Freitag, 10. Februar 2012

KW 34 - Menschen und Schädlinge lieben Rosen


Ein Gartenlaubkäfer frisst meine Rose. Foto: Rücker
Ein Gartenlaubkäfer frisst meine Rose. Foto: Rücker

Liebe Leser,
vor einigen Wochen erreichte uns ein Rosenzweig. Es war kein lieb gemeinter Blumengruß, sondern ein Beweismittel. Für Unholde in den Blumen einer Hohenhaslacher Leserin.

Die Frage, was macht das Loch in der Hose, wäre ja noch relativ einfach zu beantworten gewesen.
Die Frage, was macht das Loch in der Rose, ist dagegen ein anderes Kaliber. Genau diese Aufgabe galt es, am Rosenzweig der Leserin aus dem Kirbachtal zu lösen. Nach einiger Recherche war klar: Ein Tier frisst sich durch das Innere des Zweigchens. Es ist der Rosentriebbohrer.
Er war es, der den stacheligen Blumen aus dem Kirbachtal zugesetzt hatte. Zu sehen waren wunderbar runde Löcher, aus denen sich nach geraumer Zeit eine Art weißer Wurm herausplumpsen lässt.
Damit könnte der Gartenbesitzer vielleicht noch leben. Doch die Rose nimmt das Bohren des Insekts übel und befallene Triebe welken vor sich hin. Ursache des Dramas ist nicht etwa ein Käfer, wie der Name vermuten ließe, sondern eine Blattwespenart.
Im April nimmt das Unheil seinen Lauf. Da sticht die weibliche Wespe beherzt in frische Triebe der Rosen, um ihre Eier abzulegen. Das Lustige an dieser eher zerstörenden Tatsache ist, dass es einen auf- und einen absteigenden Rosentriebbohrer gibt. Verschiedene Arten also. Die eine mag es, in der Rose nach oben zu wandern. Die andere bevorzugt die Gegenrichtung. Beide Tunnelbohrer haben aber auch eine Gemeinsamkeit. Sie sind die Larven von Blattwespen, sehen wie bleiche Raupen aus und werden bis zu 15 Millimeter lang.
Das Weibchen des Aufsteigenden Rosentriebbohrers bevorzugt bei der Eiablage die Blattachsel. Der wissenschaftliche Name dieser Art ist Blennocampa elongatula. Sobald die Larven aus den Eiern geschlüpft sind, beginnen sie sich im Inneren der Rose nach oben zu nagen. Dies hinterlässt besonders bei diesem Aufsteigenden Rosentriebbohrer verdächtige Kothaufen am Einbohrloch. Nach diesen kann der besorgte Rosenfreund im Frühjahr also Ausschau halten.
Nach einem rund zehn Zentimeter langen Gang ist die Larve am Ende ihrer Reise angekommen. Anfang Juli nagt sie ein neues Loch und lässt sich einfach nach unten auf den Boden fallen. Dieser Bohrer kann nur bei starkem Befall der Rose wirklich schaden.
Beim Absteigenden Rosentriebbohrer, wissenschaftlich Ardis brunniventris, liegt das Einbohrloch unmittelbar hinter der Triebspitze. Der Gang, den er frisst, ist nur rund fünf Zentimeter lang, trotzdem kommt es vermehrt zum Abknicken und Absterben der Triebe. Ein Anblick, der Rosenbesitzern Tränen in die Augen treiben dürfte. Auch diese Larve hüpft irgendwann in Richtung Erde, in der sie dann den Winter übersteht. Im Folgejahr schlüpfen die nur circa fünf bis acht Millimeter langen erwachsenen Blattwespen. Dann beginnt der Lebenszyklus nach der Paarung von Neuem. Da nach der Rosensaison vor der Rosensaison ist, im Folgenden ein paar Tipps.
