KW 45 – Bananenernte mitten in Vaihingen
Liebe Leser,
mit der Banane ist es ein wenig so, wie mit alten Bekannten: Man meint, das Gegenüber in- und auswendig zu kennen, aber – denkste! Wer hätte beispielsweise geahnt, dass die Tropenfrüchte in Vaihingen geerntet werden?. Außerdem ist die Banane nicht immer gelb und taugt sogar zum Politikum. Weil es zu der Krummfrucht allerhand zu schreiben gibt, werden ihr gleich zwei Phänomene-Folgen gewidmet.
„Die sind aufgegessen, die sind weg“, sagt Christel Junacek am anderen Ende der Leitung. Tja, Pech gehabt Rücker. Wieder mal zu spät dran. In Junaceks Wintergarten mitten in Vaihingen wuchs noch vor kurzem eine große Bananenstaude in Richtung heimische Decke. Das beste daran: Das Ehepaar mit dem grünen Daumen konnte seine vierte Bananenernte einfahren. Aber glücklicherweise hat Christel Junacek richtig reagiert, die Pflanze frühzeitig fotografiert und die Bilder in die Redaktion geschickt. Rund 20 Zentimeter lang seien die Früchte, die im nicht ganz tropischen Vaihingen reifen und schmecken „ganz normal“.
Die erste Bananenpflanze kam vor rund acht Jahren ins Junacek-Haus. „Es war ein Ableger von einer Pflanze unserer Tochter“, erinnert sich die Hobby-Gärtnerin. In dem hellen Wintergarten, der laut Besitzerin „etwas urwaldmäßig“ geraten ist, fühlte sich das Gewächs derart wohl, dass „die bis unters Dach“ gewachsen ist. Eines Tages habe sich eine Blüte gezeigt, die Anfangs nur mit der Leiter bestaunt werden konnte. Junacek: „Mein Mann hat das erst nicht geglaubt.“ Mit dem Pinselchen wurden die Blüten schließliche befruchtet – eine unnötige Mühe, doch dazu später mehr.
Die Banane birgt botanisch gesehen einige Überraschungen. Sie ist als einkeimblättrige Pflanze mit den Gräsern, Palmen und Orchideen verwandt und reiht sich im botanischen System in die Ordnung der Ingwerartigen ein. Die Befruchtung der Blüten dieser nahezu ausschließlich tropischen Gewächse erfolgt in der Wildnis durch Vögel, Fledermäuse und Insekten. Die Vertreter der Familie der Musaceae, der Bananengewächse, können eine Höhe von bis zu 13 Metern erreichen. Allerdings handelt es sich bei der stabilisierenden Basis nicht, wie etwa bei Bäumen, um einen echten Stamm, sondern um Scheinstämme. Denn alle sieben bis zehn Tage wächst ein Blatt, dessen Blattscheiden sich zu einem stammähnlichen Gebilde fügen. Bis zu sechs Meter lang wird das eigentliche Blatt. Etwa sechs bis sieben Monate, nachdem das kleine Pflänzchen sich aus der Erde gewagt hat, entsteht ein beeindruckender Blütenstand. Und ehrlich gesagt: Selbst wer ein bisschen Ahnung von Botanik hat, der kapiert nicht auf Anhieb, was er bei diesem Gebilde alles sieht.
Da sind zum einen die rötlichen Tragblätter, in deren Achseln sich die Blüten befinden. Von der Basis des Blütenstandes aus entwickeln sich unterschiedliche Blütensorten: An den ersten Tragblättern werden jeweils bis zu 18 weibliche Blüten gebildet, unter den folgenden bunten Blättern verbergen sich zwittrige, nährstoffreiche Blüten, zur Spitze des Blütenstandes hin stehen dann männliche Blüten. Und nun der Clou: Die zwittrigen Blüten entwickeln sich nicht weiter und auch die männlichen sind nutzlos. Die weiblichen Blüten hingegen bilden die Frucht sozusagen auf eigene Faust – zumindest bei den Kulturformen der Banane. Es handelt sich hierbei um die so genannten Parthenokarpie, die Jungfernfrüchtigkeit. Also, an alle Vaihinger Bananenbesitzer: Das Bestäuben mit dem Pinselchen ist zwar eine liebevolle Geste, aber allem Anschein nach unnötig.
