Donnerstag, 09. Februar 2012

KW 9 – Heute schon gelacht?


Empfehlung: "15 Minuten lachen pro Tag". Foto: Härle
Empfehlung: "15 Minuten lachen pro Tag". Foto: Härle

Liebe Leser,
Moment, gleich geht’s los. Ich muss hier nur noch kurz...pfffff...tut mir wirklich leid. Aber kennen Sie den: Wie heißt ein übergewichtiger Vegetarier? Biotonne. Und was waren die letzten Worte des Großwildjägers? „Eben war er noch da drüben“. Haben Sie gelacht? Genau darum geht’s heute. Bei der Entstehung dieser Folge mussten meine Kollegen Gekicher und viele, viele Witze über sich ergehen lassen. Hart an der Schmerzgrenze zwar, aber in der Summe sehr gesund.

Letzte Worte eines Biologen: „Die Schlange kenn’ ich, die ist nicht giftig.“ Moment kurz, ich krieg mich gleich wieder ein...pfff...so jetzt. Und nun Spaß beiseite. Lachen ist in Mode. Gerade noch beim Fasching, aktuell in einigen Zeitschriften und Wissenschaftler befassen sich schon seit längerem damit. Eigentlich greifen wir an dieser Stelle nicht unbedingt Themen auf, die gerade erst in anderen Medien durchgekaut wurden. Aber es war einfach zu verlockend, Witz über Witz in einer Art Selbstversuch zu lesen. Doch auch der wissenschaftliche Aspekt soll natürlich nicht zu kurz kommen.
Schon in den 40er-Jahren machte sich der amerikanische Psychologe James Leuba mit dem nötigen Ernst daran, dem Kichern auf den Grund zu gehen. Ihn trieb die Frage um, ob Lachen angeboren ist. Schließlich widerlegte er die Theorie, die besagt, dass Säuglinge beim Lächeln nur die Mimik anderer Menschen nachahmen. Versuchskaninchen waren die Psychologen-Kinder. Sobald er seinen Nachwuchs kitzelte und neckte, verbarg Leuba sein Gesicht hinter einer Maske. Das Killekille am Bauch verfehlte seine Wirkung trotzdem nicht. Ob die Kleinen ein Trauma davontrugen, ist nicht bekannt. Jedenfalls war dies ein Beweis dafür, dass Lachen angeboren ist.
Kinder lachen im Schnitt 200-mal am Tag, Erwachsene lassen sich nur noch 20-mal dazu hinreißen. Ist ja auch ein anstrengende Sache, das Glucksen vor Freude. Immerhin rast die Luft bei einer Lachsalve mit über einhundert Stundenkilometern aus der Lunge, rund 300 Muskeln werden vom Kopf bis zum Bauch trainiert und durch zehn Minuten Gelächter werden 50 Kilokalorien verbraucht. Da sag’ ich nur, ran an den Speck: Ein Mann wird von der Polizei angehalten. Der Polizist fragt: „Haben Sie nicht gemerkt, dass Ihre Frau und Ihre Kinder aus dem Auto gefallen sind?“ „Gott sei Dank“, sagt der Mann, „ich dachte schon, ich sei taub geworden.“
Während die richtig derben Witze früher fast ausschließlich von Männern lustig gefunden wurden, holen Frauen mittlerweile in Sachen Tiefschlag auf. Beispiel gefällig? Sie: „Liebling, im Büro haben sie heute gesagt, dass ich wunderschöne Beine habe!“ Darauf er: „Mmh, aber von deinem fetten Arsch haben sie nichts gesagt?“ Sie: „Nein, von dir war nicht die Rede.“
 Überraschenderweise entstehen aber 80 Prozent unserer Lacher nicht durch Witze, sondern sind ein Mittel zur non-verbalen Kommunikation. Innerhalb sozialer Gruppen fungiert das Verziehen der Mundwinkel als soziales Schmiermittel. Im Wirtschaftsmagazin Bizz sprach Psychotherapeut Dr. Michael Titze schon vor acht Jahren über die Bedeutung von Heiterkeit am Arbeitsplatz. Mehr Humor fürs Miteinander und Betriebsklima war seine Empfehlung, „die Topmanager müssen nun mit gutem Beispiel vorangehen“. Ob die Topmanager da was falsch verstanden haben? Aber in den Redaktionsräumen bei der VKZ läuft die Sache – noch. Die Kollegen lachen inzwischen eher gequält mit, sobald ich einen Witz vorlese, um seine Wirkung zu testen. Treffen sich ein Stein und ein Brett. Der Stein: „Ich bin ein Stein“. Das Brett: „Wenn du Einstein bist, bin ich Brad Pitt.“
