Donnerstag, 09. Februar 2012

KW 46 – Alles Banane


Korrekt: die faire Bio-Banane. Foto: Rücker
Korrekt: die faire Bio-Banane. Foto: Rücker

Liebe Leser,
in der letzten Phänomene-Folge hatten Vaihinger Bananen aus dem Hause Junacek ihren großen Auftritt. Heute beleuchten wir, warum die Tropenfrucht als Politikum bezeichnet werden kann und weshalb die Banane krumm ist.

Sie steht schon lange auf dem Speisezettel der Menschen, die Banane, und gilt als eine der ältesten Kulturpflanzen. Schon 4000 v. Chr. soll sie kultiviert worden sein, meldet der Infodienst Landwirtschaft, Ernährung, Ländlicher Raum Baden-Württemberg (LEL). Ursprünglich war ihre Heimat Südostasien. Einige Jahrhunderte n. Chr. erreichte die Frucht mit arabischen Händlern Afrika. Zirka im 16. Jahrhundert setzte die Banane ihren Siegeszug über die Kanaren in Richtung neue Welt fort. Inzwischen wird sie im sogenannten Bananengürtel, einer Zone rund um den Äquator, angebaut. „Größter Erzeuger sind Indien und Brasilien, die bedeutendsten Exportländer jedoch Ecuador und Costa Rica, wobei Deutschland nach den USA größter Importeur von Obstbananen ist“, so der LEL. Und in der Tat: Gibt es überhaupt jemanden, der Bananen nicht mag?
Der deutsche Name Banane geht auf das arabische Wort banan zurück. Das bedeutet Finger, in Anlehnung an die Handform, in der die Früchte wachsen. Weltweit soll es rund 400 Bananensorten geben. Nur wenige davon sind allerdings für den Handel geeignet. Neben der allseits beliebten Obstbanane spielt die Mehlbanane eine große Rolle. In tropischen und subtropischen Ländern gilt die stärkehaltige, nur gekocht genießbare, Frucht als Grundnahrungsmittel. Rund 80 Prozent der Bananenproduktion weltweit geht auf das Konto der Kochbanane. Beide Sorten, die süße und die mehlige Bananenversion, sind aus der Kreuzung zweier Wildarten hervorgegangen und werden als Musa x paradisiaca bezeichnet. Eine weitere Verwandte ist die Textilbanane, Musa textilis, die nicht als Frucht-, sondern als Faserlieferant geschätzt wird. Der Rohstoff, auch unter dem Namen Manilahanf oder Abaca bekannt, findet unter anderem bei schwäbischen Autobauern Anklang. „Die Reißfestigkeit der nach dem Trocknen weißlich-gelben Langfaser ist um gut 80 Prozent höher als bei anderen Naturfasern. Daraus lassen sich auch anspruchsvollere Bauteile im Automobilbau fertigen“, verkündete Spiegel-online schon vor drei Jahren. „Eingeschlossen in einem Kunststoff, der die Naturfasern vor Verrottung schützt, entwickelten die DaimlerChrysler-Forscher jetzt eine Abdeckung für die Ersatzradmulde im Coupé der A-Klasse“, so das Online-Magazin weiter. „Mit Abacafasern konnte das Gewicht gegenüber glasfaserverstärkten Bauteilen um etwa fünf Prozent und die Herstellungskosten um rund drei Prozent reduziert werden“, schwärmt Dr. Ralph Greiner von Daimler in Ulm.
Es klingt für Laien fast ein wenig verwegen, aber die Banane eignet sich sogar für das Erlangen eines Doktorgrades: „Die deutsche Banane. Wirtschafts- und Kulturgeschichte der Banane im Deutschen Reich von 1900-1939“, lautet der Titel einer Dissertation aus dem Jahre 2004 im Fachbereich Philosophie. Der Bananenmarkt kann früher wie heute als heiß umkämpft angesehen werden. Anfang des 20. Jahrhunderts erreichen nur wenige Bananen deutschen Boden. Den Gewinn strichen damals Briten und Amerikaner ein. Dies rief eine deutsche Reederei auf den Plan: Die deutsche Kolonie Kamerun sollte Ursprung der deutschen Banane werden. Die Landbevölkerung wurde vertrieben und die Staude angepflanzt. Doch der Erste Weltkrieg setzte dem Vorhaben ein jähes Ende. Mitte der 20er Jahre wurden die Plantagen jedoch wieder zurückgekauft und im Jahr 1938 besteht ein Drittel der importierten Bananen aus der „Deutschen-Kamerun-Banane“.
