Freitag, 10. Februar 2012

Multitalent Werner Schmid aus Ensingen – 26. Februar 2008


Gudrun und Werner Schmid vor einigen Exponaten. Foto: Rücker
Gudrun und Werner Schmid vor einigen Exponaten. Foto: Rücker

Um seinen Namen kommt der VKZ-Leser nicht herum: Werner Schmid aus Ensingen. Immer wieder taucht er auf. Ob als Maler, Vorsitzender der Ortsgruppe Ensingen des Schwäbischen Albvereins, im Zusammenhang mit dem Ensinger Bauertheater oder als Autor.
Dabei galt die Leidenschaft des jungen Burschen in den 50er Jahren schlicht und ergreifend Western. Am liebsten genoss der Malerlehrling Wild-West-Filme, in denen Leinwandheld Kirk Douglas die Hauptrolle spielte. „Da hat man das Geld zusammengekratzt“, erinnert sich Schmid, Jahrgang 1937, „und ist ins Kino nach Vaihingen gegangen.“ Den „Dreher“ bei den Vorlieben seines Auszubildenden schaffte Lehrherr und Vater Hermann Schmid. Der selbstständige Malermeister habe damals „winters den Gesellen und Lehrling auf Anhöhen zum Zeichnen mitgenommen“, erinnert sich Werner Schmid. So entfachte er bei seinem Sohn im zweiten Lehrjahr die Liebe zum Zeichnen.
Durch das gute Abschneiden bei der Gesellenprüfung heimste der Ur-Ensinger ein Stipendium für die Höhere Fachschule für Maler in Stuttgart ein. Im dritten Semester „habe ich den Meister gemacht“, so Schmid, nach sechs Semestern hatte der junge Mann im Jahr 1960 den Titel Diplom-Malermeister in der Tasche. Danach arbeitete Schmid im väterlichen Betrieb in Ensingen und in der eigenen Firma in Horrheim. Schmid: „In der Freizeit habe ich gezeichnet und gemalt.“
 Doch damit nicht genug: Schon als kleiner Pimpf spielte er beim TSV Ensingen Fußball und ab dem 13. Lebensjahr mischte er beim Schwäbischen Albverein mit. Seit 2003 ist er Vorsitzender der Ensinger Ortsgruppe.
Bei der Tätigkeit in den beiden Vereinen kam eine weitere Leidenschaft des Ensinger Malers zum Vorschein: das Theaterspielen. Mitte der 60er Jahre formierte sich beim TSV die Urkeimzelle des Ensinger Bauerntheaters aus Werner Schmid und zwei weiteren Schauspielern. Die Geburtsstunde der Ensinger Schauspielkunst schlug bei Weihnachtsfeiern des TSV. Die kleine Schauspieltruppe wurde „von den Älteren eher belächelt“, erinnert sich Schmid. Besonders der Malermeister hatte seinen Namen bald weg. Er war – und ist bei manchen noch heute – das „Kasperle von Ensingen“. Schmid: „Mir hat des nix ausg'macht.“ Der Erfolg gab allerdings den Laienschauspielern recht. Die Nachfrage nach den Theaterstücken der TSV-Gruppe stieg, besonders unter den Auswärtigen. „Wir sind immer besser geworden, haben aber damals schon Zwei-Stunden-Stücke gespielt“, so Schmid. Vor rund 15 Jahren bekam das Theater-Kind schließlich seinen Namen „Ensinger Bauerntheater“, an dessen Schöpfung Schmids Gattin Gudrun maßgeblich beteiligt war.
Bei Wanderungen in den bayerischen Bergen ließ sich das Ensinger Paar nur selten ein Bauerntheater vor Ort entgehen. Und Ensingen sei ja ursprünglich ein Bauerndorf gewesen, kombinierte die in Ötisheim aufgewachsene Gudrun Schmid. Überhaupt spielt sie bei der Namensfindung für die Bilder und Zeichnungen ihres Gatten eine wichtige Rolle. Und auch Ungereimtheiten der Werke bringt sie zur Sprache: „Ich sage dann manchmal, dass so kein Baum aussieht.“ Werner Schmid: „Wenn ich zu senil bin, dann korrigiert sie.“ Die Blumenliebhaberin und der Maler haben es letztendlich Oscar zu verdanken, dass sie sich kennengelernt haben. Oscar war ein VW-Käfer. Ende der 50er/Anfang der 60er-Jahre war ein fahrbarer Untersatz im Dorf hochbegehrt. So kam es, dass Werner Schmid mit seinem Oscar den Tanzlehrer und den Pfarrer zu ihren Einsatzorten gondelte. Bei einer Tanzveranstaltung im „Waldhorn“ in Ötisheim schwebte die junge Gudrun übers Parkett. Vier Kinder und acht Enkel hat das Ensinger Paar mittlerweile, wobei das künstlerische Talent des Opas sich vor allem bei den Enkeln zeige.
Dem Maler, der nach langjähriger Tätigkeit als Fachberater im Farbenbereich im Jahr 2000 in den Ruhestand ging, fehlt es nicht an Arbeit und Inspiration. Bei der Sanierung des Ensinger Heimes vor wenigen Jahren schwang Schmid heftig den Malerpinsel an Haus- und Schallschutzwand. Pastelle, Aquarelle, Acrylmalereien, kurz: Bilder und Drucke jeder Couleur entspringen seinem Atelier. Das Heimatbüchle der Autoren Schmid/Bildmann „Ensingen, onser Fleck“ ist fast noch druckfrisch und die Saison des Bauerntheaters mit Schmid in der Rolle des Hans Emmer sen. ging eben erst zu Ende. Am Donnerstag startet die fünfte Ausstellung des Malers. Unter den rund 80 Exponaten werden auch Bilder sein, die mit dem so genannten Monotypie-Verfahren hergestellt wurden. „Eine alte Technik“, schwärmt Schmid, „und ein besonderer Reiz.“ Bei dieser Technik wird das Bild mit Ölfarbe auf eine Glasplatte gemalt und anschließend ein Druck gefertigt. Schmid: „Das macht richtig Spaß, ich finde immer wieder neue Tricks heraus.“
Auch in Zukunft wird es dem Ruheständler nicht langweilig werden. „Bald geht er wieder früh morgens ins Freie, um zu malen“, orakelt seine Gattin. Manchmal, sind sich die beiden einig, muss man das „Ensinger Kasperle“ fast ein wenig bremsen. Sabine Rücker


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