Donnerstag, 09. Februar 2012

KW 32 - Rätselhafter Hummelschwärmer


Hummelschwärmer bei der Paarung. Foto: Härle
Hummelschwärmer bei der Paarung. Foto: Härle

 

Liebe Leser,
dass die Tiere auf dem Bild Insekten sind, ist ziemlich klar. Rebecca Härle gelang das Foto in Aurich. Dies reizt in Anlehnung an vorige Folgen zu der Aussage: Aurich hat’s eben auch, nicht nur Gündelbach. Was auf dem Bild zu sehen ist? Bitte weiterlesen...

Zu verdanken haben wir den tollen Schnappschuss natürlich in erster Linie der jungen Fotografin. Aber auch dem wachen Auge ihres Freundes André Velte. Der entdeckte die rätselhaften Tiere, als das Menschen-Pärchen in Aurich durch die Rebhaldenstraße schlenderte.Es sind komische Wesen, die da auf dem Bild zu sehen sind. Fast meint man, eine optische Täuschung spiele einem mit. Oder, wie der stolze Finder scherzhaft meint, dass es sich um siamesische Zwillinge irgendeiner Art handelt. Alles falsch. Es sind Schmetterlinge, die sich der Fleischeslust hingeben. Und wieder sind es Falter aus der Familie der Schwärmer, wie der Ligusterschwärmer, der in den Phänomenen vor zwei Wochen seinen Auftritt hatte. Wir erinnern uns an jenen Prachtkerl. Der kam auch aus Aurich. Und ich komme, na raten Sie mal, auch aus Aurich, aber das nur nebenbei.

Im Vergleich zum Ligusterschwärmer, der eine Spannweite von über zehn Zentimeter aufweisen kann, sind die Hummelschwärmer klein. Falls man beispielsweise das Tagpfauenauge als Maß aller Schmetterlinge nehmen mag, sind die Hummelschwärmer etwas kleiner. Vier bis fünf Zentimeter liegen bei ihnen zwischen der einen und der anderen Flügelspitze. Mit seiner beachtlichen Behaarung und der farbigen Ringelung am Körper sieht der Schwärmer einer Hummel recht ähnlich. Das ist von Mutter Natur so gewollt, um Fressfeinden den Appetit zu verderben. Denn Hummeln sind wehrhaft und können empfindlich stechen. Etwas verwirrend sind die Flügel, die gar nicht so sehr nach Schmetterling aussehen. Das liegt daran, dass nicht die gesamte Flügelfläche mit Schuppen bedeckt ist. Schmetterlinge heißen wissenschaftlich Lepidoptera, was so viel wie Schuppenflügler bedeutet. Beim frisch geschlüpften Hummelschwärmer sind ebenfalls noch die gesamten Flügel farbenfroh bedeckt. Doch sehr schnell löst sich ein Teil dieser Plättchen und gibt den durchsichtigen Flügel preis. Vermutlich gehört das zur Tarnung, um einer Hummel ähnlicher zu werden.

Hummelschwärmer werden wie ihre Verwandten gerne mit winzigen Kolibris verwechselt und erregen dann einiges Aufsehen. Denn wie in der Sippschaft üblich stehen auch die Hummelschwärmer gerne im Flug vor tiefgründigen Blüten und saugen Nektar. Sie fliegen bei Tageslicht und man trifft sie vor allem pfeilschnell durch die Luft sausend an, weshalb es ziemlich knifflig ist, sie zu fotografieren.Der wissenschaftliche Name des Falters klingt irgendwie nach einer ansteckender Krankheit: Hemaris fuciformis. Vielleicht können die stolzen Entdecker ihr Latein aus der Schule einsetzen und das noch übersetzen.

