Freitag, 10. Februar 2012

Juni: Die Rebblüte und der Pflanzenschutz


Spritzeinsatz mit dem Hubschrauber in Roßwag. Foto: Elsässer
Spritzeinsatz mit dem Hubschrauber in Roßwag. Foto: Elsässer

Vaihingen (elf) – Die Vaihinger Kreiszeitung begleitet in ihrer Serie „Von der Rebe ins Glas“ ein Jahr lang jeden Monat die Mitglieder des Arbeitskreises der Vaihinger Weinbaubetriebe, um zu zeigen, welcher Aufwand betrieben wird, bis der Wein getrunken werden kann. Die sechste Folge beschäftigt sich mit der Rebblüte und den Pflanzenschutz.
Während ihrer Blüte ist die Rebe in einem äußerst empfindlichen Stadium, weil sich vor allem bei feuchter Witterung Krankheiten einnisten können. Deshalb hoffen die Weingärtner während der sechs bis zehn Tage dauernden Hauptblütezeit auf trockenes Wetter. In diesem Jahr ist die Rebblüte erneut früh dran und erreicht derzeit bereits ihr Endstadium. Zum Vergleich: Im Jahr 2006 ließ die Blüte fast bis Ende Juni auf sich warten. „Die frühe Blüte deutet auch auf einen frühen Herbst hin“, sagt Andrea Zimmermann vom gleichnamigen Weingut in Roßwag. Die Feuchtigkeit im April sowie die Sonne im Mai sorgten für einen zügigen und gleichmäßigen Austrieb.
Ideale Voraussetzungen also für die Befruchtung: Sobald die Rebe erblüht, wirft sie ihre Blütenblätter komplett als sogenannte Käppchen ab – Reben sind Selbstbefruchter. Nun kann die Bestäubung erfolgen. Dabei geben die fünf Stempel ihre (männlichen) Pollen auf die Narbe ab, wo die Pollenkörner zu keimen beginnen. Nun wächst ein Pollenschlauch. Dieser Vorgang funktioniert allerdings nur bei sonnigem und warmem Wetter. Nicht befruchtete Blüten werden abgeworfen, das heißt sie verrieseln.
Durch begleitende Maßnahmen können die Weingärtner die Befruchtung begünstigen. So können sie die Blätter um die Blüte herum entfernen und somit für eine bessere Belüftung sorgen. Dies sollte allerdings behutsam erfolgen, da die Blätter um die Traubenzone herum für die Einlagerung von Zucker und für den Schutz der zarten Blüten verantwortlich sind. Außerdem besteht dann auch das Risiko von zu starker Sonneneinstrahlung.
Im Juni ist es auch besonders wichtig, die Reben mit Pflanzenschutzmitteln zu behandeln. „Wenn man jetzt Infektionen in die wachsenden Trauben bekäme, hätte das Konsequenzen bis zur Lese“, sagt Andrea Zimmermann. Das Hauptproblem seien weniger tierische Schädlinge sondern Pilzkrankheiten. Peronospora (Blattfallkrankheit), Oidium (Mehltau) und Botrytis (Sauerfäule) heißen die Feinde, die es zu bekämpfen gilt. Vor allem Schwarzriesling, Spätburgunder und Riesling sind sehr anfällig auf Pilzbefall, da es sich dabei um kleine und kompakte Trauben handelt.
Das Problem: Pilzsporen sind das ganze Jahr über im Weinberg vorhanden und überwintern im abgefallenen Reblaub auf dem Boden. Bei Regenfällen im Frühjahr werden die Pilzsporen durch Regentropfenspritzer nach oben auf die Blätter transportiert. Dabei unterscheidet der Wengerter zwischen Primärund Sekundärinfektion. Erst bei der zweiten Infektion – wenn also der Pilz von den unteren auf die oberen Blätter springt – werden Pflanzenschutzmittel zum Einsatz gebracht. Dabei werden lediglich Mittel verwendet, die eine Zulassung haben und einem umfangreichen amtlichen Prüfungsverfahren unterzogen wurden. Schließlich sollen unter anderem Bienen und Fische geschützt werden.
Weil die Blätter und Triebe ständig wachsen und die Wirksamkeit der organischen, chemisch hergestellten Pflanzenschutzmittel auf etwa zehn Tage begrenzt ist, müssen sie in Abständen von acht bis zwölf Tagen ausgebracht werden. So kommt es von Ende Mai bis Anfang/Mitte August zu fünf bis sieben Spritzvorgängen. Dabei können mit einem Spritzgemisch mehrere verschiedene Pilzkrankheiten gleichzeitig behandelt werden. Bereits eine halbe Stunde, nachdem das Mittel ausgebracht wurde, sind die Blätter geschützt. Laut gesetzlicher Bestimmung darf in den 30 bis 40 Tagen vor der Lese nicht mehr gespritzt werden.
Der Wengerter hat mehrere Möglichkeiten, das Pflanzenschutzmittel auszubringen. Bei Terrassenlagen bietet sich der Einsatz eines Hubschraubers an, wie am Montag in Roßwag. Wesentlich mühevoller ist die Schlauchspritzung. Hierbei geht der Weingärtner durch die einzelnen Zeilen, zieht den Schlauch hinter sich her und bringt das Spritzmittel sozusagen von Hand aus. Bei den etwas flacheren Lagen wird das Sprühgerät an einem Schmalspur-Schlepper angebaut. Dieser ist schmal genug, um durch die Zeilen fahren zu können.
 „Mit den Geräten, die uns zur Verfügung stehen, können wir ganz fein dosiert und gezielt auf die Rebe spritzen“, sagt Pflanzenschutzexpertin Andrea Zimmermann. Sie weist darauf hin, dass die Wengerter zum Spritzen einen Sachkundenachweis benötigen. Sie räumt auch mit dem weit verbreiteten Vorurteil auf, die Weingärtner würden zu viel Pflanzenschutz ausbringen. „Das Spritzen ist ein immenser Arbeits-, Zeit- und Geldaufwand und damit sehr teuer“, so Zimmermann. Die Weingärtner würden den Pflanzenschutz schon deshalb sehr gezielt vornehmen. Fünf bis sieben Spritzvorgänge seien es in den 100 Tagen von der Blüte bis zur Lese hierzulande maximal. Zum Vergleich: „Im Ausland wird im gleichen Zeitraum bis zu zwölf Mal gespritzt, oft noch kurz vor der Lese“, weiß Andrea Zimmermann.
In unserer nächsten Folge im Juli geht es beim Weingut Nonnenmacher in Vaihingen um die anfallenden Laubarbeiten und die Bodenbearbeitung.


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