So genannte Gelotologen, Lachforscher, beschäftigen sich rund um den Globus mit dem Ausbruch der Heiterkeit. Einige davon haben bestätigt, was jeder weiß: Wir erkennen intuitiv, ob das Lachen des Gegenübers echt ist. Kein Wunder, denn Lachen nahm seinen Ursprung im limbischen System, einem alten, tiefliegenden Hirnareal. Freundliche Grunzgeräusche galten nach der Vermutung einiger Wissenschaftler schon vor Millionen von Jahren bei unseren Urahnen als Beschwichtigungslaute. Das Sprachzentrum, das am Verstehen moderner Witze Anteil nimmt, befindet sich in der jüngeren Hirnrinde. Insgesamt sind viele Hirnregionen beteiligt, ehe ein Witz im Lachen gipfelt. Denn das Erfassen einer Pointe benötigt mehrere Schritte und endet in der Regel nur erfolgreich, sobald das Gehirn eine Unstimmigkeit auflösen kann. Der Witz plätschert normalerweise in einem ruhigen Fahrwasser dahin, bevor er an entscheidender Stelle eine abrupte Kehrtwende macht. Die linke Hirnhälfte ist besonders aktiv, solange der zunächst logische Zusammenhang der Geschichte sich aufbaut. Der Richtungswechsel allerdings wird in einer kleinen Region des rechten Frontallappens erfasst und verarbeitet. Für Hirngeschädigte, denen diese Region Probleme bereitet, bleibt der Witz ein Rätsel. Sie können dem logischen Aufbau zwar aus mehreren Alternativen einen sinnvollen Schluss zuordnen, erkennen aber die richtige Pointe nicht.
 Beim Amüsieren über einen Witz reagiert unser Hirn wie auf ein gutes Mittagessen oder Sex: Es schüttet Glückshormone aus und belohnt sich sozusagen selbst für seine tolle Leistung. Lachen verbessert die Durchblutung und hält das Gewebe der Blutgefäße gesund. Wissenschaftler der Universität Maryland in Baltimore empfehlen daher, „neben regelmäßiger sportlicher Betätigung, jeden Tag mindestens 15 Minuten zu lachen“. Unser Beitrag zur Leser-Gesundheit: Drei schwäbische Wintersportler stürzen in eine Gletscherspalte. Eine Rettungsmannschaft des DRK rückt an. Über Megafon wendet sie sich an die Verunglückten: „Hier spricht das Rote Kreuz!“ Antwort aus der Tiefe: „Mir gebet nix!“
Die Freie Universität Berlin meldete im September 2006, dass „Lustige Reklame besser in Erinnerung bleibt“. Schön für die Verbraucher, denn die Erkenntnis beschert uns mehr lustige Werbe-Spots, die „zum Wohlbefinden der Zuschauer beitragen“. Gefürchtet sei dabei aber der Vampir-Effekt: Vor lauter Lachen kommt die Werbebotschaft nicht mehr an. Richard Wiseman, Professor für Psychologie in London, suchte im Rahmen des Laughlab-Projekts den witzigsten Witz. Am Ende hatten die Forscher 40000 Witze gesammelt, die von mehr als 350000 Menschen aus 70 Ländern bewertet wurden. Der witzigste Witz dreht sich um Jäger. Hatten sie tatsächlich den lustigsten Witz gefunden? Wiseman: „Eigentlich glaube ich nicht, dass es ihn gibt. Wenn wir aus unserer Erforschung des Humors überhaupt eine Lehre ziehen können, dann diese: Unterschiedliche Menschen finden unterschiedliche Dinge lustig. Frauen lachen über Witze, in denen Männer blöd aussehen. Ältere Menschen lachen über Witze, in denen es um Gedächtnisverlust und Hörstörungen geht. Nach meiner Überzeugung haben wir den in vielerlei Hinsicht inhaltsleersten Witz entdeckt – einen Scherz, über den jedermann lächelt, der aber nur die wenigsten laut auflachen lässt.“ Deshalb drucken wir ihn an dieser Stelle nicht ab, sondern lieber diesen: Treffen sich zwei Hunde im Park. Sagt der eine zum anderen: „Ich bin adlig. Ich heiße Waldemar vom Schlosshof. Bist du auch adlig?“ „Aber sicher doch“, sagt der andere, „ich heiße Runter vom Sofa!“
Jedenfalls sind wir nicht die einzigen, die die Welt mit Gelächter erfüllen. Auch Menschenaffen tun’s. Und sogar Ratten kichern, wenn sie am Bauch gekitzelt werden – allerdings in einer für uns nicht hörbaren hohen Frequenz.
Übrigens ist Humor erlernbar und fördert ja wie gesagt die Gesundheit, deshalb hier nun die letzten Worte des Sportlehrers: „Alle Speere zu mir.“ Und als Allerletzten präsentieren wir Ihnen nach längerer Diskussion – er ist ein wenig anzüglich – unseren Redaktions-Favoriten: Zwei Spermien schwimmen um die Wette: „Ich werd’ ein Mädchen, ich werd’ ein Mädchen“, ruft das eine. „Ich werd’ ein Junge“, das andere. Kommt ein Semmelbrösel vorbei und sagt: „Aus euch beiden wird gar nix. Wir sind hier in der Speiseröhre.“
Sabine Rücker
Anregungen zur Serie per E-Mail an s.ruecker@vkz.de


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