Donnerstag, 09. Februar 2012

KW 44 – Baum des Jahres: die Walnuss


Heiß begehrt bei Mensch und Tier: die Walnuss. Foto: Rücker
Heiß begehrt bei Mensch und Tier: die Walnuss. Foto: Rücker

Liebe Leser,
unser Volontär mag sie nicht mehr leiden – mehr dazu später. Ansonsten ist das Gewächs sehr beliebt. Und bevor ihr Jubeljahr vorüber ist, gehört sie auch in den Phänomenen gehuldigt: die Walnuss ist Baum des Jahres 2008.

Als kleines Etwas fing es an, das Walnussbäumchen in meinem Garten. Da reichte mir das Gehölz gerade bis zu den Knien. Jetzt, ein paar Jahre später, droht der Baum die Dimensionen des Gärtchens zu sprengen. Wie kurzsichtig diese Hobby-Gärtner doch sind! Nur ein fachmännisch ausgeführter, alljährlicher Schnitt kann Juglans regia daran hindern, ins Nachbargrundstück zu wuchern. Mal abgesehen von dieser Fehlplanung und von der Tatsache, dass Laub inzwischen die Terrasse und den Teich übersät, liebe ich diesen Baum. Von Sommerlicht durchflutet schimmert sein Blattwerk am allerschönsten. Das macht den Mangel an fulminanten Blüten wieder wett. Der Walnussbaum verlässt sich in Sachen Bestäubung auf den Wind, wodurch er sich aufwendige Farb- und Duftorgien der Blüten zur Anlockung von Insekten sparen kann. Was mir dann doch Sorge bereitet ist, dass Solitärbäume bis zu 20 Meter hoch werden und einen beträchtlichen Stammdurchmesser erreichen können. Heiliger Strohsack!
Der Baum aus der Familie der Walnussgewächse wurde zum Baum des Jahres gekürt, weil „die Walnuss-Bestände in Deutschland wegen fehlender Nachpflanzung stark zurück gingen“, so das preisverleihende Kuratorium. Und weiter: „Wir sollten uns mehr um diesen typischen Hausbaum, unseren guten alten Freund, kümmern.“ Tatsache ist, dass in Walnussbäumen das Leben tobt. Krähen schleppen Nüsse davon, Meisen, Kleiber und Spechte picken an der Rinde herum und Spatzen haben ihren Spaß im Blätterdach. Viele Tiere, darunter Eichhörnchen und Siebenschläfer, legen sich einen Vorrat an Nüssen an. Die Exemplare, die von den emsigen Sammlern vergessen werden, können zu einem neuen Baum austreiben.
In der Familie der Walnussgewächse finden sich in verschiedenen Gattungen an die 60 Arten. Juglans regia, unsere heimische Walnuss, ist für den Menschen etwas ganz Besonderes. Zum einen natürlich der Nüsse wegen. Zum anderen, so die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, liefert die zu den „Edellaubhölzern gehörende Walnuss ein Holz von besonderer Schönheit, das seit Jahrhunderten und über alle Zeitepochen und Stilrichtungen hinweg zu den bevorzugten Luxushölzern zählt“. Manch ein Schreiner träume davon. Trotzdem ist sie keine Baumart, die im großen Stil in unserer Wälder Einzug gehalten hätte. Sie ist nämlich eine kleine Mimose, was Minusgrade angeht und fühlt sich in Weinbauregionen und Flusstälern am wohlsten. Während der Eiszeit verschwand der Baum ganz aus unserem Gebiet, um sich dann langsam aber sicher wieder auszubreiten. Während der Expansion ihres Reiches brachten die Römer der Antike neben vielen anderen Nutzpflanzen auch den Walnussbaum mit in ferne Länder und forcierten deren Ausbreitung. Der lateinische Namen unserer Walnuss, Juglans regia, leitet sich von Jovis glans ab, was zu deutsch Jupiter-Eichel bedeutet. Regia bedeutet königlich. Jupiter, der Göttervater der alten Römer und Herrscher über Blitz und