Mai im Weinberg verrichtet werden. So hat der Weingärtner die Stämme der Reben zu säubern. Das heißt: Der Stamm wird von überschüssigen Trieben und vom Bast befreit, um die Nester der Schädlinge zu entfernen. Allerdings werden dadurch auch Nützlinge vertrieben. Außerdem wird damit verhindert, dass neue, nicht benötigte Triebe dem Fruchttrieb Nährstoffe entziehen. Eine wichtige Arbeit ist auch die Lockerung des Bodens zwischen den Rebzeilen. Dabei werden auch die hoch gewachsenen Wiesenkräuter abgemäht und als natürlicher Dünger dort liegen gelassen (vgl. Monat April). Das Anfang des Jahres abgeschnittene Rebholz, das noch in den Rebzeilen liegt, wird dabei gehäckselt und in den Boden eingearbeitet. In unserer nächsten Folge im Juni geht es beim Weingut Zimmermann in Roßwag um die Rebblüte und den Pflanzenschutz.


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