Freitag, 10. September 2010

KW 49 – Parasiten des Menschen


Der Malaria-Erreger kommt mit der  Anopheles-Mücke. Foto: p
Der Malaria-Erreger kommt mit der Anopheles-Mücke. Foto: p

Liebe Leser
und nochmal, weil’s so schön war: Parasiten. Heute spielen Schmarotzer des Menschen die Hauptrolle. Wussten Sie beispielsweise, dass der Fischbandwurm im menschlichen Darm eine Länge von 15 Metern erreichen kann? Erstaunlich: Sogar der Parasitologie können Tipps für die Feiertage abgerungen werden und es lässt sich eine Verbindung zu den derzeitigen Vorgängen in der Finanzwelt feststellen.

Schon die alten Griechen hegten vermutlich einen gewisse Abneigung gegen Beamte, die sich als Vorkoster bei Opferfesten ohne Leistung den Bauch vollschlagen konnten. Parasitos wurden diese Staatsdiener genannt, was soviel wie Beiesser bedeutet. Aus naturwissenschaftlicher Sicht sind Parasiten, vereinfacht gesagt, Organismen, die sich an oder im Körper anderer auf deren Kosten durchs Leben schlagen, diese aber nicht unmittelbar töten. In der aktuellen Sprache der Medien lässt sich der Sachverhalt vielleicht leichter erläutern: Skrupellose Banker und Manager, die sich als eine Art Blutsauger an ihrem Wirt genannten Opfer bereichern, könnten als Ektoparasiten bezeichnet werden.

