So wurde das Vaihinger Wasser getestet
12/06 2008
So wurde das Vaihinger Wasser getestet
Vaihingen/Ludwigsburg – Jeder Mensch verbraucht pro Tag im Schnitt etwa 126 Liter Wasser. Deshalb ist es besonders wichtig, dass das Leitungswasser sauber und frei von gefährlichen Keimen ist. Die VKZ hat bei dem Ludwigsburger Institut hinter die Kulissen geschaut, das die angeblich belasteten Wasserproben aus Vaihingen untersuchte und erklärt, wie die Mikrobiologen dort arbeiten.
„Ich trinke ständig Leitungswassser, weil es das am besten untersuchte Lebensmittel ist, das es bei uns gibt“, sagt die Mikrobiologin und Chemikerin Etelka Krimke vom Ludwigsburger Institut Dr. Lörcher. Wie oft die Wasserwerke die Wasserqualität in ihrem Leitungssystem feststellen müssen, regelt die Trinkwasserverordnung. Je mehr Flüssigkeit der Wasserversorger täglich an seine Kunden liefert, desto öfter müssen Proben genommen werden.
Diese Tests beschränken sich auf die mikrobiologischen Inhaltsstoffe des Trinkwassers, die chemischen Inhalte müssen weniger oft überprüft werden. Die Anlage vier zur Trinkwasserverordnung regelt, dass es bei Routineuntersuchungen unter anderem auf die Ammoniumkonzentration, die elektrische Leitfähigkeit, die Färbung, den Geruch, den Geschmack und das Vorhandensein von coliformen Keimen (Bakterien) und dem Bakterium Escherichia coli (E. coli) ankommt. Ist das Wasser mit Keimen belastet, muss gehandelt werden.
„In Vaihingen werden mehr Proben genommen als vorgeschrieben“, erläutert Vaihingens Wassermeister Erich Reimche. Und dennoch konnten Keime ins Leitungssystem gelangen. „Das passiert immer wieder und ist kein Grund zur Panik“, weiß Etelka Krimke, die bei dem Ludwigsburger Institut unter anderem auch die Wasserproben aus Vaihingen untersucht hat. Bei einer Überprüfung hatte das Kreisgesundheitsamt Proben genommen und an ein Labor des Landes Baden-Württemberg zur Untersuchung geschickt. Das erschreckende Ergebnis, das in Vaihingen zu einer Abkochverordnung durch die Stadtverwaltung führte: In dem Wasser, dass am Stromberg-Gymnasium entnommen wurde, waren Keime.
Wassermeister Reimche reagierte sofort. Das Vaihinger Leitungsnetz wurde gespült, das Wasser gechlort, die Keime abgetötet. Um ganz sicher zu gehen, dass die Maßnahmen greifen, wurden immer wieder Proben genommen und zur Untersuchung nach Ludwigsburg gebracht. Am Montag kam dann die erlösende Mitteilung: Das Wasser muss nicht mehr abgekocht werden, hat eine sehr gute Qualität. Jetzt steht nur noch eine Probe aus. Das Ergebnis wird am Wochenende erwartet.
Doch wie haben die Mikrobiologen und Chemiker von Dr. Klaus-Peter Lörcher das Vaihinger Wasser untersucht? Und wie kann man Keime in der Flüssigkeit nachweisen? Etelka Krimke liefert die Antworten. „Das ist ein komplizierter und zeitaufwendiger Vorgang“, sagt die Frau, die ihren Arbeitstag in einem sterilen Raum verbringt und einen weißen Laborkittel trägt. Sie hält eine kleine Flasche in der Hand. Die Skala auf dem Gefäß reicht bis 250 Milliliter. „In diese Flaschen müssen die Proben gefüllt werden.“ Dabei sei es wichtig, dass keine fremden Keime ins Innere gelangen, denn die würden das Ergebnis verfälschen. Deshalb muss vor der Entnahme das Perlator-Sieb des Wasserhahns entfernt werden – dort lagert sich nicht nur Kalk, sondern auch der ein oder andere Keim ab.
Ein kleiner Teil der Probe wird mit einer Pipette auf einen Nährboden (Agar) gegeben. Die Petrischale, die als Träger dient, wandert in einen Brutschrank. „Bei 20 Grad wird der Agar jetzt bebrütet“, erläutert Krimke. Die Keime vermehren sich. Es bilden sich Bakterienkolonien. Nach einer gewissen Zeit sind diese so groß, dass sie mit dem bloßen Auge zu erkennen sind und gezählt werden können. „Pro Milliliter Trinkwasser dürfen höchstens 100 Keime vorkommen“, weiß sie. Doch das komme so gut wie nie vor – 30 Keime seien schon sehr viel.
Gleichzeitig werden 100 Milliliter des Wassers durch eine spezielle Apparatur geschleust. In ihr befindet sich ein Sieb mit Löchern, die einen Durchmesser von nur wenigen Mikrometern haben. Alle Keime sollen darin hängen bleiben. „Jetzt kommt wieder ein Nährboden zum Einsatz“, sagt die Mikrobiologin.
Das Sieb wird auf einen Agar in einer Petrischale gelegt und kommt in einen weiteren Brutschrank. Nach etwa 24 Stunden bei 36 Grad werden Flecken in verschiedenen Farben sichtbar. Gelbe Markierungen könnten coliforme Keime sein. „Das müssen wir dann genau überprüfen“, erläutert sie.
Die verdächtigen Punkte werden abgetragen und auf zwei weitere Nährböden zur Bebrütung gegeben. Laut Trinkwasserverordnung würde einer reichen. „Wir wollen aber ganz sicher sein.“ Mit dem Mc-Conkey-Agar lassen sich coliforme Keime allgemein nachweisen, der Chromo-Cult-Agar hingegen färbt die gefährlichen E.coli-Keime anders ein, falls sie vorhanden sind. „So können wir sofort erkennen, ob Handlungsbedarf besteht oder nicht.“
Coliforme Keime und E.coli dürfen in 100 Milliliter Trinkwasser nicht nachweisbar sein. In den Proben, die das Institut bis zum Wochenende überprüft hat, war das der Fall. Doch es kommt noch besser: Einige Proben enthielten fast gar keine Keime und waren damit von bester Trinkwasserqualität.
Philipp-Marc Schmid
