Montag, 06. September 2010

KW 13 – Niedliche Rarität: der Gelbstern


Da lacht das Herz: der Gelbstern blüht! Foto: Rücker
Da lacht das Herz: der Gelbstern blüht! Foto: Rücker

Liebe Leser,
der Winter hat sich vor wenigen Tagen noch einmal durchgesetzt. Das ändert nichts an der Tatsache, dass der Frühling schon regiert. Der Naturliebhaber kann bei uns mit etwas Glück zurzeit ein seltenes Pflänzchen bestaunen: den Gelbstern. In Aurich strecken dieses Jahr erfreulich viele dieser zarten Zwiebelpflanzen ihr Köpfchen aus der Erde.
Klassischer Fall von Augenwischerei auf einer kleinen Streuobstwiese auf Auricher Gemarkung: Unzählige Gelbsterne – kleine, gelbe, niedliche Pflänzchen – zeigen sich zwischen den Grashalmen. Da juckt es schon mal den einen oder anderen Gartenliebhaber in den Fingern, ein bisschen zu buddeln und ein Exemplar mit nach Hause zu nehmen. Denn, so erweckt die Natur den Eindruck, was hier in Massen wächst, kann nicht selten und gefährdet sein. Ist aber so. Deshalb lässt der echte Naturfreund die Schaufel stecken und das Blümchen an seinem Heimatplatz stehen.
Die Gattung der Gelbsterne, wissenschaftlich Gagea, gehört zur Familie der Liliengewächse. Rund 20 verschiedene Arten wachsen in Europa, etwas mehr als eine Handvoll davon in Deutschland. Manchmal werden die Pflanzen auch als Goldstern bezeichnet, was jedoch zu Verwirrungen führen kann, da auch Vertreter anderer Pflanzenfamilien diesen Namen tragen. Eindeutig sind zumindest immer die wissenschaftlichen Bezeichnungen. Bei den mehrjährigen Gelbsternen handelt es sich ausnahmslos um Zwiebelgewächse, deren deutsche Vertreter uns im Frühjahr mit gelben Blüten erfreuen.
 Bei der eindeutigen Identifikation der auf den ersten Blick recht ähnlichen Arten muss der Beobachter das Exemplar genau unter die Lupe nehmen. Im Internet stehen für die Pflanzenbestimmung unter www.blumeninschwaben.de Bestimmungshilfen mit detaillierten Bildern bereit. Etwas mutig behaupte ich nun einfach, dass es sich bei dem Gewächs auf dem Bild um einen Acker-Gelbstern, Gagea villosa, handelt. Das hübsche Pflänzchen erreicht eine Wuchshöhe von acht bis 15 Zentimetern. Besonders gerne etabliert sich die Blume auf Äckern, Wegrändern, Wiesen und Weinbergen. In Deutschland gilt sie auf der Roten Liste der gefährdeten Arten als gefährdet.
Auf der einen Seite profitiert der Gelbstern zwar von der Kulturlandschaft des Menschen, auf der anderen Seite reagiert die kleine Gelbe aber doch sehr sensibel auf eine falsche Behandlung. Die Fachstelle Naturschutz Kanton Zürich veröffentlichte im Jahr 2004 einen Aktionsplan, mit dessen Hilfe der Bestand der Art im schweizer Kanton erhalten beziehungsweise vergrößert werden soll. Der Zwiebelgeophyt zieht, sobald die Sonne durchblitzt, mit seiner Blüte Unmengen von Bienen an. Er bildet zwar Samen, verbreitet sich aber vorwiegend durch die Verteilung der Nebenzwiebeln durch sensibel durchgeführte landwirtschaftliche Bodenbearbeitung. Gerade von der Landwirtschaft drohen allerdings auch viele Gefahren. Zu tiefe Bodenbearbeitung mache den Pflanzen den Garaus, zu starke Düngung, Mähen und Mulchen zum falschen Zeitpunkt tun ihr Übriges. Zu viele Herbizide sind nicht förderlich für einen hübschen Gelbstern und auch ein Überwuchern durch Konkurrenten gefällt Gagea überhaupt nicht.
Nicht jedes Jahr winken
 die Blüten
Die Art, so die Schweizer Naturschützer, kann mehrere Jahre lang mit dem Blühen aussetzen und sei dann im vegetativen Zustand schwer zu entdecken. Damit treibt das Grünzeug seine Fans wie mich, die sich Jahr für Jahr nach ihrem Anblick sehnen, zur Verzweiflung. Immerhin könnte diese Erkenntnis das diesjährige „Blütenmeer“ auf oben erwähntem Wiesle erklären. Auch beim Trockenmauerprojekt an der Enztalschlinge bei Mühlhausen wird die kleine Pflanze erwähnt, die sich anscheinend im Weinbauklima besonderes wohl fühlt. Daran dürfte es in und um Vaihingen nicht mangeln.
Übrigens gehört sowohl der Blaustern, als auch der Milchstern einer anderen Pflanzenfamilie an, sie sind folglich nur entfernt mit den Gelbsternen verwandt. Hobby-Gärtner, die einen Vertreter der Gelbstern-Gattung ihr Eigen nennen wollen, können diesen als Zwiebel käuflich erwerben. Für gärtnerische Dilettanten wie mich bleibt jeden Frühling die Hoffnung auf die wilden Gelbsterne.
Sabine Rücker
Fragen und Anregungen per E-Mail an info@vkz.de oder per Fax: (07042) 91999


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