Samstag, 04. Februar 2012

"Der Keller wäre der Tod für die Trommeln" - 29. November 2007




Max Hasselgruber an seinem Schlagzeug. Foto: Elsässer
Max Hasselgruber an seinem Schlagzeug. Foto: Elsässer

Wenn der 16-jährige Max Hasselgruber aus Nussdorf Stress in der Schule hat, greift er zuhause zum Kopfhörer, setzt sich an sein Schlagzeug und brettert sich den Frust von der Seele. Am besten gleich zwei Stunden lang, wenn es die Zeit zulässt. „Anschließend geht’s mir dann auch wieder gut“, sagt der Gymnasiast, der als ganz große Schlagzeughoffnung gilt. Kenner prophezeien ihm eine Musikerkarriere, doch er selbst hält den Ball lieber flach: „Ich werde auf jeden Fall das Abitur machen, um eine Basis zu haben.“
Max wohnt mit seiner Mutter im Sonnenberg bei Nussdorf. Abgeschiedener geht es kaum. Wer sich dorthin begibt, hat sich entweder verlaufen oder kennt die Familie. Offenbar ist dies der richtige Ort um Musik zu machen – laute Musik, rhythmisch und schnell. Die einzigen Nachbarn zur linken Seite geben an, von seinen Schlagzeugkünsten nichts zu hören. Bleiben die Bewohner des angrenzenden Waldes, die sich vermutlich weit zurückziehen, wenn Max Hasselgruber loslegt. Denn dann wackelt’s im elterlichen Wohnzimmer.
Doch der Reihe nach: Mit acht Jahren wurde er auf das elektronische Schlagzeug seines damaligen Kumpels aufmerksam. Da hat es ihn derart in den Fingern gejuckt, dass er sich gleich daran versuchen musste. „Das war geil“, erinnert sich Max, der nun auch ein solches Instrument haben wollte. Doch sein Vater, der selbst Klavier spielt, überzeugte ihn davon, dass es solider sei, ein herkömmliches, akustisches Schlagzeug zu spielen. Er meldete seinen Sohn bei der Musikschule Slapstick von Georgie Hocker in Vaihingen an – der Grundstein war gelegt.
Nachdem der 16-Jährige die „Basics“ gelernt hatte, machte er sich daran, die Profis nachzuspielen. Das heißt: CD einwerfen, Kopfhörer auf, Rhythmus und Technik anhören und parallel dazu spielen. „Das war zwar ziemlich schwierig am Anfang, doch es hat großen Spaß gemacht“, erinnert sich Max. Auf diese Weise kam er nach und nach zum Heavy Metal. Zum einen, weil ihm diese Musik gefällt, zum anderen, weil das Niveau der Schlagzeuger bei diesem Musikstil mit am höchsten ist. „Ich mag das Tempo und ich mag es draufzuhauen“, schwärmt er. So hat er sein Schlagzeug – zur Konfirmation hat er sein erstes Grundset bekommen – nach und nach ausgebaut und seinen hohen Erfordernissen angepasst: zwei Bassdrums, drei Hängetoms, drei Standtoms. „Es gibt Schlagzeuger, die auch mit weniger auskommen“, grinst Max Hasselgruber. Zurzeit baut er ein altes Schlagzeug um, das er von seiner Schule (Friedrich-Abel-Gymnasium) bekommen hat. Somit kann er sein bestehendes Set in Nussdorf erweitern.
Im Moment sind es die Bands Slipknot, Shadows Fall, Slayer und Arch Enemy, die der Schüler nachspielt. Doch er ist vielseitig genug, um neben diesen modernen Stilen auch die traditionellen zu beherrschen. Die erste Gruppe, die er imitiert hat, war Lincoln Park. „Doch das spiele ich nicht mehr, weil es keinen Anspruch mehr bietet.“ Diesen liefern ihm dagegen seine großen Vorbilder Joey Jordison (Slipknot), Jason Bittner (Shadows Fall) sowie der Independent-Drummer Tony Royster Jr.
Und wie oft übt Max täglich, um sein Niveau zu erhalten und noch weiter zu steigern? „Im schlimmsten Fall nur eine Stunde“, sagt er. Doch durchschnittlich kommen am Tag zwei bis zweieinhalb Stunden zusammen. Dann werden die verschiedensten Techniken geübt. Unterstützung bekommt er immer wieder vom Drummer Jens Krieg, der bei Cherry Red die Sticks schwingt und zu den besten Drummern im Großraum Stuttgart zählt.
Seit genau einem Jahr spielt Max in einer Band, die im Moment aus drei Mitgliedern besteht und um zwei Gitarristen erweitert werden soll (siehe Kasten). Neben dem Drummer gibt es eine Keyboarderin und einen Bassisten. Die Musikrichtung: radiotaugliche Rockmusik. Das erste Ziel: eine CD. Der Traum: eventueller Wechsel ins Profilager. Der Macher: Wolfgang Marquardt (Mäexx), Musikkaufmann und Kenner der Szene. Zitat Mäexx: „Der Max kann ein ganz Großer werden. So einen wie den habe ich noch nicht erlebt.“
Bleibt noch zu klären, wie es um die Toleranzgrenze der Mutter bestellt ist. Die lässt ihn im per Schiebetür trennbaren Wohnzimmer üben und akzeptiert nahezu alles. Lediglich wenn Max abends schlafen gehen will und sich – sozusagen als Betthupferl – noch eine Minute spielen gönnt, kann es zum mütterlichen Veto kommen. Da das Haus abgelegen genug steht und die Nachbarn offenbar nichts mitbekommen, kommt es durchaus vor, dass der 16-Jährige sich auch schon mal um Mitternacht ans Schlagzeug setzt. Und tagsüber, wenn Max in aller Regel übt? Dann weicht die Mutter in den Keller zum Arbeiten aus. Und warum spielt er selbst nicht unten im Keller? Max Hasselgrubers Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: „Der Keller ist feucht. Das wäre der Tod für meine Trommeln.“               Frank Elsässer


Seitenanfang