Montag, 06. September 2010

Wenn Grundschüler sich aufs Busfahren freuen


Wenn Grundschüler sich aufs Busfahren freuen
Peter Dreibach ist bei seinen jungen Fahrgästen sehr beliebt. Der Busfahrer übt seinen Traumberuf seit 25 Jahren aus.

Eberdingen (rkü) – Freudiges Winken und strahlende Gesichter bestimmen morgens das Bild an der Bushaltestelle in Eberdingen. Ob sich die Kinder auf den Unterricht freuen, bleibt offen. Fest steht aber, dass sie sich darauf freuen, von Peter Dreibach zur Schule gebracht zu werden. Diese Freude hat inzwischen auch einige Eltern angesteckt, die morgens fröhlich mitwinken, wenn der Bus kommt.

Peter, der Busfahrer – so kennen ihn seine Fahrgäste seit beinahe 25 Jahren. Er selbst ist überrascht, dass es Leute gibt, die ihn wegen seiner Art für einen bemerkenswerten Busfahrer halten. „Für mich ist das hier alles ganz selbstverständlich“, sagt der 48-Jährige. „Ich mache nur meinen Job.“ Allerdings merkt er an, dass es sehr wohl einen Unterschied bedeute, ob man etwas tut, weil man es machen muss oder ob man Freude an der Tätigkeit hat. Peter Dreibach freut sich auf den Schülertransport. „Kinder sind grundsätzlich immer lebenslustig. Da kommt viel zurück“, sagt er über seine Motivation.

Beim Umgang mit den jungen Fahrgästen beweist der Busfahrer Fingerspitzengefühl. Ein freundliches „Guten Morgen“ begrüßt die Schüler, sobald sich die Bustüren geöffnet haben. Das ist ein kleines Signal, das aber gut ankommt und Widerhall findet. Dreibach ergänzt: „Ich bin für alle und jeden beim Busfahren immer nur der Peter. Das schafft eine beinahe kumpelhafte Ebene, auf der man sich gut unterhalten kann.“ Den nötigen Respekt gibt es dennoch – auf beiden Seiten. Peter Dreibach muss nicht laut werden, um für Ordnung in seinem Bus zu sorgen. Normalerweise verhalten sich die Schüler trotz allen Ärgers, den sie vielleicht hatten, im Schulbus friedlich. Nur einmal in fast 25 Jahren hat er unterwegs anhalten müssen, um einen Streit zu schlichten. Damals gab es hinten im Bus eine kleine Schlägerei. „Ich habe den Bus abgestellt, den Motor ausgemacht und bin nach hinten gegangen.“ Dort machte er den beiden Streithähnen in ruhigen Worten klar, dass die Fahrt erst fortgesetzt werde, wenn sie voneinander abgelassen haben. „Die anderen Schüler, die nach Hause wollten, haben dann schon dafür gesorgt, dass der Streit ziemlich schnell aufgehört hat.“

Peter Dreibach hat auch in seiner Freizeit Jugendliche um sich herum. Beim TSV Hochdorf betreut er im Mädchenfußball die B-Juniorinnen. Und was das Busfahren angeht, freut er sich auf den Schülertransport. Auch wenn er inzwischen hauptberuflich im Getränkehandel arbeitet, fährt er doch täglich seine Tour mit dem Flattich-Bus. Der Hochdorfer wird beinahe philosophisch, wenn er über die Hintergründe sinniert. „Kinder sind das, was wir aus ihnen machen.“ Die Natur zeige den Weg auf. „Wenn man einem Baum keinen Stecken gibt, an dem er emporwachsen kann, dann wächst er krumm und wild und wird zum Strauch.“ Den Kindern will Peter Dreibach eine Stütze sein. Umgangsformen lernen sie bei ihm allemal. Ganz nebenbei wird also der Erziehungsauftrag der Schule auch auf dem Schulweg wahrgenommen. Und der Busfahrer fühlt sich bei der Arbeit mit den jungen Leuten pudelwohl: „Für mich ist das ein Traumberuf.“


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