„Man muss Menschen mit Herzblut pflegen“ - 17. November 2007
Schwester Pauline Mauch kümmert sich gerne um ältere Menschen. Das war schon immer ihr Traumberuf. Es gehört zu ihren täglichen Aufgaben, andere Menschen zu waschen, ihnen Kompressionsstrümpfe über die Beine zu ziehen und sie zu pflegen. Der gelernten Krankenschwester macht das nichts aus: „Ich habe eben einen Beruf, zu dem man sich berufen fühlen muss“, sagt die 63-jährige Ensingerin mit einem Lächeln im Gesicht.
Dass sie Krankenschwester werden möchte, war für Pauline Mauch schon ganz früh klar. „Als ich zehn Jahre alt war, musste ich zu einer Blinddarmoperation ins Ludwigsburger Krankenhaus.“ Daran erinnert sie sich noch gut. Dort kam sie zum ersten Mal mit den Männern und Frauen in Weiß in Kontakt. „Die Schwestern waren so nett zu mir, dass ich mich richtig wohl gefühlt habe.“ Der Krankenhausaufenthalt hat Pauline Mauch geprägt.
Am liebsten hätte sie gleich eine Ausbildung zur Krankenschwester gemacht. „Aber dazu war ich leider noch ein bisschen zu jung“, scherzt Pauline. Bis sie ihre Ausbildung antreten konnte, hat Schwester Pauline ihrer Mutter und ihrer Großmutter unter die Arme gegriffen. „Die beiden waren krank und konnten im Haushalt jede Hilfe gebrauchen. Als ich dann 20 war, ist zuerst meine Großmutter und dann meine Mutter gestorben“, erzählt sie. Nach diesem Schicksalsschlag hat Pauline sich dazu entschieden, ins Diakonissenkrankenhaus nach Stuttgart zu gehen, um den Beruf der Krankenschwester zu erlernen.
„In der Ausbildung haben wir nicht nur gelernt, wie man Menschen pflegt und wie man mit ihnen umgeht. Wichtig war auch die Konfrontation mit dem Tod“, sagt die Ensingerin. Was sie damals über den Umgang mit dem Tod gelernt habe, habe ihr als Gemeindeschwester unheimlich viel gebracht. Denn zu ihren Aufgaben gehört es auch, Patienten und Angehörige in den letzten Stunden zu begleiten. „Das ist manchmal gar nicht so einfach. Manche tun sich mit dem Loslassen richtig schwer. Da braucht man dann schon etwas Fingerspitzengefühl im Umgang mit den Menschen.“ Der Tod von Patienten hat aber auch Schwester Pauline manchmal getroffen. Schließlich hat sie sich über Jahre hinweg um die Patienten gekümmert. „Man muss Menschen mit Herzblut pflegen.“ Manche Patienten lerne man dabei sehr gut kennen.
Die erste Stelle als Gemeindeschwester hat Pauline Mauch im Jahr 1971 in Mühlacker angetreten – im selben Jahr hat sie ihren Mann geheiratet. Drei Jahre lang war sie in Mühlacker beschäftigt, bis sie 1974 als Gemeindekrankenschwester nach Ensingen wechselte. „Ich wohne heute noch mit meinem Mann und meinen acht Kindern in Ensingen. Da gefällt es mir gut“, sagt die Hobbygärtnerin.
In den Anfängen ihrer Tätigkeit in Ensingen ist Schwester Pauline, die auch schon Kurse für pflegende Angehörige gegeben hat, noch mit dem Fahrrad zu ihren Patienten gefahren. „Manchmal hatte ich sogar eines meiner Kinder dabei, auf die musste ich ja auch noch aufpassen“, erzählt die 63-Jährige. In der Zwischenzeit wurde das Dienstfahrrad von Schwester Pauline ausgemustert – heute sind die Schwestern der Vaihinger Sozialstation motorisiert unterwegs. „Und dass eine Schwester ein Kind mit auf ihre Tour nimmt, ist auch nicht mehr denkbar.“
Seit 1977 ist Schwester Pauline bei der damals neu gegründeten Vaihinger Sozialstation angestellt. „Bis Anfang 2000 habe ich dort auch eine Zeit lang im Büro gearbeitet. Ich bin dann wieder raus zu den Leuten, weil ich im Büro nur noch 100 Prozent hätte arbeiten können“, sagt sie. Im Pflegedienst hat die Schwester eine 50-Prozent-Stelle. „Mehr kann ich nicht arbeiten, ich habe auch noch einen großen Haushalt zu führen.“
Ein normaler Arbeitstag beginnt bei Pauline Mauch schon gegen sechs Uhr. „Zuerst mache ich Frühstück für die Familie und dann starte ich mit meiner Tour“, erzählt sie. Mit Familie und Beruf hat sie einen Vollzeitjob. Schwester Pauline arbeitet hauptsächlich im Bezirk der Dreiergemeinde Eberdingen. „Dort bin ich Springer, ich vertrete immer die Ortsschwestern.“ Die Wahrscheinlichkeit, dass Schwester Pauline in einem der Sozialstation-Smarts sitzt, die durch Eberdingen, Nussdorf und Hochdorf düsen, ist relativ hoch. Es wird nämlich im Schichtdienst gearbeitet. Da kommt die Vertretungsschwester oft zum Einsatz. Dass Schwester Pauline mit ihrem kleinen Flitzer viel unterwegs ist, sieht man sofort: „Die Dreckspritzer kommen von den Feldwegen über die ich zum Teil fahre“, sagt sie und lacht. Die Feldwege müssten manchmal als Abkürzungen herhalten.
Am 1. Februar schließt sich das Kapitel „Gemeindeschwester“ aus Paulines Leben nach 36 Jahren – an der Arbeit hängt sie aber trotzdem noch. „Ich gehe aus familiäreren Gründen etwas früher in Rente“, erklärt die Frau mit dem Dutt. Ganz will sie ihren Traumjob aber noch nicht loslassen: „Ich stehe ab und zu als Vertretung zur Verfügung.“ Philipp-Marc Schmid

