Nervenkitzel vor der Premiere im Open-Air-Kino
Vaihingen (rkü). 525 Stühle stehen bereit, der Platz ist gefegt und die Kameraeinstellungen werden getestet. Beste Voraussetzungen für das Vaihinger Open-Air-Kino. Da kommt die Nachricht, dass der Wetterdienst eine Unwetterwarnung für Vaihingen herausgegeben hat. Noch ist die Leinwand verpackt – soll sie überhaupt aufgebaut werden?
Michael Eisinger, der als Veranstalter des Open-Air-Kinos auftritt, zögert nicht lange. Wettervorhersage hin oder her – ohne Mut zum Risiko bräuchte er erst gar nicht zum Open-Air-Kino einzuladen. Kräftige Helfer sind nötig, um die 350 Kilogramm schwere mobile Leinwand in Position zu rücken und anschließend mit Druckluft aufzurichten. Das Monstrum ist, wenn es sich erst einmal entfaltet hat, zehn Meter breit und sieben Meter hoch. Die Leinwand selbst misst etwa fünf auf acht Meter. Ein kleines Loch an der Basis des riesigen Hohlkörpers wird noch schnell mit Klebeband geflickt. Klebeband verwenden die Helfer auch, um die exakte Position der Leinwand am Boden zu markieren. Dann geht das Aufstellen jeweils kurz vor Beginn der folgenden Vorstellungen deutlich schneller.
„Mehrere hundert Stunden Vorbereitungszeit sind nötig, bevor wir heute hier stehen“, sagt Michael Eisinger. Es ist der erste Abend des Vaihinger Open-Air-Kinos, gleich beginnt die Vorab-Vorstellung für die VKZ-Leser. Eisinger steht der Schweiß im Gesicht. Egal wie viel Mühe er in die Vorbereitung gesteckt hat, im letzten Moment muss improvisiert werden. „Heute Mittag ist die Sicherung vom Kühlwagen rausgesprungen. Drei Stunden bei fast 40 Grad – die Getränke sind jetzt nicht gekühlt.“ Wohl dem, der sein Getränk aus einem der vier Zapfhahnen bekommt, die mit einer eigenen Kühlanlage ausgestattet sind.
Derweil kümmern sich Martin Krutzke und Holger Raukamp vom Olympia Kino Bietigheim um die Filmtechnik. „Den Wagen mit dem Projektor haben wir wieder dorthin gestellt, wo er die letzten zwei Jahre schon stand“, erklären sie. Der Abstand zur Leinwand muss genau ausgetüftelt sein. Ein passendes Objektiv an dem Apparat sorgt dafür, dass die Bildfläche optimal ausgenutzt wird. „Der Projektor ist jetzt ungefähr 35 Jahre alt, aber die Bildtechnik hat sich sowieso seit 50 Jahren nicht geändert“, plaudern die Experten aus dem Nähkästchen. Lediglich beim Ton gäbe es modernere technische Lösungen. Immerhin: Dolby Surround-Effekte sind möglich. Allerdings kommen sie bei Freiluftveranstaltungen sowieso nicht so eindrucksvoll bei den Zuhörern an wie im geschlossenen Kinosaal.
Am Getränkeausschank lässt sich Michael Eisinger von einem Helfer ablösen. Jetzt hat er kurz Zeit, etwas über die Filmauswahl zu sagen. Und sich über eine kurze, heftige und mit dicken Regentropfen durchsetzte Windbö zu ärgern. „Warum putzen wir hier den halben Tag? Vorhin war kein Blatt mehr auf dem Platz und jetzt liegen überall welche!“ Doch dann erzählt er von den Geschäftsmethoden der Filmverleiher. Manche hätten kein Ohr für die besonderen Belange von Open-Air-Kinos, sagt Eisinger. Neben der üblichen Umsatzbeteiligung, die direkt an die Besucherzahl gekoppelt ist, wird oft eine Pauschale verlangt, die auf jeden Fall in Rechnung gestellt wird – auch wenn die Vorstellung wegen besonders schlechten Wetters ausfallen musste. „Ich versuche, so viel wie möglich mit Verleihern zusammenzuarbeiten, die in so einem Fall nicht so stur sind“, sagt Eisinger. „Aber auch dieses Jahr gibt es mehrere Filme, die nicht floppen dürfen, weil sonst einige hundert Euro für nichts fällig würden.“
Als einen Höhepunkt im Programm bezeichnet er „Harry Potter 6“. Der Streifen läuft heute Abend. „Es ist völlig unüblich, dass ein Open-Air-Kino einen aktuellen Film schon so früh zeigen darf“, erläutert Eisinger. Denn normalerweise räumen die Verleiher den dauerhaft betriebenen Kinos einige Wochen Vorsprung vor ihrer Konkurrenz unter freiem Himmel ein. „Das heißt, wir sind eines der ersten Open-Air-Kinos, die den Film zeigen.“ Es dürfte also voll werden bei der Samstagabendvorstellung.
Am Donnerstagabend reichen die 525 Sitzplätze locker aus. Etwa die Hälfte davon ist besetzt, als kurz nach 21.30 Uhr die Vorstellung beginnt. Dreimal war der Platz hinter der Vaihinger Stadthalle aber auch schon restlos gefüllt. „Ausverkauft waren wir einmal 2007 und zweimal 2008“, erinnert sich Michael Eisinger. „Aber selbst da hat es Leute gegeben, die nur einen Stuhl haben wollten und sich dann ihren Sitzplatz irgendwo gesucht haben.“