Von Natur aus gehört in die Frucht eine ordentliche Portion Samen. Denn die Banane ist botanisch gesehen eine Beere und in diese Sorte von Früchten sind die Samen der Pflanzen eingebettet. Bei der Kulturbanane, wissenschaftlich Musa x paradisiaca, sind die Pollen steril, so dass es zu keiner Befruchtung kommt und keine Samen den Bananengenuss stören. Die Vermehrung erfolgt über Wurzelschösslinge, die allesamt Klone der Mutterpflanze sind.
Vaihingerin Christel Junacek hat inzwischen schon den nächsten Ableger weitergepflegt, denn nachdem eine Staude abgeerntet ist, wird sie welk und wird gekappt. Das Schöne an der Frucht ist natürlich der süße Geschmack, der aber auch verrät, dass ein hoher Zuckergehalt in dem Nahrungsmittel schlummert. Das Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum Baden-Württemberg über die Banane: „Bananen sind vitamin- und mineralstoffreiche, gut bekömmliche Früchte. Da bei reifen Bananen der Großteil der Stärke bereits in Glucose und Fructose abgebaut ist, sind sie zudem schnelle Energielieferanten. Sie liefern außerdem reichlich Kalium, Magnesium, Mangan und Vitamine der B-Gruppe. Durch ihren hohen Ballaststoffgehalt haben sie eine verdauungsregulierende Wirkung. Ein hoher Verzehr von fast reifen, noch stärkereichen Bananen soll zudem vor Darmkrebs schützen.“ Auch für das Gehirn zahlt sich der Bananengenuss aus. Der Inhaltsstoff Tryptophan soll im Gehirn die Produktion von Serotonin anregen. Ein Hormon, das einen leicht euphorischen Zustand bewirken kann. In Deutschland zählen Bananen mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von bis zu 14 Kilogramm pro Jahr nach dem Apfel zum beliebtesten Obst.
Wie jedes Kind weiß, ist die Banane gelb. Was aber gar nicht unbedingt stimmt. Zunächst ist die Banane grün und manche Sorten der Dessertbanane haben im Reifezustand eine rote Schale. Das leuchtende Gelb der „normalen“ Banane basiert auf einem optischen Trick, fanden Forscher der Universität Innsbruck unlängst heraus. Abbauprodukte des grünen Blattfarbstoffes, des Chlorophylls, wirken als optischer Aufheller. Diese Substanzen bewirken außerdem unter Schwarzlicht ein „intensives blaues Leuchten“.
Die gelbe Farbe entsteht generell dadurch, dass beim Abbau des Chlorophylls während der Reife zuvor verdeckte Karotinoide sichtbar werden. Die Banane legt bei diesen Abbauprozessen eine außergewöhnliche Pause ein, wodurch sich fluoreszierende Zwischenprodukte anreichern. Sinn und Zweck dieser Taktik könnte nach Meinung der Forscher sein, dass fruchtfressende Tiere die blaue Farbe toll finden könnten oder dass die Moleküle die Lebensdauer der Früchte erhöht.
Besonders der junge Mensch könnte von diesen Erkenntnissen profitieren: In der Disco unter Schwarzlicht ist eine blau fluoreszierende Banane ganz bestimmt ein Hingucker und könnte ganz nebenbei zum gesunden Aufputschmittel avancieren. Das Mitführen der Banane würde auch der Verzweiflung von Männern vorbeugen, die in dem Schlagertext Anfang der 20er Jahre zum Ausdruck kommt: „Ausgerechnet Bananen, Bananen verlangt sie von mir.“ Das Lied war während der Weltwirtschaftskrise ein Ohrwurm, als die Frucht kaum zu haben war. Wiederholt sich diese Sehnsucht mit der aktuellen Finanzkrise? Im Jahr 2010 steht bei den Junaceks in Vaihingen die nächste Ernte an. Vielleicht sollte man sich schon mal vormerken lassen...
Sabine Rücker
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