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges muss die Bevölkerung lange auf die krumme Frucht verzichten. Bundeskanzler Konrad Adenauer setzte schließlich 1957 bei den Verhandlung der Römischen Verträge durch, dass Deutschland zollfrei amerikanische Bananen einführen durfte. Die Banane, die sinnliche Tropenfrucht, galt als Zeichen des Wohlstands. So war das auch Jahrzehnte später beim Fall der deutschen Mauer: Die Banane setzte ihren Siegeszug im Osten des Landes fort. Auf nationaler und internationaler Ebene hielt die Banane dank der 1993 ins Leben gerufenen europäischen Bananmarktordnung Gerichte auf Trab. „Diese sogenannte Bananenmarktordnung regelt die Einfuhren von Bananen in die Europäische Union. Ziel des komplizierten Regelwerks ist die Unterstützung der europäischen Bananenproduzenten und der Staaten des afrikanischen, karibischen und pazifischen Raums (AKP-Bananen)“, so der Bundesverband Verbraucherinitiative. Die Folgen der Bananenmarktordnung für die Weltmärkte seien gravierend gewesen. So wurden die lateinamerikanischen Früchte auf einen Schlag deutlich teurer. Ihr Absatz war begrenzt und zudem davon abhängig, ob und in welcher Höhe die Einfuhrlizenzen erteilt wurden. Das bedeutete für viele Kleinproduzenten das Aus. Querelen um Importzölle beschäftigen seitdem immer wieder auch die Welthandelsorganisation (WTO). „Handelsstreitigkeiten über Bananen stehen für die EU seit rund 16 Jahren auf der Tagesordnung. Es ist der am längsten andauernde Handelskonflikt, der vor der WTO ausgetragen wird“, schrieb das Internetmagazin Finanznachrichten im August, und weiter: „Der langjährige Streit der Europäer mit den USA und Ecuador über das EU-Bananenregime geht in die nächste Runde. Die EU werde die beiden Schiedssprüche der Welthandelsorganisation anfechten, in denen sie die EU-Importzölle für Bananen verurteilt und damit den entsprechenden Beschwerden stattgibt.“ Eine Art der unendlichen Geschichte, die dem Verbraucher nicht unbedingt bewusst ist.
Giftschwaden in Bananenplantagen
Bedenklich wird es allerdings, schaut man sich die Anbaumethoden an.
Die Beliebtheit des gelben Verkaufsschlagers hat zur Folge, dass riesige Monokulturen angelegt werden. Dieser Umstand und das tropische Klima bieten Schädlingen sagenhaft gute Bedingungen. In konventionell bewirtschafteten Plantagen wird daher mit einer Unmenge von Giften hantiert, ganze Landstriche veröden in der Folge, Plantagenarbeiter und deren Familien leiden unter schlechter Bezahlung und Giftwolken. Ein Ausweg aus dem Dilemma: Fair gehandelte Bio-Bananen oder – das Tropenobst aus dem Wintergarten ernten. Aber Achtung: Es gibt auch Zierbananen, die keine Früchte bilden. Fürs Freiland sind ebenfalls Bananenstauden erhältlich, die unter Umständen sogar blühen und fruchten können, doch die Vegetationsphase ist in unseren Breiten anscheinend (noch) zu kurz und die Früchte bleiben ungenießbar. Eine Auricher Staudenbesitzerin schreckt diese Meldung nicht. Sie glaubt fest daran, von ihren Freilandpflanzen „in fünf bis sechs Jahren“ eigene Früchte ernten zu können.
Nun zur Gretchenfrage: Warum ist die Banane krumm? Darüber gibt es verschiedene Meinungen. Während einige Autoren einen Phototropismus, also das Wachsen der Früchte in Richtung Sonne, verantwortlich machen, tippen andere auf einen negativen Geotropismus. Dies bedeutet das Wachsen entgegen der Schwerkraft. Ist ja eigentlich wurstegal, oder, wie der Vegetarier sagt: Alles Banane!
Sabine Rücker
Fragen und Anregungen per E-Mail an info@vkz. de oder per Fax: (07042) 91999


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