KW 31 - Der Springfrosch mit dem langen Bein
Liebe Leser,
Gündelbach hat’s. Das zeigen die Bilder unserer Leser. Rudi Thalhäuser hat in dem Vaihinger Stadtteil diesen flotten Lurch mit seiner Kamera erwischt. Eine harte Nuss, denn der Frosch trägt kein Namensschild. Nach längerer Überlegung behaupte ich: Es ist der Springfrosch und somit eine Rarität.
Es könnte passieren, dass Sie einmal Menschen sehen, die Fröschen die Beine lang ziehen. Gemeint sind Froschbeine, die noch am Körperrumpf hängen. Wenn nun jemand einem Frosch das Bein nach vorne streckt, dann handelt es sich entweder um einen Idiot – oder um einen Biologen. Oder um idiotische Biologen, die es natürlich auch gibt. Das soll uns aber nicht weiter beschäftigen.
Sinn der Sache mit den Froschschenkeln ist im Falle des Naturkundlers, den richtigen Namen des Tieres herauszufinden. Da die Amphibien allesamt besonders geschützt sind, sollte dazu eine Sondergenehmigung vorliegen. Dass Tiere nicht absichtlich gequält werden, versteht sich von selbst.
Allerdings ist es im Naturschutz wichtig, die Arten und ihre Lebensräume zu kennen. Dies gelingt eben manchmal nur mit merkwürdigen Methoden.
Bei Braunfröschen entscheidet unter anderem die Länge der Beine darüber, zu welcher Art der Hüpfer gehört. Als Braunfrösche werden recht ähnliche Froscharten bezeichnet, die einige gemeinsame Merkmale aufweisen. So besitzen sie in der Regel ein bräunliches Äußeres und einen dreieckigen, dunklen Schläfenfleck. Sie gleichen sich in ihrer Vorliebe für ein Leben an Land, was sie von der Gruppe der Wasserfrösche unterscheidet. Diese Wasserfrösche, die auch Grünfrösche genannt werden, sind gerne von grüner Farbe und bevorzugen ein Leben in Gewässernähe.
In unseren Breiten sind die Braunfrösche mit drei Arten vertreten: dem Moor-, Gras- und dem Springfrosch. Der Springfrosch hat von allen dreien die längsten Beine. Legt man bei ihm ein Hinterbein seitlich am Körper nach vorne, so überragt das Fersengelenk die Schnauzenspitze. Nach eingehender Betrachtung der Bilder des Gündelbacher Froschs denke ich, dass dies bei dem Burschen unten der Fall ist.
Bei Gras- und Moorfrosch reicht das Gelenk nicht so weit über den Kopf hinaus. In einem Artikel der Naturkundlichen Station der Stadt Linz wird empfohlen, das Bein nicht zu stark zu strecken, „da sonst die Wirbelsäule gebogen wird und so falsche Ergebnisse erzielt werden können“.
Das mag den Frosch, der um sein Leben bangt, kalt lassen.
Nun gut, unser Lurch auf dem Bild ist zudem recht zart gebaut und besitzt relativ große Trommelfelle, was ebenfalls auf Springfrosch schließen lässt. Bis jemand das Gegenteil beweist, bleibe ich bei dieser Aussage.
Sein wissenschaftlicher Name ist Rana dalmatina. Er ist einer, der die Wärme liebt und mit Trockenheit relativ gut umgehen kann. Im Süden und Südosten Europas ist er weit verbreitet, in Deutschland eher ein seltener Geselle. Hier muss er sich mit anderen Arten, die sich mit der Kälte arrangiert haben, herumschlagen. So entwickelt sich laut Naturschutzbund (Nabu) die Larve des häufigen Grasfrosches bei einer Wassertemperatur von sechs Grad Celsius doppelt so schnell wie die vom Springfrosch.
Der Schwerpunkt der Verbreitung in Deutschland ist in Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen. Im Ländle ist er in der Oberrheinebene, dem Kraichgau, der Umgebung von Stuttgart und im westlichen Bodenseeraum zu finden. Und in Gündelbach am Wachtkopf. Denn der Bestand scheint zu wachsen oder es werden einfach mehr der Tiere als Springfrösche erkannt und gemeldet. Dies kann unter www.amphibienschutz.de getan werden.
