August: Qualitätsmanagement im Weinberg
Vaihingen (elf) – Die Vaihinger Kreiszeitung begleitet in ihrer Serie „Von der Rebe ins Glas“ ein Jahr lang jeden Monat die Mitglieder des Arbeitskreises der Vaihinger Weinbaubetriebe, um zu zeigen, welcher Aufwand betrieben wird, bis der Wein getrunken werden kann. Die siebte Folge beschäftigt sich mit dem Qualitätsmanagement an der mit Trauben behangenen Rebe.
Der aufmerksame Leser unserer Weinserie weiß es bereits seit der ersten Folge: Das Qualitätsmanagement findet vorwiegend im Weinberg statt und fängt bereits im Januar mit dem Rebschnitt an. Im August wird es nochmals richtig ernst, denn jetzt wird mit der Rebschere der Ertrag reguliert – so auch bei den Weingärtnern Horrheim-Gündelbach.
Im August ist der Reifefortschritt der Traube gut zu erkennen, denn jetzt beginnen die Trauben zu färben. Nach einer längeren Trockenperiode wie in diesem Sommer und darauf folgendem Regen hat sich die Traube derart gut entwickelt, dass man den endgültigen Ertrag deutlich erkennen und entsprechend nachregulieren kann. Mit der „Grünen Lese“, wie der Fachmann diesen Vorgang bezeichnet, hat der Weingärtner zu beginnen, noch bevor sich die Trauben verfärben. Dies geschieht auf folgende Weise:
Den ersten Schritt nennt der Wengerter „halbieren“. Da innerhalb einer Traube von oben bis unten Qualitätsunterschiede von bis zu 20 Öchsle auftreten können, wird wenigstens das untere Drittel der Traube mit einer speziellen Schere abgeschnitten. Diese Mengenreduzierung dient einer höheren Qualität des Weines und ist für die Erzeugung von Premiumweinen – insbesondere beim Lemberger – unabdingbar. Der abgeschnittene Teil der Traube wird auf den Boden geworfen und dient der natürlichen Düngung. In einem zweiten Schritt werden verkümmerte, in der Entwicklung zurückgebliebene Trauben entfernt. Wichtig ist es auch, die Geiztriebtrauben zu entfernen. Beim Geiztrieb handelt es sich um einen Trieb, der während des Sommers an der einjährigen Knospe austreibt. Dieser eigentlich unerwünschte Trieb wird lediglich deshalb erhalten, um zusätzliche Blattmasse für die Assimilation zu bekommen (vgl.: Thema Laubarbeiten im Juli). Die Trauben, die an diesen Geiztrieben wachsen, werden jetzt ebenfalls abgeschnitten. Sorten wie Spätburgunder und Schwarzriesling treiben extrem stark Geiztriebe aus. Dort entstehen – meist im oberen Drittel der Laubwand – mitunter bis zu 15 Trauben, die nicht reif werden und deshalb abgeschnitten werden müssen, da sie den anderen Früchten Substanz wegnehmen.
Parallel zu den Ausdünnungsmaßnahmen werden überflüssige Blätter, die zur Assimilation nichts mehr beitragen, entfernt – im jetzigen Stadium aber nicht mehr maschinell, sondern von Hand. Außerdem achtet der Wengerter auf den Gesundheitszustand neu ausgetriebener Blätter. Da 40 Tage vor der Lese kein Pflanzenschutzmittel mehr ausgebracht werden darf (vgl.: Thema Pflanzenschutz im Juni), sollten kranke Blätter entfernt werden. Bei Bedarf werden nun auch zu lange Geiztriebe, die aus der Laubwand herausragen, gekürzt.
Die Bodenbearbeitung sollte nun ruhen, da dabei Stickstoff freigesetzt werden würde. Dieser wiederum kann zu Fäulnis bei den Trauben während der Reifephase führen. Lediglich die Begrünung zwischen den Rebzeilen wird durch Mulchen kurz gehalten. Außerdem werden in diesem Monat frühe Sorten wie Acolon durch Netze vor Traubenfraß durch Vögel geschützt.
Hat der Wengerter alle Arbeiten im August erledigt, muss bis zur Lese nur noch das Wetter mitspielen. Alfred Weiberle von den Weingärtnern Horrheim-Gündelbach hat deshalb für seine Kollegen einen gut gemeinten Ratschlag parat: „Wenn alle Maßnahmen abgeschlossen sind, sollte der Wengerter nicht mehr in den Weinberg gehen, damit er keinen Schatten wirft.“
In unserer nächsten Folge im September geht es um die Weinberghut.