Donner. Das deutsche Wort Walnuss soll allerdings von der altrömischen Bezeichnung, Nux gallica, die gallische Nuss, abgeleitet sein. Ins Mitteldeutsche übertragen wurde daraus die Wälisch Nuss, wälisch als Adjektiv für alles Romanische. Der Name Walnuss war dann nicht mehr weit. In Amerika startete der Baum erst vor zirka 200 Jahren seinen Siegeszug. Im sonnigen Kalifornien werden inzwischen jährlich bis zu 250000 Tonnen Walnüsse geerntet. Ein Baum kann pro Saison bis zu 150 Kilogramm Walnüsse liefern.
Um an das Leckere der Nuss zu kommen, muss zunächst eine harte Schale geknackt werden. Steinzellen, abgestorbene Zellen mit einer stark verdickten Zellwand, sorgen für die harte Schale der Nuss. Im Innern schlummert das, was Mensch und Tier so schätzen. Die hirnartig gefalteten Keimblätter sind’s, die unserem Gaumen schmeicheln. Sie verbleiben, wie bei der Eiche und Bohne beispielsweise auch, bei der Keimung in der von der Jungpflanze gesprengten Schale und liefern Nährstoffe fürs Wachstum. Ernährungswissenschaftler sind voll des Lobes für die Nuss: Arterien, Gehirn und die Abwehrkräfte profitieren von Fettsäuren und Vitaminmix der Knabberei.
Gift für die grüne Verwandtschaft
Zu ihren grünen Verwandten ist die Walnuss übrigens gar nicht nett. Mit chemischen Abwehrstoffen verhindert der Baum, dass andere Geschöpfe in ihrem Dunstkreis wurzeln. Einmal in die Freiheit entlassen entsteht aus einer vormals ungiftigen Substanz das aktive Juglon und hemmt das Wachstum zahlreicher Pflanzenarten, eine Strategie, die die Wissenschaftler als Allelopathie bezeichnen.
Bis vor kurzem wurde die Frucht der Walnuss noch als Steinfrucht definiert, wie beispielsweise die Kirsche oder Pflaume. Laut Untersuchungen an der Ruhr-Universität ist die anfangs grüne Hülle aber entwicklungsgeschichtlich kein Teil der Frucht und die Walnuss somit botanisch doch eine echte Nuss.
Auch in der Medizin und Kosmetik hat die Walnuss ihren festen Platz. Bereits in der Antike wurden Walnussblattlösungen zur Linderung von Hauterkrankungen angewandt. Durchfallerkrankungen soll beispielsweise ein Teeaufguss der Blätter lindern und Aufgüsse aus der grünen Umhüllung der Nüsse werden zum Färben der Haare benutzt. Im Tierreich sorgt die Nuss für das eine oder andere Spektakel. Besonders Krähen eignen sich als Studienobjekt von Naturfreunden. Sehen sich die schwarzen Vögel mit einer intakten Nuss konfrontiert, die es zu knacken gilt, wird diese in die Lüfte geschleppt und über hartem Untergrund abgeworfen. Noch schlauere Krähen praktizieren das in der Nähe von Ampeln: Während der Rotphase kann gemütlich gefressen oder eingesammelt werden, bei Grün knacken die Autos die harte Schale der Nuss.
Zum Abschluss nun noch einmal zu unserem Volontär Philipp-Marc Schmid. Kurz nach dem Genuss eines Walnuss-Shakes beobachtete er vor wenigen Tagen Veränderungen an seinem Körper: Pusteln blühten auf der Haut und die Hände seien beträchtlich angeschwollen. Eine Nuss-Allergie? Andererseits: Wer weiß, wo der Gutste sich herumtreibt und was da noch alles im Shake herumschwamm. Das Aufblühen seines Körpers hielt den jungen Mann aber nicht davon ab, kurze Zeit später ein Stück vom Nusszopf in der Redaktion zu kosten. Glücklicherweise hat er’s überlebt.
Sabine Rücker
Fragen und Anregungen per E-Mail an info@vkz.de oder per Fax: (07042) 91999


Seitenanfang