Donnerstag, 09. Februar 2012

Leben für das Ehrenamt




Rudolf Wachter. Foto: Bögel
Rudolf Wachter. Foto: Bögel

Roßwag (ub). Rudolf Wachter hat alles fein säuberlich aufgeschrieben. Die Arbeitszeit bei Bosch von Oktober 1950 bis Dezember 1992, die Zeit als Vorsitzender des Fußballvereins Roßwag von 1954 bis 1971 und von 1977 bis 1992, sein Wirken als Gemeinderat in dem damals selbstständigen Ort Roßwag von 1962 bis 1975, von 1982 bis 2004 als Ortschaftsrat. Nicht zu vergessen die Dauer seiner Ehe mit Margarete: beeindruckende 55 Jahre. Wachter überreicht stolz die Aufzeichnungen: „Das sind immer hohe Zahlen.“
Rudolf Wachter, der heute 80 Jahre alt wird, ist kein Ur-Roßwager. In Feuerbach geboren kam er 1935 in die Weinbaugemeinde im Enztal. Hier setzte er sich dann aber für die Allgemeinheit ein, ist der Mitbegründer des FV, schrieb über Jahrzehnte die Kommunalpolitik mit. Es ist ein Leben für das Ehrenamt. Natürlich wird so etwas auch honoriert. Wachter zeigt einen anderen Zettel – hier stehen die Auszeichnungen in seinem Leben: die silberne und goldene Vereinsnadel des Fußballvereins, der Ehrenvorsitz seit 1992, die silberne und goldene Verbandsnadel des Württembergischen Fußballverbandes, die bronzene, silberne und goldene Verbandsnadel des Landessportbundes, das silberne und goldene Ehrenzeichen des Gemeindetages Baden-Württemberg, die Landesehrennadel. Akkurat stecken die kleinen Orden in einem weißen Kissen, das auf der Fensterbank in dem Haus in der August-Lämmle-Straße liegt.
Das Herz von Rudolf Wachter schlägt immer noch für „seinen“ FV Roßwag. Neben den vier Kindern ist der Verein Wachters „fünftes Kind“, da fiebert er noch mit seinen 80 Jahren auf dem Sportplatz mit der Mannschaft. „Ich freue mich, wenn sie gewinnen“, sagt er. „Ich schreie aber auch rein, wenn der Schiedsrichter einen Fehler gemacht hat“, gibt er auf Drängen seiner Ehefrau zu. „Er beherrscht sich so gut es eben geht. Sonst gibt es eben einen Boxer in die Seite“, lacht Margarete Wachter.
Die Leidenschaft von Wachter galt und gilt eben dem Fußball. Hier bekam er seinen Spitznamen „Schneck“, unter den ihn noch heute die Leute rufen. Wachter erinnert sich natürlich noch an das erste Spiel des FV Roßwag 1944 in Iptingen. Mit 7:3 wurde die Partie gewonnen, Linksaußen Rudolf Wachter schoss drei Tore. 1954 übernahm er als „junger Kerle mit 25 Jahren“ zum ersten Mal den Vorsitz des FV Roßwag. „Es war schon ein schwerer Stand, bis sich der Fußball in Roßwag etabliert hat“, erinnert sich Wachter. 1960 konnte schließlich der Sportplatz eingeweiht werden. Das Eröffnungsspiel wurde allerdings von einem Todesfall überschattet, als ein Vaihinger Spieler zusammenbrach.
1964 kam mit der 300000 Mark teuren Halle das nächste Großprojekt. „10000 Mark gaben die Fußballer“, weiß Wachter noch genau. Roßwag bekam zwar nur eine „kleine“ Halle, konnte damals aber bei den anderen Ortschaften damit punkten. Oder die Wiege des Stadtpokals, die der langjährige FV-Chef auch in Roßwag sieht. „Wir haben den Enztalpokal mit Oberriexingen, Enzweihingen, Vaihingen, Roßwag und Mühlhausen eingeführt. Das war der Vorgänger des Stadtpokals.“
1962 wird Wachter in den Gemeinderat gewählt. „Zu dieser Zeit saßen in dem Gremium nur Bauern. Karl Allmendinger und ich waren die einzigen mit einem anderen Beruf.“ Wachter erinnert sich im Gespräch an die Zusammenarbeit mit dem früheren Oberbürgermeister Heinz Kälberer. Er habe sich dafür eingesetzt, dass die Ortschaftsräte kommen. Und als Ortschaftsrat hat Wachter auch viele Verpflichtungen übernommen, zum Beispiel das Gratulieren bei Geburtstagen. Nein, ein Duckmäuser sei er in seiner kommunalpolitischen Karriere nicht gewesen. „Ich habe auf dem Rathaus immer gesagt, was ich denke und was Sache ist.“
Rudolf Wachter ist in Roßwag eine Institution. Die Leute kennen ihn, er kennt die Leute.
Zum Foto geht es hinunter zum Sportplatz. „FV Roßwag. Das lila-weiße Bomberteam“ steht auf dem Banner. Wachter stellt sich gerne darunter. „Ich bin immer noch stolz auf die Mannschaft. Sie hat fast den Aufstieg in die Bezirksliga geschafft.“ Aber vielleicht ist es ganz gut, dass es nicht geklappt hat, philosophiert Wachter. Er kann einfach nicht vom FV lassen – es ist schließlich sein Kind.




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