Donnerstag, 09. Februar 2012

März: Die Flaschenabfüllung des Weines


In Sekunden fließt der Wein in die Flaschen. Foto: Elsässer
In Sekunden fließt der Wein in die Flaschen. Foto: Elsässer

Vaihingen (elf) – Die Vaihinger Kreiszeitung begleitet in ihrer Serie „Von der Rebe ins Glas“ die Mitglieder des Arbeitskreises der Vaihinger Weinbaubetriebe ein Jahr lang jeden Monat, um zu zeigen, welcher Aufwand betrieben werden muss, bis der Wein getrunken werden kann. Die dritte Folge beschäftigt sich mit der Abfüllung des Weines in Flaschen.
Bevor Kellermeister Jürgen Essig von der Genossenschaftskellerei Roßwag-Mühlhausen eG daran gehen kann, den Wein abzufüllen, muss der edle Tropfen eine wichtige Voraussetzung erfüllen: Der Wein muss „stabil“ sein, wie die Fachleute sagen. Stabil heißt in diesem Fall, dass der Wein später in der Flasche keinen Weinstein ausscheiden soll. Bei Weißweinen sollen außerdem keine Eiweiß-Trübungen auf der Flasche entstehen.
Hierfür müssen die Weine durch Filterprozesse vorbereitet werden. Durch das Filtern wird der Wein von Hefe und sonstigen Trübstoffen befreit. In der Genossenschaftskellerei Roßwag-Mühlhausen durchläuft der Wein zuerst den sogenannten „Cross-Flow-Filter“. Mit ihm ist es möglich, den trüben und ungeklärten Wein in einem Arbeitsgang in einen von der Hefe befreiten Zustand zu versetzen. „Dann ist er blitzblank“, sagt Kellermeister Essig. Dafür wird der Wein aus dem Tank durch den Filter und in den nächsten Tank gepumpt. Dort bleibt er bis zur Abfüllung. Da es sich bei dem „Cross-Flow-Filter“ um ein geschlossenes System handelt, ergeben sich bei der Filtration auch keine Verluste beim Aroma und der Farbe. Die Leistung der Apparatur ist enorm: 1500 Liter Wein pro Stunde und 80000 Liter Wein pro Woche laufen durch den Filter. Aufgrund der großen zu verarbeitenden Weinmenge in Roßwag ist es nötig, den Filter, der täglich morgens und abends gereinigt wird, von Mitte November bis Ende März und von Montag bis Freitag rund um die Uhr laufen zu lassen.
Bevor der Wein allerdings abgefüllt werden kann, sind noch weitere vorbereitende Arbeiten nötig. So legt der Kellermeister die Geschmacksrichtung von trocken oder halbtrocken fest. Soll der Wein beispielsweise halbtrocken sein, wird ihm unvergorener Traubenmost zugesetzt.
Selbstverständlich werden auch Flaschen benötigt. Die Pfandflaschen werden von einem Dienstleistungsunternehmen gereinigt. Bei den 0,75-Liter-Flaschen wird generell Neuglas eingesetzt. Und welche Verschlüsse kommen zum Einsatz? „Seit 2003 werden in Roßwag keine Korken mehr verwendet“, sagt Vorstandsvorsitzender Ulrich Allmendinger. Schraubverschluss heißt die Devise. Der Grund liegt in der Qualität der Korken, die nicht ausreicht, um eine durchgehend gleich bleibende Qualität des Weines zu garantieren. Einfacher ausgedrückt: Der Schraubverschluss verhindert, dass der eine oder andere Wein nach Kork schmeckt. Seit dem Einsatz von Schraubverschlüssen kann auch auf den Einsatz von Holzkisten verzichtet werden, da der Wein nun in stapelbaren Kunststoffkisten stehend gelagert werden kann.
Kein Wein ohne Etikett. Gesetzliche Vorschriften regeln, was auf dem kleinen Stück Papier zu stehen hat: die Firma, das Anbaugebiet (Württemberg), die Qualitätsstufe (z.B. Qualitätswein oder Prädikatswein), die Mengenangabe, der Alkoholgehalt sowie die A.P.-Nummer (Abfüllnummer). In ihr verbirgt sich die Betriebsnummer, die Chargennummer sowie der Jahrgang.
Nun kann abgefüllt werden. Hierfür gibt es in Roßwag eine vollautomatische Abfüllanlage. Die einzigen manuellen Tätigkeiten, die hier noch erforderlich sind, sind das Stellen der Flaschen auf das Transportband sowie das Abnehmen der abgefüllten Flaschen vom Band und das Einsetzen in die Kisten. 2500 Flaschen in der Stunde und 18000 Flaschen am Tag leisten die Abfüllanlage sowie die drei Frauen, die die Handarbeit erledigen. Ab einer Menge von 300 Liter Wein wird die Anlage angeworfen. Dabei ist es der Anlage egal, ob sie zwei Tage lang nur Lemberger oder an einem Tag fünf verschiedene Sorten abfüllt.
Bevor jedoch der Wein in die Abfüllanlage gelangt, durchläuft er die so genannten Filterkerzen. Mit einer Porengröße von weniger als einem tausendstel Millimeter findet hier nochmals eine äußerst feine Filtration statt. In der Abfüllanlage selbst werden die Flaschen durchgespült und desinfiziert, abgefüllt sowie mit Schraubverschluss und Etikett versehen. Beim erneuten Filtern durchläuft der Wein die so genannten Filterkerzen. Mit einer Porengröße von weniger als einem tausendstel Millimeter findet hier nochmals eine äußerst feine Filtration statt. Stehen die Weinflaschen in den Kunststoffkisten, werden sie im Flaschenlager, das eine Kapazität von 750000 Flaschen hat, zwischengelagert.
Weingüter, die über keine eigene Abfüllanlage verfügen, beauftragen einen Lohnabfüller, der mit seiner mobilen Anlage kommt und meist den kompletten Jahrgang auf einmal abfüllt.
 In unserer nächsten Folge im April geht es beim Weingut Sonnenhof in Gündelbach um das Pflanzen von Junganlagen, das Häckseln von Rebholz sowie die Düngung.


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