Samstag, 04. Februar 2012

April: Die Düngung


Albrecht Fischer setzt auf Düngung mit Kompost. Foto: Elsässer
Albrecht Fischer setzt auf Düngung mit Kompost. Foto: Elsässer

Vaihingen (elf) – Die Vaihinger Kreiszeitung begleitet in ihrer Serie „Von der Rebe ins Glas“ die Mitglieder des Arbeitskreises der Vaihinger Weinbaubetriebe ein Jahr lang jeden Monat, um zu zeigen, welcher Aufwand betrieben werden muss, bis der Wein getrunken werden kann. Die vierte Folge beschäftigt sich mit der Düngung zur Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit.
Im April, mit Beginn der Vegetation, muss sich der Weingärtner um die Grundlage eines gesunden Traubenwachstums kümmern: den Boden. Wenn in ihm der Mineralhaushalt stimmt, kann der Wengerter mit Zurückhaltung düngen. Das Ergebnis ist eine gesunde Traube als Basis für einen guten Wein. Damit Albrecht Fischer vom Weingut Sonnenhof in Gündelbach weiß, was in den Böden seiner Weinberge los ist und wie sich dort der Mineralhaushalt entwickelt, lässt er seit 1972 regelmäßig alle vier Jahre Bodenproben auf ihren Mineralgehalt untersuchen. Je nach Ergebnis wird gedüngt.
Dabei steht auf dem Sonnenhof der Schutz der Natur und der Umwelt im Vordergrund. Hier gliedert sich die Düngung in drei angewandte Möglichkeiten. So setzt Fischer vor allem auf eine organische Düngung. Diese geschieht mit Kompost, den der Weingärtner selbst aus Trester und Kämmen (Stiele und Stängel) sowie aus Mist und Stroh herstellt. Der Gedanke ist einfach: Was dem Boden entnommen wird, muss ihm auch wieder zugeführt werden. Blätter, Rebholz, Trauben – an einer Rebe ist einiges dran, das dem Boden die Nährstoffe entzieht. Während der Saft der Trauben zu Wein verarbeitet wird und somit dem Nährstoff-Kreislauf entzogen wird, kann der gesamte Rest dem Boden wieder zugeführt werden. Dieses Grüngut sammelt Fischer, bis es zu wertvollem Kompost umgewandelt wurde. Dabei gehen ihm zahlreiche kleine Helfer in Form von Würmern, Insekten und sonstigem Getier zur Hand. „Da kreucht und fleucht es“, sagt der Weingärtner und zeigt zum Beweis einen Spaten voll Komposterde, in der es nur so wuselt.
Die zweite Düngeart, die auf dem Weingut Sonnenhof seit 1973 zur Anwendung kommt, ist die Begrünung. Dabei werden in den Weinbergen gezielt Pflanzen eingesät, damit sich dort eine florierende Vielfalt entwickelt. Hierzu gehören sogenannte Stickstoffsammler, also Leguminosen wie Rotklee, Luzerne und Wicken. Auch Pflanzen mit bunten Blüten wie Malve, Phaceli und Senf werden speziell für blütensuchende Insekten eingesät. Wo der Untergrund befahrbar sein muss, kommen verschiedene Gräser zum Einsatz. „Der Idealfall ist eine Mischung aus allem“, weiß Albrecht Fischer. Was da wächst, stirbt wieder ab, verrottet und bildet wieder Nährstoffe. „Ich möchte eine Vielfalt im biologischen Kreislauf und stelle durch diese Art der naturnahen Bewirtschaftung eine zunehmende Fruchtbarkeit des Bodens fest“, sagt Fischer.
Durch den Einsatz von den beiden genannten Düngearten (organische Düngung und Begrünung) konnte der Gündelbacher Weingärtner in den vergangenen 30 Jahren den Einsatz von Mineraldünger um 80 bis 90 Prozent reduzieren. Die regelmäßig entnommenen und analysierten Bodenproben helfen entscheidend bei der Frage, ob genügend der Hauptnährstoffe wie Stickstoff, Phosphor, Kalium, Magnesium und Kalzium im Boden sind. Was fehlt, muss zugeführt werden. „Da durch die organische Düngung und die Begrünung der größte Teil abgedeckt ist, ist bis zum Optimum nur noch eine gezielte Zuführung des Nährstoffbedarfs der Reben notwendig“, so Fischer. Ob die Düngung von Erfolg gekrönt war, erfährt Fischer dann bei der nächsten Bodenanalyse. „Wenn bei einem Mangel gezielt jährlich nachgedüngt wird, ist das dann auch wieder in Ordnung“, weiß der Gündelbacher Wengerter. Und was wird gemacht, wenn bei der Analyse festgestellt wird, dass ein Mineralienwert zu hoch ist? Fischer: „Dann wird einfach nicht gedüngt, auch kein Kompost.“
In unserer nächsten Folge im Mai geht es beim Weingut Ilshöfer in Horrheim um den Austrieb der Reben.


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