Februar: Schneiden und Biegen der Reben
Vaihingen (elf) – Die Vaihinger Kreiszeitung begleitet in ihrer Serie „Von der Rebe ins Glas“ die Mitglieder des Arbeitskreises der Vaihinger Weinbaubetriebe ein Jahr lang jeden Monat, um zu zeigen, welcher Aufwand betrieben werden muss, bis der Wein getrunken werden kann. Die zweite Folge beschäftigt sich nochmals mit dem Winterschnitt, dem Biegen von Reben und dem Ausbessern der Drahtanlagen.
Was die Weingärtner im Januar beschäftigte, setzt sich auch im Februar fort: der Winterschnitt. Dieser soll am Beispiel des Weinguts Walz ein wenig näher betrachtet werden. „Durch den richtigen Schnitt wird die Rebe zum richtigen Wachstum erzogen“, sagt Bastian Walz, der den so genannten Vorschnitt zur Chefsache erklärt hat. Soll heißen: Bastian Walz beurteilt das Wachstum jeder einzelnen Rebe. Die Ruten, die stehen bleiben sollen, bleiben dran. Der Rest wird mit der Elektroschere abgeschnitten. Was sich einfach anhört, benötigt freilich ein fachmännisches und geschultes Auge. Schließlich soll nur das ausgereifte Fruchtholz für den kommenden Jahrgang stehen bleiben.
Das Ziel des Rebenschnitts ist es, dass aus der Rute, die beim vergangenen Jahrgang Früchte getragen hat, neue Ruten für den kommenden Jahrgang wachsen. Sie bilden folglich die Grundlage für das neue, einjährige Fruchtholz, an dem die Trauben des aktuellen Jahrgangs reifen werden. Die alte Rute wird möglichst nah am Stamm abgeschnitten. Welche Rute stehen bleibt und welche angeschnitten wird, entscheidet der Weingärtner an jedem Stock aufs Neue. Dies erfordert vorausschauendes Arbeiten vom Weingärtner, denn mit dem Schnitt legt er fest, wie die Laubwand im Sommer aussieht und wo dann die Trauben wachsen. Nach Möglichkeit soll auch kein Blatt von einem anderen Schatten bekommen – wegen der Photosynthese. Von Stock zu Stock gehen, Ruten aussuchen, Schnitt, weitergehen, wieder Rute aussuchen – und das ganze 30000-mal. Viel Arbeit für den Vorschnitt.
Anschließend rückt die Arbeitskolonne an und säubert den Stock. Soll heißen: Was Bastian Walz abgeschnitten hat, wird von den Helfern entfernt. Die Ruten, die stehen geblieben sind, werden von den Geiztrieben und Bollhaken befreit. Bei Geiztrieben handelt es sich um wilde Auswüchse, an denen keine Trauben gewachsen sind. Und Bollhaken? Die Rebe ist ein Rankengewächs und hält sich an jeder sich bietenden Möglichkeit fest. Dazu bildet sie Triebe, die sich zum Beispiel um die Drähte am Weinstock wickeln. Haben die Helfer den Stock gesäubert, müssen sie die beiden Ruten, die noch stehen, biegen und anbinden.
Hierfür ist feuchtes Wetter hilfreich, damit die Rute schön biegsam ist und nicht abbricht. Deshalb lassen die meisten Weingärtner zwei Ruten pro Stock stehen, damit noch eine da ist, falls eine beim Biegen bricht. Ein wenig Fingerspitzengefühl kann bei dieser Tätigkeit nicht schaden. Das Ende der gebogenen Rute wird mit einem von Papier ummantelten Draht festgezwirbelt. Der Papiermantel soll verhindern, dass der Draht ins Holz schneidet. Mancher Wengerter bindet seine Bogen, wie sie auch genannt werden, mit Weiden fest. Diese Weidenrouten stammen hierzulande vom Pflegeschnitt der Kopfweiden aus dem Enztal. Vorteil der Weide: Sie ist weicher als Draht.
Vier Möglichkeiten gibt es zum Biegen der Ruten: Stamm mit einem Flachbogen (auch Strecker genannt); Stamm mit zwei Flachbögen; Stamm mit einem Halbbogen; Stamm mit zwei Halbbögen. Beim Flachbogen wird die Rute entlang des Drahts in die Waagrechte gebracht, beim Halbbogen wird die Rute in einen Halbkreis gebracht. Letztere Variante bietet den Vorteil, dass die Laubwand später stabiler ist und Windangriffen besser Stand hält.
Eine weitere Tätigkeit, die den Weingärtner im Februar umtreibt, ist das Ausbessern der Drahtanlagen. Diese bildet im Weinberg das Rankgerüst für die Rebe. An der Drahtanlage soll die Rebe „erzogen“, also zum richtigen Wuchs gebracht werden. Kleine Weinbergkunde am Rande: Die aneinander gereihten Weinstöcke nennt der Fachmann Zeile. Der Platz zwischen den Zeilen, auf dem die Wengerter gehen, heißt Reihe. So viel vorweg.
Die Pfosten, an denen die Drähte festgemacht sind, nennt der Weingärtner Stickel. Diese sind überwiegend aus verzinktem Stahlblech mit ausgestanzten Ösen für die Drahtaufnahme. Die Stickel sind in einer Zeile in bestimmten Abständen eingerammt. Pro Zeile gibt es sieben Drähte, davon sind zwei Doppeldrahtreihen, in die die Triebe eingestreift werden. Die unteren beiden Drähte sind Biegedrähte für die Befestigung der Ruten. Die restlichen Drähte darüber dienen der Stabilisierung der Laubwand. Bis vor etwa zehn Jahren waren die Stickel ausschließlich noch aus Holz. Die modernen Anlagen aus Metall sind im Vergleich nahezu wartungsfrei, weshalb die Holzstickel nach und nach durch Stickel aus Metall ersetzt werden. Eine schweißtreibende Arbeit, die mit einer so genannten Katze (Ramme) vorgenommen wird. Ansonsten sind in der Drahtanlage Drähte nachzuspannen, mitunter neue Haken anzubringen und gerissene Drähte zu reparieren.
In unserer nächsten Folge im März geht es bei der Genossenschaftskellerei Roßwag-Mühlhausen um die Flaschenabfüllung des Weines sowie um das Pflanzen von Junganlagen.
