Liebe Leser,
still, weil’s Kindlein schlafen will. In wenigen Tagen ist Weihnachten, kurz danach der Jahreswechsel. Wir hetzen herum. Zeit, einmal übers Schlafen nachzudenken.
Wir werden doof, wenn er uns fehlt, im schlimmsten Fall droht bei andauerndem Entzug gar der Tod. So wichtig ist der Schlaf für unseren Körper. Das Unglaubliche an der Sache ist, dass die Wissenschaftler immer noch nicht richtig wissen, weshalb wir den kleinen Bruder des Todes eigentlich brauchen.Zum Ausruhen würde schließlich auch eine Ruhepause genügen. Aber danach fehlt der erwünschte Effekt. Erinnern Sie sich an die Zeit, in der die eigenen Kinder noch Babys waren? Gute Güte, was hätte man für eine ruhige Nacht gegeben! Im Rückblick geht diese Phase quasi nahtlos in die Nächte über, in denen der Schlaf durch abwesende Führerscheinneulinge leidet. Loslassen, soll man da, loslassen! Aber das ist wieder ein anderes Thema.Allen Menschen, die – aus welchen Gründen auch immer – schlecht schlafen, an dieser Stelle mein Mitgefühl.Dabei übermannt das Rätsel Schlaf von Maus bis Elefant, vom Fisch bis zum Vogel vermutlich alles, was so kreucht und fleucht. Selbst Wirbellose wie der Krebs oder die Biene scheinen den Schlaf zu brauchen. Bis zu elf Stunden täglich soll der Rote amerikanische Sumpfkrebs im Land der Träume verbringen. Dazu lässt er sich vom Gewässergrund an die Oberfläche treiben und macht auf der Seite liegend sein ausgedehntes Nickerchen. Selbst die Hirnwellen ähneln dann denen von Wirbeltieren im Tiefschlaf, fanden Forscher der Universität in Mexico-City heraus. Und auch manche Bienen lassen in der Nacht die Köpfe sinken, die Fühler hängen und den Geist ruhen.Beim größeren Tieren kann der Organismus während er schläft genauer unter die Lupe genommen werden. So meldeten vor wenigen Monaten amerikanische Wissenschaftler der Harvard Medical School ihre Ergebnisse aus dem etwas anderen Schlaflabor. Bei Ratten und Mäusen wurde festgestellt, dass in deren Gehirn beim Schlafen von Ruhe keine Spur war. In bestimmten Hirnregionen war der Spiegel des ATP, Adenosintriphosphats, stark erhöht. Es gilt im Körper als Energielieferant.Offenbar wurde nach Ansicht der Forscher ausschließlich in der Schlafphase das Gehirn in dieser Form mit Energie „aufgefüllt“. Reine Ruhephasen zeigten dagegen keine derartige Konzentrationsanhäufung.Das passt eigentlich sehr gut zu den nun folgenden Aussagen. Denn was der Volksmund schon immer wusste, scheint nun auch wissenschaftlich belegt: Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf. Wie schön! Das ist meiner Meinung nach die gute Meldung fürs Weihnachtsfest. „Spiegel online“ verbreitete vor einigen Monaten die frohe Kunde, die sich bei einem Gespräch mit dem Psychologen Jan Born herauskristallisierte. Im Schlaf, so Born, schiebe das Gehirn Informationen hin und her. Das passt zur erhöhten Konzentration des Energielieferanten ATP passen.Damit nicht genug. Das Gehirn bewertet auch noch, was nach diesem Umsortieren in den Langzeitspeicher kommt und was rausfliegt. Während wir schlafen! Unser Gehirn macht also einfach, wonach ihm der Sinn steht.Ehrlich gesagt machen mich solche Dinge immer ein wenig nervös. Tut mein Gehirn nun, was ich will oder tue ich, was mein Gehirn will? Allgemein formuliert: Wer oder was bin ich überhaupt? Sehen wir es einfach positiv. Unser Gehirn arbeitet weiter, während der Rest von uns schläft.Es schiebt Informationen, die es den Tag über