Donnerstag, 09. Februar 2012

Juli: Laubarbeiten und Bodenbearbeitung


In zügiger Fahrt wird das Laub mit dem Schlepper angesaugt und abgeschntten. Foto: Elsässer
In zügiger Fahrt wird das Laub mit dem Schlepper angesaugt und abgeschntten. Foto: Elsässer

Vaihingen (elf) – Die Vaihinger Kreiszeitung begleitet in ihrer Serie „Von der Rebe ins Glas“ ein Jahr lang jeden Monat die Mitglieder des Arbeitskreises der Vaihinger Weinbaubetriebe, um zu zeigen, welcher Aufwand betrieben wird, bis der Wein getrunken werden kann. Die siebte Folge beschäftigt sich mit den Laubarbeiten und der Bodenbearbeitung.
Was die Weingärtner sonst während des gesamten Julis beschäftigt, haben sie in diesem Jahr mitunter jetzt schon erledigt: die Laubarbeiten im Weinberg. „Weil uns der Juni hohe Durchschnittstemperaturen beschert hat, ist die Vegetation schon sehr weit“, sagt Armin Nonnenmacher vom gleichnamigen Weingut. „Wir sind kurz vor Traubenschluss.“ Damit ist das Entwicklungsstadium der Weintraube gemeint, bei dem die einzelnen Beeren bereits so weit gewachsen sind, dass sie dicht aneinander liegen und das Stilgerüst verdecken.
In dieser Zeit muss der Wengerter den zweiten Laubschnitt vornehmen. Dabei werden die großen und älteren Blätter rund um die Traubenzone entfernt, damit die Trauben genügend Sonne und Luft abbekommen. Der Vorteil: Die Trauben trocknen nach Niederschlägen schneller, sie sind weniger krankheitsanfällig und bei den roten Sorten findet eine bessere Farbausbildung statt. Seitliche Triebe, die aus dem Drahtrahmen herauswachsen, werden ebenfalls abgeschnitten. Zum besseren Verständnis: Die Fruchttriebe, die bei der Lese abgeerntet werden, befinden sich im Drahtrahmen. Was seitlich herauswächst, kann entfernt werden. Auch die Wuchshöhe wird reguliert. Die grünen, nach oben wachsenden Triebe müssen auf eine bestimmte Länge gekürzt werden. Dies nennt der Weingärtner „gipfeln“.
Das Ziel dieser gezielten Entblätterung ist eine große und dennoch gut durchlüftete Laubwand. Denn: Die Laubwand der Rebe fördert die Umwandlung von Kohlendioxid in Zucker und Sauerstoff. Hierzu sagt der Fachmann Assimilation. Der aus diesem Prozess entstehende Zucker wird überwiegend in der Beere eingelagert. Eine Laubwand mit optimaler Assimilationsfläche hat folgendes Verhältnis: 13 Blätter auf eine Traube. „Das wird auch erreicht“, versichert Armin Nonnenmacher. Um noch mehr Zuckereinlagerung in den Beeren zu erreichen, werden mitunter auch bis zu 30 Blätter pro Traube belassen. Wichtig ist, dass die Zone um die Traube herum frei von Blättern bleibt.
Doch der Laubschnitt birgt auch Risiken – vor allem beim Trollinger. Steigt die Temperatur in der Trollinger-Traube auf über 42 Grad, denaturiert das Eiweiß in den Zellen und die Beeren sterben ab. Die Weingärtner bezeichnen dies als Sonnenbrand.
Der Laubschnitt wird mechanisch durchgeführt, wobei dem Wengerter drei Möglichkeiten zur Verfügung stehen: der Laubsauger, der Laubschneider sowie die Laubschere. Der Laubsauger wird am Schlepper montiert, mit dem der Weingärtner durch die Rebzeilen fährt. Der Laubsauger saugt die überflüssigen Blätter samt verzichtbaren Trauben an und schneidet sie ab. Somit geschieht die Mengenreduktion zur Steigerung der Qualität und das Freilegen der Traubenzone in einem Arbeitsgang. Der Laubschneider hingegen wird zwar ebenfalls per Schlepper durch den Weinberg gefahren, doch er schneidet keine Trauben weg. Die Trauben-Reduktion muss hier kurz vor der Lese von Hand erfolgen. Wo man nicht mit dem Schlepper durchfahren kann – beispielsweise in den steilen Terrassenlagen – ist Handarbeit angesagt. Hierbei haben die Wengerter die Laubschere zu verwenden, was mit der Zeit kräftig in die Oberarme geht. Im Vergleich zu dieser herkömmlichen Entblätterung hat sich der Arbeitsaufwand mit dem Laubsauger um über 60 Prozent reduziert.
Auch in der Bodenbearbeitung sind im Juli Tätigkeiten zu verrichten. So muss die Begrünung zwischen den Zeilen abgemäht werden, um einerseits die Verdunstung von Wasser gering zu halten und andrerseits die Wasserkonkurrenz für die Rebe zu entfernen. In trockenen Jahren kann sich diese Arbeit sehr auf die Qualität des Weines auswirken.
In unserer nächsten Folge im August geht es bei den Weingärtnern Horrheim-Gündelbach um das Qualitätsmanagement.


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