Liebe Leser,
es muss sich schon um gewaltige Tiere handeln, wenn gestandene Männer und computerverliebte Teenager sich von ihnen bedrängt fühlen. Raubtieren könnte ein solches Potenzial zugetraut werden oder auch einigen Arten unter den Nagern. Doch die Gemüter geraten zurzeit – auch im VKZ-Gebäude – wegen Kleinigkeiten in Wallung: Winzige Mücken verstopfen den Vaihinger Luftraum.
Der Kollege aus der Buchhaltung will's wissen und die freie Mitarbeiterin auch: Was sind das für Viecher, die einem vor der Nase herumtanzen? Die Redaktionskollegin erzählt, dass ihre Mutter hell entsetzt über mickrige weiße Fliegen war, die die Wäsche an der Leine bedeckten. Die Antwort: Es sind klitzekleine, nervig winzige Insekten, weiße Fliegen und schwarze Mückchen. Was seit einigen Wochen an Winzlingen durch die Luft gaukelt, setzt sich aus mehreren Tierarten zusammen. Mit dabei sind Pflanzenschädlinge, aber auch Exemplare, die ein Faible für Säugerblut haben. Die Schreiberin dieser Zeilen ist zwar keine Expertin, aber diese Arten sind aller Wahrscheinlichkeit mit von der Partie: Die Weiße Fliege, ein Organismus aus dem Formenkreis der Pflanzenläuse. Hierzu zählt auch Tierart Nummer zwei, die Blattlaus. Ganz fies und lästig, teilweise sogar gefährlich, sind die Blut saugenden, kleinen Mücken, die sich zu ihren vegetarischen Kollegen gesellen.
Kennen Sie auch die ewig juckenden Quaddeln, die quasi aus dem Nichts auf Armen und an Beinen auftauchen? Oder das Gefühl, wenn Plagegeister einem immer wieder in den Kopf stechen? Dafür sind Gnitzen und Kriebelmücken verantwortlich. Das macht diese Tiere nicht sympathisch. Da hilft es auch nichts, dass gnitz im Schwäbischen für ein „G'scheidle“ steht, für einen, der pfiffig ist. Gnitzen füllen in letzter Zeit die Schlagzeilen als Überträger des Erregers der Blauzungenkrankheit. Diese Krankheit kann Wiederkäuern gefährlich werden, gilt aber für uns Zweibeiner als ungefährlich.
Diese Gnitzen sind eine Familie kleiner Mücken mit Körperlängen von bis zu zwei Millimetern. Die Weibchen der meisten Arten dieser Familie sind Blutsauger. Als besonders stechlustig gelten Gnitzenweibchen abends und nachts. Culicoides pulicaris verursacht Quaddeln und bei empfindlichen Menschen allergische Reaktionen durch die Saugaktion mit ihrem Stechrüssel. Die Schwesternart Culicoides obsoletus schwärmt laut Bestimmungsbuch „im Sommer in riesigen Mengen und macht den Aufenthalt in bestimmten nördlichen und Gebirgsregionen unerträglich“. Besonders beliebt bei den Gnitzenweibchen sind die menschlichen Hautpartien an Rändern von Kleidungsstücken. Auch Rinder und Pferde leiden unter den Attacken der Mücken. Pferdebesitzer berichten im Internet über das vom Speichel der Gnitzen mitverursachte so genannte Sommerekzem, das Tier und Halter gleichermaßen in den Wahnsinn treibe. Die Larven der Gnitzen leben teils an Land, teils aquatisch. Mit einer Flugzeit von April bis in den Frühherbst ist bei den Tieren zu rechnen.
Mein ganz persönlicher Feind ist die Kriebelmücke. Obwohl auch sie ohne Frage eine Daseinsberechtigung hat, mag ich sie nicht. Sie steht bei mir im Verdacht, für widerliche Stiche in meine Kopfhaut verantwortlich zu sein. Auch bei diesen Mücken handelt es sich bei uns meist um Zwerge, mit einer Länge zwischen zwei und sechs Millimetern. Sie ähneln, gedrungen und rundlich, eher den Fliegen. Beide Geschlechter lieben Pflanzennektar, doch für die Eientwicklung wird von den Weibchen der eine oder andere Schluck Blut benötigt. Schluck ist hierbei durchaus zutreffend, denn die Mücke sticht nicht, sondern beißt eine größere Wunde in ihr Opfer und schlabbert diese dann mehr oder weniger aus.
Die Kriebelmückenattacke bleibt anfangs meist unbemerkt, da die Tiere sich nicht durch Summtöne bemerkbar machen. Nach der Blutmahlzeit des Insekts kann die Hautstelle extrem jucken und handtellergroß anschwellen. Es wird empfohlen, den Biss zu kühlen. Die Larven leben ausschließlich aquatisch. Die Adulten können jedoch vom Wind weit verdriftet werden. Falls Sie als Jogger oder Radler schon einmal mit einem Mini-Mücken-Schwarm kollidiert sind, könnte es sich dabei durchaus um die Kriebelmücke handeln. Denn sie bildet zur Partnerfindung Schwärme in der Nähe größerer dunkler Gegenstände, beispielsweise Bäume. Bei Massenbefall können Kriebelmücken sogar den Tod von Weidetieren herbeiführen, unter anderem durch die von den Parasiten verursachte Panik. Trost gibt es allerdings doch: Die Kriebelmücke folgt uns nicht ins Gebäudeinnere und nach 14 Tagen im Spätsommer ist der Spuk vorbei, da das Blut ja nur für die Eientwicklung benötigt wird.
So, und nun zum Rest der tierischen „Luftverpestung“. Die Gruppe der Weißen Fliegen heißt nicht nur so, sondern die dazugehörenden Arten sehen auch so aus. Die so genannte Kohlmottenschildlaus ist eine davon. Sie liebt Kreuzblütler und Wolfsmilchgewächse, tummelt sich im Freien und ist auch noch frostfest. Den Pflanzen saugt sie und ihre Verwandten, die gerne auch andere Blumen peinigen, den Saft aus dem Körper.
Gleiches tun die anderen kleinen Flieger, die Blattläuse. Sie sind eine Gruppe mit einem erstaunlichen Umgang mit ihrer Vermehrung. Das dürfte aber bald mal eine eigene Phänomene-Folge füllen. Bei ihnen wechselt momentan eine geflügelte Generation zu einer neuen Wirtspflanze, was zur Folge hat, dass sie massenhaft in der Gegend herumfliegen. Die Tierchen verhaken sich bei dieser Gelegenheit hin und wieder in unseren Nasenhaaren oder zwischen unseren Zähnen.
Alles in allem freut sich eben nicht nur der Mensch über sonnige Tage im Spätsommer und frühen Herbst, sondern auch die kleinen Geflügelten. Nicht mehr lange, dann ist Winter. Ade und winke, winke, bis zur nächsten Saison.
Sabine Rücker
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