Sobald im Frühjahr oder Frühsommer kranke Triebe auftauchen, sollen diese großzügig abgeschnitten und vernichtet werden. Der erkrankte Zweig ist dann samt Larve, einer Afterraupe mit vielen Beinchen, von der geliebten Rose entfernt worden. Hier und da wird empfohlen, die erwachsenen Insekten an kalten Tagen im April abzuklopfen. Und dann? Wenn möglich nicht in Nachbars Garten kippen.
In der Datenbank der Forschungsanstalt für Gartenbau Weihenstephan wird es gar ganz gewalttätig. „Regelmäßige Untersuchung der Rosensträucher ab Anfang Mai“, raten die Experten dort. Und weiter: „Junge Larven mechanisch abtöten, Draht in Bohrloch einführen.“ Eine Bodenbearbeitung im Winter oder Frühjahr dürfte den Larven im Boden ebenfalls missfallen.
Mir persönlich ist ja Gewalt gegen Lebewesen zuwider. Wenn aber beispielsweise mein Holunderstrauch vollhockt mit Läusen, dann werde auch ich zum Mörder ohne Skrupel. Zwar mit biologisch verträglichen Mitteln, aber Mord bleibt Mord.
Das Dumme an Rosen ist, dass sie bei Gartenbesitzern und Schädlingen gleichermaßen hoch im Kurs stehen. Da lauert die Rosenblattminierwespe neben der Rosengallwespe auf ihre Chance. Auch die Rosenblattrollwespe, Läuse, Spinnmilben und Zikaden sind nur einige von vielen, die an den Rosen nagen. Pilze vespern gerne Rosen, Käfer auch.
Bei mir labte sich ein Gartenlaubkäfer an meinen Rosen. Phyllopertha horticola heißt dieser Flieger wissenschaftlich. Der erwachsene Käfer macht sich über Rosen und Obstbäume her. Die Larven, Engerlinge, nagen an Rasenwurzeln und können Grasflächen zusetzen. Ihnen kann mit Fadenwürmern mit dem spektakulären Namen Heterorhabditis bacteriophora Einhalt geboten werden. Zu kaufen gibt’s die Tierchen in speziellen Tonpulver. Eine Packung enthält beispielsweise ungefähr 10 Millionen der Miniwürmer, was für 20 Quadratmeter Fläche ausreicht. Die Würmchen dringen in die Larve ein und töten sie durch die Infektion mit einem Bakterium. Anfang September wäre eine gute Zeit, die kleinen Helfer in Wasser verteilt über der Fläche auszubringen und ihre Arbeit tun zu lassen. Die Fadenwürmer, die guten. Aber auch unter ihnen gibt es jede Menge Schädlinge.
Wer keine Gifte im Garten versprühen mag, kann sich also an mechanischen Methoden, wie Absammeln und Abklopfen, üben. Duftstoff-Fallen können helfen. Hausmittel stehen bereit. So wird bei bestimmten Parasiten das Sprühen von Ackerschachtelhalmbrühe und Brennnesselbrühe empfohlen. Gegen Blattläuse soll ein Knoblauch- oder Zwiebelsud helfen. Der vertreibt dann wohl auch den Rosenduft.
Kleine Helfer sind im Garten selbstverständlich immer willkommen und werden tatkräftig unterstützt. Dazu zählen zum Beispiel die Marienkäfer, Florfliegen, Meisen und Igel.
Also, ich kann Ihnen sagen: Mir kommt kein Gift in den Garten. Normalerweise. Im vergangenen Jahr konnte ich mich ausgiebig über meinen offenbar gesunden Rosenstock vor dem Haus freuen. Keine Laus war an der roten Pracht zu sehen. Ich war glücklich. Und überzeugt, dass die Natur die Sache mit den Läusen geregelt hatte.
Bis Wochen später klar wurde, dass mein Vater am Werk war. Mit der Giftspritze. Fazit: Traue niemals schönen Rosen – und keinem über 70.
Sabine Rücker
Anregungen zur Serie per E-Mail an
s.ruecker@vkz.de


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