Rolf Ziegler: ein Leben mit Hürden – 9. November 2007
Der Illinger Unternehmer erinnert sich an seine Olympiateilnahme und seine Zeit als Leistungssportler
Rolf Ziegler sitzt in einem Besprechungsraum in seinem Unternehmen. Seine Beine hat er locker übereinander geschlagen. Er erzählt gerade von seiner Zeit als Leistungssportler. Diese Phase in seinem Leben hat ihn geprägt und er ist sich sicher, dass er ohne diese Erfahrungen heute nicht der Inhaber einer Firma in Illingen wäre, in der rund 50 Menschen beschäftigt sind.
Rolf Ziegler war einst ein erfolgreicher Leichtathlet. In den 70er Jahren war sein Name aus den Bestenlisten nicht wegzudenken. Bis heute hält er mit 49,55 Sekunden den Landesrekord über 400 Meter Hürden, den er 1972 bei der Qualifikation für die Olympischen Spiele aufgestellt hat. „Mich wundert es, dass der bis heute nicht gebrochen worden ist. Dabei haben die Sportler heute viel bessere Trainingsmöglichkeiten“, sagt Ziegler. Er selbst habe teilweise nur vier Mal in der Woche trainiert, denn das Elektrotechnik-Studium wollte Ziegler nicht schleifen lassen. „Außerdem war ich manchmal etwas trainingsfaul“, so der Leichtathlet. Trotzdem stimmten die Leistungen.
1972 zum Beispiel nahm der gebürtige Stuttgarter an den Olympischen Spielen in München teil. Er schied zwar nach dem Zwischenlauf aus, darf sich aber Achtschnellster über 400 Meter Hürden nennen. Es folgten Erfolge bei der Studentenweltmeisterschaft (Platz 8) in Moskau im Jahre 1973, bei den deutschen Meisterschaften (Platz 1) in Hannover im Jahre 1974, bei den Europameisterschaften (Platz 8) in Rom (1974) und ein erster Platz bei der Studentenweltmeisterschaft im Jahre 1975 in Rom. Bei den Europameisterschaften in Rom holte er sich mit der 4 x 400-m-Staffel zusätzlich noch die Silbermedaille. Und das sind nur einige Erfolge des mehrfachen Deutschen Meisters.
Eines blieb ihm allerdings verwehrt: eine weitere Teilnahme an Olympischen Spielen. Und das obwohl er 1976 kurze Zeit sogar der viertschnellste Läufer der Welt war. „In dieser Phase habe ich auch rund neun Mal in der Woche trainiert“, erzählt Ziegler. Eine Verletzung an der Achillesferse warf ihn zurück und „obwohl ich eigentlich rechtzeitig zu den Spielen wieder fit war und das in einem Wettbewerb zeigte, nahmen mich die Verantwortlichen nicht mit nach Montreal (Kanada)“ – zumindest nicht als Teilnehmer der Olympischen Spiele. „Als Zuschauer hätten sie mich mitgenommen, aber das wollte ich nicht. Ich wollte nicht sehen, wie im Endlauf acht Personen laufen, von denen ich sechs hätte schlagen können.“ Noch heute hat Ziegler kein Verständnis für diese Entscheidung. Auch die Medien diskutierten 1976 eifrig darüber, wieso Ziegler nicht mit nach Montreal durfte.
Das war die Zeit, in der sich Rolf Ziegler langsam vom großen Sport zurückzog. „Ich habe gemerkt, dass der Sport sehr kurzlebig ist und habe deshalb meine beruflichen Ziele noch intensiver verfolgt“, erzählt Ziegler. Er ging zunächst in den Urlaub, trainierte nur noch sporadisch. Doch sein Verein, der SKV Eglosheim, fragte noch einmal an, ob er nicht bei der DM mitmachen wollte. Untrainiert startete er über 110 und 400 Meter Hürden und wurde als erster Doppelmeister über beide Hürdenstrecken.
Die 400 Meter Hürden waren Zieglers Paradestrecke, aber sie waren nicht sein Traum: „Eigentlich wollte ich immer Sprinter werden. 200 Meter wären meine Distanz gewesen.“ Doch es kam anders. Als Ziegler in jungen Jahren Kontakt zu den Eglosheimer Leichtathleten knüpfte, sprintete er zunächst. Doch bei den württembergischen Jugendmeisterschaften kam er über diese Distanz nicht ins Finale. „Ich habe mich nach dem Start umgedreht, weil ich dachte, der Lauf wird abgebrochen und schaffte es nicht mehr, den Rückstand aufzuholen.“ Der junge Ziegler war tief enttäuscht, doch sein Betreuer überraschte ihn mit der Nachricht, ihn auch über 300 Meter Hürden gemeldet zu haben.
„Das war ich noch nie gelaufen“, erinnert sich Ziegler und muss bei der Vorstellung lachen, wie er über die Hürden gehüpft ist. „Ich bin gesprungen, wie ein Pferd, und nicht darüber gelaufen, wie man es macht.“
Obwohl seine Technik nicht gerade ausgefeilt war, gewann Rolf Ziegler auch den Endlauf – und der Hürdenläufer war geboren.
Heute überspringt Ziegler, wie er es nennt, geistige Hürden. Nachdem der Diplomingenieur sein Studium abgeschlossen hatte, eine Zeit lang als Assissent an der Universität und als Technischer Leiter bei der Firma EKS in Vaihingen gearbeitet hatte, machte sich Ziegler mit seiner Firma AMZ selbstständig und zog mit seinem Unternehmen schon bald nach Illingen.
AMZ entwickelt und produziert kundenspezifische Magnetsysteme, unter anderem werden auch Module für Analyse-Geräte hergestellt, die helfen, Dopingsünder zu überführen. „Doping gab es schon zu meiner Zeit. Ein guter Freund hat sich so kaputt gemacht. Mich schockieren solche Nachrichten“, sagt Ziegler. Er selbst lebte immer nach dem Motto: „No Drugs!“ Rolf Ziegler deutet auf seinen Latte macchiato: „Selbst Kaffee trinke ich selten.“
Die Zeit des Leistungssports ist vorüber. Heute geht er ab und zu joggen, fährt Fahrrad oder läuft beim Spendenlauf der Lebenshilfe Vaihingen-Mühlacker für den guten Zweck. Ziegler hat zwei erwachsene Kinder und lebt mittlerweile in Vaihingen. „Ich zehre noch immer von meinen Erfahrungen, die ich früher gemacht habe“, sagt Ziegler. „Zum Beispiel helfen mir die Trainingsmethoden auch im Arbeitsleben. Ich habe gelernt, dass man nicht aufgibt und immer an sich glauben muss. Sonst muss man erst gar nicht anfangen.“ Körperlich, so gibt er zu, gibt es zwar die eine oder andere Verschleißerscheinung, aber organisch hätte ihm der Sport gut getan. „Es gibt Hochs und Tiefs, aber man muss einfach cool bleiben, nachdenken und dann findet man eine Lösung.“ Eva Wirth

