Donnerstag, 09. Februar 2012

Emma und Karl-Heinz Fladerer


Emma und Karl-Heinz Fladerer. Foto: Rücker
Emma und Karl-Heinz Fladerer. Foto: Rücker

Lose Pralinen von Lindt. Das war ein Artikel bei Feinkost Fladerer in Vaihingen, der nur kurz angeboten wurde. Die Verlockungen wurden schnell wieder aus dem Sortiment genommen. Denn die Fünf-Kilogramm-Pralinendosen waren innerhalb einer Woche leer. Das meiste davon endete im Magen der Ladenbesitzer. „Was habe ich Süßwaren gegessen“, stöhnt Emma Fladerer noch heute.
Fast 50 Jahre lang bot die Familie Fladerer feine Lebensmittel mitten im Städtle an. Zuerst war das Lädle in der heutigen Lateinschulgasse und trug den Namen Hausfrauenladen. Dort liefen sich im Jahr 1954 auch die junge Emma Schalk und der spindeldürre Karl-Heinz Fladerer das erste Mal über den Weg. Heute kann das Paar auf 50 Jahre Ehe zurückblicken und goldene Hochzeit feiern.
Aus dem Sudetenland kam Karl-Heinz Fladerer nach Vaihingen, nachdem der Vater und Firmengründer Erwin dort eine Arbeit gefunden hatte. 1951 wurde der Hausfrauenladen eröffnet. Emma Fladerer stammt aus Bärenthal bei Beuron. Drei Jahre lang sei ihr Vater dort im Kloster gewesen. „Er hat immer gesagt, dass er mit den Brüdern nicht warm werden konnte“, erzählt die 75-Jährige und lacht. Überhaupt lacht die Jubilarin oft und gerne. Das hält offensichtlich jung.
Als Teenager hatte sie beschlossen, etwas von der Welt zu sehen und landete in Vaihingen bei der Pfarrersfamilie Hornickel als Wirtschafterin. Karl-Heinz Fladerer, Jahrgang ’34, hatte schnell ein Auge auf die Emma aus der Nachbarschaft geworfen. Der gelernte Mechaniker schaffte abends und am Wochenende bei seinen Eltern im Hausfrauenladen mit.
Bei einem Firmenausflug in die Wilhelma traf Amors Pfeil den schlaksigen Jüngling dann richtig, und zwar im Löwenkäfig. „Es war vor dem Löwenkäfig“, korrigiert Emma Fladerer ihren Gatten – und lacht. Zum Tanzen in der Stadthalle habe er sie danach ausgeführt, die Gruppen Erber aus Mühlacker und Swing Stars aus Bietigheim spielten auf.
Karl-Heinz Fladerer hatte sich verliebt. Doch nur wenig später wurde Emma sehr krank, musste Vaihingen verlassen und nahm eine Anstellung in Tuttlingen an. Die Wege der beiden kreuzten und trennten sich also im Jahr 1954. Bis zur Hochzeit im Jahr 1960 gab es nicht allzu viel Kontakt. Einige Briefe und ein gemeinsamer Urlaub – Emma Fladerer: „Jeder im eigenen Zimmer“ – das war’s gewesen. So emotionsgeladen verliebt seien sie nicht gewesen, aber „wir haben uns gemocht“. Emma Fladerer: „Dann habe ich beschlossen, dass wir heiraten.“
Heimlich wurden in der Stadthalle Verlobungsringe angesteckt. „Bei mir war danach die Hölle los“, erinnert sich Karl-Heinz Fladerer. Am Neujahrsmorgen 1960 ist er von zu Hause abgehauen zu seiner Emma, die inzwischen wieder in Bärenthal lebte. Der Kommentar ihrer Mutter beim Anblick des zarten Jünglings: „Was hasch denn do für a windigs Bürschle?“ Die Wogen im Hause Fladerer glätteten sich, die Eltern baten den Sohn, wieder in Vaihingen im Laden zu helfen und die Hochzeit feierten beide Familien gemeinsam im Heimatort der Braut. Noch in der Hochzeitsnacht zogen die beiden Frischvermählten in die Jauernigerstraße nach Vaihingen. Beide arbeiteten im Hausfrauenladen mit.
1962 wurde Sohn Thomas geboren, die Familie zog in die Heilbronner Straße zum Geschäft, das inzwischen Feinkost Fladerer hieß. Zwei Jahre später erblickte Tochter Anne das Licht der Welt.
1962 hatte Firmengründer Erwin Fladerer den Laden umgebaut, zehn Jahre später übernahmen die Junioren den Betrieb und vergrößerten den Laden. „Der kleine Böhm aus Vaihingen“ wurde Feinkost Fladerer gerne genannt.
Frei Haus wurde bei den Fladerers geliefert, kalte Platten zusammengestellt, Geschenkkörbe bestückt. Doch mit Einzug der großen Discounter auf der grünen Wiese ging der Stern des kleinen Böhm unter. 1999 ging Karl-Heinz Fladerer in Rente und die Türen von Feinkost Fladerer schlossen sich. Momentan betreibt Ina Dieterle einen Kiosk im ehemaligen Laden.
Am Marktstand auf dem Vaihinger Marktplatz pflegen die Senioren nach wie vor zweimal pro Woche den Kundenkontakt. Dreimal pro Woche fahren sie den Großmarkt in Stuttgart-Wangen an.
Was ist der Tipp der Fladerers für eine gute Ehe? „Nicht beleidigt sein“, sagen beide. Achtung, Liebe und Ehrlichkeit seien die Grundpfeiler der Partnerschaft.
Gemeinsame Hobbys sind es nach schwerer Krankheit des Jubilars vor drei Jahren eher nicht.
Emma Fladerer zählt ihre Favoriten wie aus der Pistole geschossen auf: „Oper, Ballett, Konzerte!“ Karl-Heinz Fladerer hat auch eine Antwort: „Schlafen, das ist ein super Hobby.“
(sr/Juni2010)


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