mit mir gemeinsam (jetzt fang ich schon wieder damit an...) gesammelt hat, im Schlaf in einen Zwischenspeicher. Erst in der Tiefschlafphase entscheidet es, was in den Langzeitspeicher darf.Besonders gut werden Dinge gespeichert, die mit Gefühlen verknüpft sind, sagt Psychologe Born. „Inhalte, die etwa mit Angst, Aufregung oder Wut verbunden sind, werden bevorzugt in den Langzeitspeicher übertragen“, wird Born zitiert. Jeder könne sich heute noch erinnern, wo er am 11. September 2001 war. Durch Schlafentzug wäre es im Umkehrschluss dazu folglich möglich, dass sich traumatische Erlebnisse weniger stark im Gedächtnis verankern.Wer wiederum vor dem Schlafengehen lernt, beziehungsweise nach dem Lernen schläft, macht es genau richtig. Denn frisch Gelerntes wandert auf diese Weise ebenfalls besser in unseren Wissensschatz.Auch Tiere müssen, wie vorhin schon erwähnt, schlafen. Besonders ausgiebig tun dies mit bis zu 20 Stunden Fledermäuse und Igel. Nur zwischen zwei und sechs Stunden Schlaf pro Tag brauchen dagegen beispielsweise Elefanten und die Giraffen. Elefanten legen sich zum Schläfchen hin und werden dann von der Herde bewacht, berichtet die Wissenschaftssendung „Quarks und Co“. Unterschiedliche Schlafbedürfnisse seien vielleicht eine Folge des von der Körpergröße abhängigen Stoffwechsels. Je gewaltiger das Tier, desto niedriger der Stoffwechsel, desto geringer der Schlafbedarf.Das Schlafverhalten soll auch das Gewicht beeinflussen können. Es gibt Hinweise darauf, dass zu wenig oder zu viel Schlaf uns mehr zunehmen lässt. Dies hatten kanadische Wissenschaftler bei einer sechs Jahre dauernden Studie herausgefunden. „Normalschläfer“, die sieben bis acht Stunden schlafen hatten am wenigsten an Gewicht zugelegt.Besonders spaßig mutet der Halbseitenschlaf an, den manche Tiere absolvieren. So schlummert bei Delfinen immer nur eine Gehirnhälfte, während die andere dafür sorgt, dass pünktlich zum Luftholen aufgetaucht wird. Enten müssen immer auf der Hut sein. Sie schlafen gerne in Gruppen, berichtet „Quarks und Co“, bei denen die Tiere in der Mitte der Meute tief und fest ruhen. Die äußeren Vögel können sich aber nur dem Halbseitenschlaf hingeben. Ein Auge bleibt auf und eine Gehirnhälfte wach. Ab und zu drehen sie sich um, damit auch die andere Hälfte zu ihrem Nickerchen kommt.Die allerallerbeste Nachricht nun aber noch zum Schluss. Als Weihnachtsgeschenk sozusagen. Ganz aktuell melden schwedische Wissenschaftler, dass Schlaf wirklich schön macht. Beim Karolinska Institutet in Stockholm wurde eine Gruppe junger Leute nach acht Stunden und nach fünf Stunden Schlaf in gleicher Aufmachung und Pose fotografiert. Eine andere Gruppe musste anhand der Bilder die Attraktivität der Schläfer beurteilen. Hier zeigte sich, dass die ausgeschlafene Variante besser wegkam, vermutlich auch, weil sie gesünder wirkte.Unverblümt fasste der deutsche Schlafforscher Jürgen Zulley vom Zentrum für Schlafmedizin der Universität Regensburg die Sache mit dem Schlaf zusammen: „Zu wenig Schlaf macht dick, dumm und krank.“ Ja, das will doch keiner!Liebe Leser, schenken Sie sich und Ihren Lieben deshalb einfach genügend Schlaf zu Weihnachten. Das ist eine preiswerte Idee, wie geschaffen für uns Schwaben.Die Phänomene und ich, wir werden uns bis zum nächsten Jahr in einen Schönheitsschlaf begeben. Denn: Wer schön sein will, muss schlafen. Gute Nacht!Sabine RückerAnregungen zur Serie per E-Mail ans.ruecker@vkz.de
