Donnerstag, 09. Februar 2012

Die Fotos von Rudi Thalhäuser


Impressionen der Heimat Gündelbach. Fotos: Thalhäuser (das mit dem Fotografen drauf von Rücker)
Impressionen der Heimat Gündelbach. Fotos: Thalhäuser (das mit dem Fotografen drauf von Rücker)

Gündelbach/August 2010 (sr). Gute Fotografien haben Kraft. Sie wecken Gefühle. Von Sommerhitze, Stille, Kälte, Freude, Ruhe. Rudi Thalhäuser macht solche Fotos – nebenbei. Denn an erster Stelle steht für den Gündelbacher die Bewegung.
 35 Jahre Hohenasperg. So lange verbrachte Rudi Thalhäuser „eingesperrt“ im Großraumbüro, mit Blick auf die Festung. Vor fünf Jahren dann die „Entlassung in die Freiheit“, wie er den Schritt in den Ruhestand schelmisch nennt. Ruhestand. „Ab da konnte ich ganz andere Sachen machen“, sagt Thalhäuser. Die Technik, die im Job immer wichtig war, konnte aus dem Leben weichen und Platz für Neues lassen.
Radfahren, Natur erleben, und „ganz wichtig: Welche Kamera kauf’ ich“, das sollten die neuen Herausforderungen sein. Mittlerweile hat Thalhäuser auf seinen Touren durch den Stromberg unzählige Fotos gemacht. Viele davon zum Weinen schön. Und das mit minimaler Ausrüstung und ohne jemals einen Kurs zur Fotografie belegt zu haben.
Auf der Flucht der Mutter aus Ostpreußen wird Rudi Thalhäuser im September 1944 geboren. Seine Jugend verbringt er in Stuttgart-Zuffenhausen, lernt Kraftfahrzeugmechaniker und arbeitet schließlich im Vertriebszentrum der Firma Hahn als Disponent. In Ludwigsburg-Nord mit Blick auf die Festung. „Ich habe gerne gearbeitet“, sagt der 65-Jährige. Und trotzdem fühlt er sich eben „in die Freiheit entlassen“, als der Ruhestand über ihn kommt.
Auf dem Sofa liegen und nichts tun kommt für Thalhäuser nicht infrage. Er lässt die Leidenschaften der Jugend wieder aufleben. Durch die Natur ziehen und fotografieren füllen, wenn das Wetter mitspielt, seine Tage aus. An erster Stelle steht für ihn die Bewegung. Stundenlanges Ausharren im Tarnzelt, um den Schnappschuss vom Fischadler oder Eisvogel zu bekommen, ist seine Sache nicht. Auch die Ausrüstung muss sich dem Drang nach sportlicher Betätigung unterwerfen. Der Fotoapparat, eine Canon G 11, passt genau in die kleine Packtasche am Fahrrad. „Und dann geht die Post ab“, schwärmt Thalhäuser. Seit 33 Jahren lebt er in Gündelbach und wird nicht müde, die Heimat zu erkunden. Schmetterlinge, Bäume, Wolken und Landschaften zu fotografieren. Morgen- oder Abendsonne, ein anderer Winkel und schon hat er wieder eine einzigartige Atmosphäre eingefangen. Zufällig liest Thalhäuser vor wenigen Jahren etwas über das Fotoportal des Verbands deutscher Naturparke. Er fängt „halt mal so an“ und stellt seine Bilder vom Naturpark Stromberg in das Portal. Dann beginnt für den Gündelbacher das Lernen. Denn an den Bildern wird von anderen Fotografen in Kommentaren Kritik geübt. „Da sind Leute, die Ahnung haben, und richtige Profis dabei“, sagt Thalhäuser. Ehrlich gemeinte Stellungnahmen, die zur Verbesserung der Bilder beitragen, seien in Ordnung. Inzwischen werden die Fotos von Thalhäuser oft sehr gut bewertet. Für ein Bild mit einem Zitronenfalter hat er im Fotoportal 18-mal die Höchstpunktzahl zehn erhalten. „Und dann kommt einer daher und gibt sechs Punkte“, erzählt der Gündelbacher und ärgert sich. Das sei bösartig und vielleicht neidisch. Insgesamt hat sich durch die Naturparkfotos eine neue Welt für den Rentner erschlossen. Seine Bilder von Blumen, Bäumen, Käfern, die ihm unbekannt sind, stellt er in das Portal. „Zehn Minuten später schreibt jemand, um was für ein Tier oder eine Pflanze es sich handelt“, lobt der Gündelbacher. „Da gibt’s immer Spezialisten.“ Viele neue Kontakte seien durch das Portal der über 100 deutschen Naturparke entstanden, manchmal treffe man sich auch persönlich.
Im Fernsehen waren Rudi Thalhäusers Bilder auch schon zu sehen. Hin und wieder schickt er einen Fotobeitrag zum Wetterfoto-Wettbewerb der Landesschau im SWR. Thalhäusers Juli-Bild hat den dritten Platz bei der Monatsabstimmung belegt.
In diesem Jahr hat der umtriebige Rentner außerdem einen Kalender mit Bildern aus Gündelbach gestaltet. Auf dem Märzbild ist der Hamberger See zu sehen. Ein Teil der Wasseroberfläche ist mit Eis bedeckt. Es tobt der Kampf zwischen Frühling und Winter. Den Kalender verkauft Thalhäuser zum Selbstkostenpreis, er will daran nichts verdienen. Schon 50 Exemplare sind weggegangen, nur durch Mund-zu-Mund-Propaganda. Wodurch ganz nebenbei viele Kontakte mit den „Ureinwohnern“ Gündelbachs entstanden sind.
Rudi Thalhäuser sitzt daheim vor seinem Computer. Mit dem Mauszeiger fährt er über den Bildschirm. Massen von Fotos drängen sich in den Speichern des Computers. Er klickt hier- und dorthin. Bilder gehen auf. Eines schöner als das andere. Da bietet es sich doch an, für andere Gemeinden auch Kalender zu erstellen. Wie sieht’s aus, Herr Thalhäuser?
Da zuckt der Fotograf deutlich zusammen. „Ich bin im Ruhestand“, ruft der Gündelbacher nach kurzer Schrecksekunde aus. Schade.
www.naturparkfotos.de


Seitenanfang