Freitag, 25. Mai 2012

Dr. Manfred Scheck wird 70


Dr. Manfred Scheck.
Dr. Manfred Scheck. Foto: Arning

Er sitzt völlig entspannt in seinem Büro und strotzt vor Energie. Er hat ja noch so viel vor. „Nur mit Arbeit macht das Leben Spaß“, sagt Dr. Manfred Scheck, der am 23. September seinen 70. Geburtstag feiert. Wer ihm gratulieren will, hat Pech. Der Jubilar hat mit seiner Frau Heidemarie mal wieder eine Städtereise gebucht. Manfred Scheck gilt als Geschichtsbuch der Stadt Vaihingen – vor allem für das 19. und 20. Jahrhundert. Manche bezeichnen ihn auch spitz als „Doktor-i-weiß-alles“. „Durch Forschungen und Veröffentlichungen hat er Außergewöhnliches für den lokalen Bereich und darüber hinaus geleistet“, rühmen ihn führende Köpfe der Stadt. Der Jubilar ist in mehrfacher Hinsicht kein „einfacher“ Mensch, obwohl er aus bescheidenen Verhältnissen stammt. Den Eltern fehlte einst das Schulgeld, um ihr einziges Kind auf die Oberschule schicken zu können. Doch Manfred Scheck ist seinen Weg mit viel Selbstbewusstsein gegangen. Aus dem Schriftsetzer beim Verlag des „Enz-Boten“ wurde ein Dr. phil. und Oberstudienrat, ein hoch angesehener Historiker. Die handwerklichen Lehrjahre in der Setzerei des „Enz-Boten“ (1955 bis 1958), die haben schon ihre Spuren hinterlassen. Hier hat er gelernt, dass es klare Regeln gibt. Da gab es kein Schummeln wie heute an den PCs. Die Bleibuchstaben waren feste Größen. Davon profitiert er heute noch, wenn er sich mit seinem Verleger an den Umbruch seiner Werke macht. Doch ein ganzes Leben Schriftsetzer sein, das ist dann doch nichts für Scheck. Er besucht neben seiner Gesellenzeit in Stuttgart das Abendgymnasium. Nach dem Abitur (1964) studiert er in Frankfurt, Tübingen und Konstanz (Deutsch, Geschichte, Musikwissenschaft). Stuttgart, Ludwigsburg und Markgröningen sind die Stationen seines Lehrerlebens, er unterrichtet Deutsch, Geschichte und auch Ethik. Besonders die Zeit im Hans-Grüninger-Gymnasium von Markgröningen (ab 1979) bezeichnet er als eine Zeit, die ihn sehr befriedigt hat: „Ich hatte tolle Chefs.“ In Markgröningen leitet er unter anderem ein Schul-Bläserensemble. Mit einem Herz für die Vaihinger Innenstadt In Vaihingen kennt man Scheck, der Geige und Trompete gespielt hat, als Mitglied im Bläserkreis (1977 bis 1987 als Leiter), als Stadtrat für die Sozialdemokraten (1980 bis 1984 und 1987 bis 2004) sowie als Mitglied des Stadtteilausschusses. Klar, dass es die SPD sein musste, für die sich Scheck engagierte: „Etwas anders stand von meiner Herkunft her nie zur Diskussion.“ Da fühlte sich Scheck seinem Opa verpflichtet: „Der war durch und durch Gewerkschafter.“ Und in Vaihingen haben ihn vor allem Stadträte wie Artur Mayer und Rudolf Morgenthaler überzeugt. Wen wundert es da, dass sich Scheck berufen fühlte, die Geschichte der SPD in seiner Heimatstadt zu erforschen. An seine Zeit im Gemeinderat erinnert sich der Jubilar mit einer gewissen Befriedigung. Eine Gemeinschaft vernünftiger Menschen sei das gewesen; über alle Fraktionen hinweg sei zusammengearbeitet worden: „Das ist längst nicht überall der Normalfall.