Bei uns kann der Schwärmer vor allem mit dem verwandten Skabiosenschwärmer verwechselt werden. Dieser ist allerdings wesentlich seltener. Bundesweit gilt der Hummelschwärmer laut Roter Liste als gefährdet, sein Bestand hat in den letzten Jahren abgenommen. In Baden-Württemberg scheint es ihm etwas besser zu gehen, da steht er auf der Vorstufe der Roten Liste für bedrohte Tierarten, nämlich der Vorwarnliste. Wichtig für den Bestand an dem moppeligen Falter sind die richtigen Futterpflanzen für die Raupen.Besonders die Rote Heckenkirsche hat es ihnen angetan und sollte deshalb gerne wachsen dürfen. Darüber würde sich auch ein echter Schönling unter den Tagfalter, der Blauschwarze Eisvogel, freuen. Die Rote Heckenkirsche ist nach neueren Erkenntnissen wohl auch nicht so giftig für den Menschen, wie häufig noch vermutet wird.Also: Her mit den Heckenkirschen und den flotten Faltern.Insgesamt mögen die ausgewachsenen Pummelchen einen Waldrand oder Saum aus Bäumen, aber auch eine Blumenwiese oder ein Garten werden für die Nahrungsflüge genutzt. Die Falter sind ziemlich rastlos. Selbst die Balz erfolgt im Flug, was manche Ehefrau auf zwei Beinen rückblickend bestätigen kann: Wie kurz war doch die Turtelei, wie lange währt das Einerlei. Vor solch geistigen Höhenflügen bleibt das Gemüt des Hummelschwärmers vermutlich verschont.Turteln und sich paaren tut er dennoch. Und wenn’s ernst wird mit der Kopulation setzt er sich, wie das Bild unten zeigt, sogar hin. Beim verwandten Skabiosenfalter soll die Kopulation an die zwei Stunden dauern. Hinterleib an Hinterleib erfolgt die Übergabe der Spermien, die schließlich die Eizellen im Körper des Weibchen befruchten. Die Geschlechter des Hummelschwärmers unterscheiden sich, wie zu sehen ist, für das ungeübte Auge kaum voneinander. Das Weibchen sucht nach der Begattung bevorzugt die Rote Heckenkirsche, das Waldgeißblatt oder die Schneebeeren auf, an deren Blattunterseite die Eier ablegt werden. Kugelig und hellgrün sehen die Eier aus und sind an den bevorzugten unteren Zweigen einer Pflanze gut zu entdecken. Die Raupen sind dann mit grüner Farbe am Buckel und bräunlicher Farbe am Bauch bestens getarnt. Nach einigen Häutungen erreicht die Raupe, die ein Analhorn besitzt, eine Größe von bis zu sechs Zentimetern.Die beiden Turteltäubchen auf dem Bild gehören bestimmt zur zweiten Generation der Falter. In warmen Gegenden kann es dazu kommen, dass im Sommer nochmal Falter schlüpfen. Die erste Generation fliegt von Mai bis Juni. Die zweite Generation entsteigt also schon den für die Überwinterung gedachten Puppen. Diese überdauern die Kälte in einem zarten Gespinst am Boden zwischen Blättern oder Moos. Fatal wirkt sich da der Einsatz jeglicher Laubsauger und auch -blaser aus, denn mit dem Laub sind dann auch die Puppen weg.

Im Folgejahr schlüpfen die neuen Schmetterlinge wieder im Mai und stürzen sich auf die Futterpflanzen für die Falter. Rhododendron, Leimkraut, Günsel und Pechnelke sowie Phlox, Flieder, Salbei und Natternkopf sind als Nektarspender beliebt.So, nun sind Schwärmer, Aurich und Gündelbach ganz schön oft zur Sprache gekommen. Mit Ihrer Hilfe könnten wir an dieser Stelle gerne mal über andere Orte schwärmen. Einfach ein Bild von Ihrem Naturfund an unten stehende Adresse mailen. Ich freu mich schon mal!
Sabine Rücker
Anregungen zur Serie per E-Mailan s.ruecker@vkz.de


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