Vermutlich trifft aber der Begriff des Kleptoparasiten die Sache eher. Der Kleptoparasit klaut dem Geschädigten Nahrung, Nistplatz oder eben Geld. Der moralische Anspruch eines Parasiten ist generell gering bis nicht vorhanden. Im schlimmsten Fall kann ein Parasitenbefall zum Untergang einer Population oder zu einer globalen Wirtschaftskrise führen. Insofern folgt eben auch die Finanzwelt nur den Gesetzen der Natur und auch ihr haftet zurzeit ein gewisser Ekelfaktor an, den in der Lebewelt vor allem Würmer für sich gepachtet hatten.
 Die guten alten Würmer, die es im biologischen Sinne gar nicht gibt. Trotzdem weiß jeder, was man sich unter einem Wurm vorzustellen hat: Weder Arme, noch Beine, keine Gräten und Knochen sollte er haben und sich irgendwie kriechenderweise fortbewegen. Was die alten Zoologen unter der Klasse Würmer zusammengefasst haben, ist letztendlich eine Gruppe nicht näher verwandter Organismen. Eine nicht unerhebliche Zahl dieses Gewürms spielt als Parasit des Menschen eine Rolle. Beispielsweise die Gruppe der Bandwürmer. Diese gehören zum Stamm der Plattwürmer und haben erstaunliche Exemplare hervorgebracht. Unter anderem oben genannten Fischbandwurm mit dem beeindruckenden wissenschaftlichen Namen Diphyllobothrium latum. Mit einer Art Kopf verankert sich dieser Parasit an der Darminnenwand seines Endwirtes, der eben gerne auch ein Mensch sein kann. In einem Bereich hinter diesem Kopf bildet der Bandwurm ständig neue Glieder. Bis zu 4000 dieser Segmente können sich dabei in einer Länge von bis zu 15 Metern im menschlichen Darm aneinanderreihen. Das klingt widerlich und ist es irgendwie auch, wobei dieser Bandwurm seinem Menschen nicht unbedingt großen Schaden zufügt. Denn er will ja nur ein wenig mitessen und zwackt über seine Körperoberfläche Nährstoffe ab. Häufig wird der Wurm gar nicht bemerkt. Wird der Parasitenbefall allerdings entdeckt, verspricht die Behandlung mit einem Anti-Wurmmittel Erlösung.
 Während der Fischbandwurm vor allem durch den Genuss von rohem Süß- und Brackwasserfisch in die menschlichen Eingeweide gelangen kann (Durchgaren und Einfrieren beugt vor!), erreicht ein anderes Gewürm unser Inneres durch rohen Meeresfisch. Anisakiasis nennt sich die Erkrankung, deren Auslöser kleine Fadenwürmer sind. Schon zwölf bis 24 Stunden nach dem Verzehr des infizierten Fisches kann es zu heftigen Bauchschmerzen, Durchfall und Erbrechen kommen. Üblicherweise wird der Fisch daher beispielsweise vor dem Genuss von Sushi eingefroren, um den Parasiten den Garaus zu machen.
Ein Mitbringsel eines Auslandsaufenthaltes können neben vielen anderen Dingen tropische Saugwürmer sein. Besonders fies ist ihre Taktik, in den menschlichen Körper zu gelangen: Wurmlarven bohren sich vom kontaminierten Wasser aus aktiv durch die Haut. Tropische Binnengewässer sollten, falls in dieser Region die Wurm-Erkrankung Schistosomiasis verbreitet ist, mit Misstrauen beäugt werden. Rund 200 Millionen Menschen sind von Schistosomiasis, früher Bilharziose, betroffen. Immer wieder bringen Urlauber das Gewürm in ihren Leibern mit nach Hause. Dort können die Erreger schweren Schaden bis hin zu bösartigen Tumoren anrichten.
Aus einer anderen zoologischen Ecke kommen Wesen, die nach wie vor Millionen von Menschen dahinraffen. Popelig kleine Organismen, die lediglich aus einer Zelle bestehen – Einzeller. Vor allem in den Tropen und Subtropen unserer Erde treiben die Schmarotzer, meist unter Mittäterschaft von Fliegen und Mücken, ihr Unwesen. Bis zu 500 Millionen Menschen werden jedes Jahr mit dem Malaria-Erreger infiziert. Die weibliche Anopheles-Mücke, unfreiwilliger Helfer des Malaria-Erregers Plasmodium, überträgt die Jugendformen dieses Sporentierchens durch ihren Stich in die Blutbahn des Menschen. In nur 20 Minuten erreichen die Erreger ihren vorläufigen Bestimmungsort – die menschliche Leber. Dort teilen sie sich und das Blut wird anschließend mit diesen Organismen überschwemmt. Nun befallen die Einzeller die roten Blutkörperchen, um sich auch hier wieder hemmungslos zu vermehren. Die Blutzellen platzen schließlich, Giftstoffe werden ausgeschüttet und der Patient erleidet einen für Malaria typischen Fieberschub. Bei Stich der nächsten Anopheles-Mücke nimmt diese die Erreger wieder mit auf ihre Reise. Im Körper der Mücke findet die geschlechtliche Vermehrung von Plasmodium statt und der Kreislauf kann von neuem beginnen. Laut Robert-Koch-Insitut sterben weltweit jährlich bis zu 2,7 Millionen Menschen an der Malaria.
Die Liste der einzelligen Plagegeister ist lang. Auch bei den Erregern der Schlafkrankheit, sogenannten Trypanosomen, und der Leishmaniose handelt es sich zum Beispiel um Einzeller, die mit dem niedlichen Augentierchen Euglena verwandt sind.

Die Beispiele sind nur ein kleiner Auszug aus dem großen Heer der menschlichen Parasiten. Was das nun wieder mit der Adventszeit zu tun hat? Für Urlauber sei es diese Phänomene-Folge ein Wink mit dem Zaunpfahl, sich vor dem Entschwinden in den sonnigen Süden nicht nur über Terrorwarnungen, sondern auch über die Vorbeugung vor Krankheiten zu informieren. Zweiter Tipp: Gerichte gut durchgaren. Dritter Tipp: Legen Sie doch Parasiten unter den Weihnachtsbaum. Mit Hilfe von Fischbandwürmern hat sich beispielsweise der japanische Arzt Koichiro Fujita von der Medizinischen und Zahnmedizinischen Universität Tokyo nach eigenen Angaben schon vor Jahren seiner Allergien und einiger Kilogramm Lebendgewicht entledigt.
 Oder schenken Sie Ihrer Liebsten statt Perlen und Edelsteinen Parasiten aus dem Kreis der Nützlinge. Das sorgt garantiert für ein unvergessliches Weihnachtsfest und die biologische Kriegsführung gegen Lebensmittelmotten kann sofort an Heiligabend beginnen.
Sabine Rücker
Fragen und Anregungen per E-Mail an info@vkz.de oder per Fax: (07042) 91999


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