“ Ihm lag damals vor allem die Innenstadt sehr am Herzen. Die Aufwertung der Marktgasse hätte er sich noch gerne gewünscht. Apropos Innenstadt: In sie hat es das kinderlose Ehepaar, das zusammen auch eine Stiftung ins Leben gerufen hat, um ein Zeichen gegen den Egoismus zu setzen, vor zweieinhalb Jahren gezogen. Die beiden Ex-Lehrer haben sich im ehemaligen Armenspital eine Wohnung gekauft („Das Haus in der Zeppelinstraße war einfach zu groß“) und fühlen sich als Pensionäre im Zentrum der Stadt pudelwohl. Wie kam Scheck zur Heimatforschung? Ihn hat vor allem ein Mann infiziert: Der Leiter des Progymnasiums Vaihingen, Dr. Richard Heer („Ein begnadeter Pädagoge“). Wie sich Heer mit der Stadt und ihrer Geschichte identifiziert habe, sei vorbildlich gewesen. Seit der siebten Ausgabe der Vaihinger Schriftenreihe ist Manfred Scheck nun der Mitherausgeber, hat Beiträge über Vaihingens Anschluss an den Weltverkehr geschrieben (ein Muss für den begeisterten Zugfahrer), hat die Geschichte Vaihingens im Dritten Reich beleuchtet, sich intensiv mit Musik und Musikern in Vaihingen auseinandergesetzt und acht Beihefte verfasst. Die Artikel für den 13. Band sind fertig; es geht um das Vaihinger Totenbuch und das Schicksal von Widerstandskämpfer Wilhelm Eichel, dem in Vaihingen ein Stolperstein gewidmet ist. Bis Ende November soll das Werk vorliegen. „Nebenbei“ steht er verschiedenen Vereinen bei ihren Jubiläumsbüchern zur Seite (zuletzt dem TV Vaihingen). „Die sozialgeschichtliche Funktion der Vereine ist enorm wichtig.“ Auch im Festbuch von Riet wird er vertreten sein. Scheck kann sich inzwischen kaum noch vorstellen, wie das alles in seiner Zeit als Lehrer gelaufen ist. Die Freiheit, die er im Ruhestand hat, genießt er in vollen Zügen, steckt voller Ideen. Hat es Anfeindungen gegeben, wenn Fakten klar angesprochen wurden? Scheck muss kurz nachdenken. „Eigentlich nicht“, meint er dann, „sieht man mal von Schmierereien an der Garage ab.“ Was hat die meiste Energie gekostet? „Die Dissertation parallel zur Schule.“ Und dann gibt es auch noch den Verein KZ-Gedenkstätte, deren Sprecher Manfred Scheck von 1990 bis 2007 war. Die Forschungsarbeit rund um das Vaihinger Konzentrationslager ist ein Dauerthema für den Oberstudienrat i. R., für den der Ruhestand, den er auf dem Papier seit sieben Jahren genießt, ein Fremdwort ist. „Zwangsarbeit und Massensterben“ ist der Arbeitstitel für die nächste Veröffentlichung. Nach dem Marktbesuch geht’s zum Stammtisch Wer meint, Manfred Scheck versinkt ganz und gar in der Geschichte und in den Archiven, der irrt sich gewaltig. Der Mann, der so unverkennbar lachen kann (was er oft tut), ist ein begeisterter Schwimmer (zweimal die Woche geht’s ins Hallenbad), er fährt gerne Rad, verreist mit seiner Frau (zuletzt wurde auf der Wolga geschippert) und pflegt das samstägliche Einkaufsritual in der Innenstadt. Kurz vor zwölf kann man ihn mit dem Weidenkorb auf dem Wochenmarkt treffen. Garantiert mit Schiebermütze. Und hinterher geht’s zum Stammtisch, bei dem über alles geredet werden darf – nur nicht über Stuttgart 21. „Da würden wir uns in die Haare kommen“, sagt der Mann, der normalerweise keinem Streitgespräch aus dem Wege geht. Albert Arning


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