Eine umfassende Erhebung zum Schutzgebiet Flora-Fauna-Habitat im Stromberg klingt vielversprechend. In dem Pflege- und Entwicklungsplan der Staatlichen Naturschutzverwaltung Baden-Württemberg vom Juni 2010 wird nämlich ebenfalls vom Springfrosch berichtet: „Der Stromberg ist Lebensraum für den weitaus größten Teil der in Baden-Württemberg vorkommenden Amphibienarten. Hervorzuheben ist hier insbesondere die artenreiche Fauna der Waldgebiete mit ihren zahlreichen, kleineren Fließ- und Stillgewässern. Hier leben landesweit stark gefährdete Arten, wie Springfrosch, Laubfrosch und Wechselkröte...“
Seit einigen Tagen ist nun vermutlich auch die junge Generation der Springfrösche im Stromberg unterwegs.
Und zwar nicht zu neuen Ufern, sondern zu einem sonnigen Plätzchen irgendwo in der Pampa. Auf Waldwiesen und Lichtungen fühlen sich junge und alte Frösche den Sommer über wohl. Dort gehen sie auf Jagd und erbeuten Spinnen, Schnecken und Insekten. Den Winter verbringen sie starr und stumm in einem Versteck, zum Beispiel in Erdspalten oder unter Wurzeln. Bis zu einem Kilometer kann dieses vom Gewässer entfernt sein.
Im nächsten Jahr läuten schon bei Temperaturen über sechs Grad Celsius für die Springfrösche die Hochzeitsglocken. Sie sind die ersten Amphibien, die sich auf den Weg zu den Laichgewässern machen, manchmal schon im Januar. Wobei die Männchen sogar schon im Herbst ans Laichgewässer kommen sollen. Dort quakt der Bräutigam im zeitigen Frühjahr gerne in Gesellschaft liebestrunkener Kameraden sein leises Liebeslied unter Wasser.
Liebesgeflüster unter Wasser
und explosiv tätige Weibchen
Ein keckes „ko-ko-ko“ oder auch „wog-wog-wog“ soll die Braut locken. Das Weibchen gilt als Explosivlaicher. Das kann ich verstehen, auch ich habe mich gegen Ende der Schwangerschaft gefühlt, als würde eine Explosion bevorstehen.
Im Falle der Lurchfrau bedeutet der Begriff allerdings, dass das Laichgeschäft innerhalb weniger Tage erledigt wird. Frei nach dem Motto: nicht kleckern, sondern klotzen, legt sie insgesamt bis zu 1800 Eier an Wasserpflanzen ab. Die Eiballen werden sorgsam im Tümpel verteilt. Das Männchen gibt anschließend bei der äußeren Befruchtung seinen Samen dazu.
Als Kinderwiege eignen sich Tümpel, Wassergräben, Teiche und wassergefüllte Fahrspuren im Laubwald, die teils beschattet, teils besonnt sind. Aus den Eiern entwickeln sich die Kaulquappen, die sich im Wasser von Algen und toten Organismen ernähren. Die Atmung erfolgt über Kiemen.
Nach einigen Monaten rüstet sich das Wassertierchen für den Landgang. Die Verwandlung des Körpers setzt ein. Hinterbeine wachsen, die Kiemen werden eingezogen und Lungen bilden sich aus. Aus dem Fröschchen wird ein Frosch, der sich nach zwei bis drei Jahren ebenfalls der Fortpflanzung widmen kann. Das Lebensalter könnte im besten Fall acht bis zwölf Jahre betragen.
Doch wie so oft trachten vielfältige Gefahren dem Springfrosch nach dem Leben. Hierzu gehörent die Zerstörung des Lebensraums und die Zerschneidung der Landschaft durch Straßen.
Auch Fische im Teich tun dem Lurch nicht gut. Schade, denn der Kerl kann was. So hat der Nabu errechnet, dass ein Mensch mit gleicher Sprungkraft 17 Meter hoch und 45 Meter weit hüpfen könnte. Lassen Sie das mal Ihren Schatz versuchen!
Für den Anfang, liebe Leserinnen, finde ich, dass ein zart vorgetragenes Liebeslied unter Wasser völlig ausreichend wäre.
Sabine Rücker
Anregungen zur Serie per E-Mail an
s.ruecker@vkz.de
