Ein Besuch in der Mensa des Stromberg-Gymnasiums
Vaihingen (sr) – Die drei Damen von der Mensa haben alle Hände voll zu tun. Gleich wird die hungrige Meute zum Essen fassen antanzen. Vor einem Monat startete die Essensausgabe in der offenen Mensa des Vaihinger Stromberg-Gymnasiums, Grund genug für die VKZ, hinter die Kulissen zu schauen. „Wir sind sehr zufrieden“, sagt Schulleiter Hans-Günter Peisch. Auch von den Schülern wird das Essen gelobt. Nur nach der 6. Schulstunde drohen lange Wartezeiten.
Was essen wir denn heute? Diese Frage steht den Schülern, die sich um die Speisekarte drängeln, ins Gesicht geschrieben. „Würziger Blumenkohlauflauf“, liest Max Lohfink aus der 6c vor und kommentiert: „Mit Sicherheit nicht!“ Sein Magen plädiert auf Seelachsfilet im Backteig.
Seit dem 11. März wird im Stromberg-Gymnasium ein warmes Mittagessen angeboten. Die Schüler haben momentan dienstags und donnerstags die Wahl zwischen zwei Gerichten. Bis zu 200 der 640 Schüler greifen entweder beim vegetarischen Menü oder bei der Fleischversion zu. „Die Mensa wurde mit Fördergeldern aus dem Ganztagsbetrieb gebaut“, erläutert Schulleiter Hans-Günter Peisch. Im Mai 2006 war der Spatenstich des Erweiterungsbaus, in dem nun ein Teil der offenen Mensa liegt. Konzipiert ist die Essensausgabe für 150 Essen pro Schicht, bei zwei Schichten pro Tag. Nach der 5. und der 6. Schulstunde werden die leeren Mägen gefüllt. Peisch: „Das Essen wird gut angenommen und es schmeckt den Schülern.“ Das Angebot gibt es in diesem Schuljahr an zwei Wochentagen, da dann schwerpunktmäßig Nachmittagsunterricht stattfindet. Im nächsten Schuljahr wird an drei Mittagen die Ausgabetheke geöffnet werden. Die Schüler brauchen sich nicht vor dem Essen anmelden, obwohl das ursprünglich angedacht war. „Das funktioniert in der Schule nicht, beispielsweise falls jemand krank wird“, sagt Peisch.
Die Familien-Bildung in Vaihingen habe die Organisation der Schulspeisung inne gehabt. Die Eltern hatten sich im Vorfeld bei der Familien-Bildung gemeldet und ihr Kind als Essenskandidaten angekündigt. Mit der Firma Sander Catering aus Wiebelsheim, Rheinland-Pfalz, die bereits eine Schule in Mühlacker mit Essen versorgt, war der Lieferant gefunden. Peisch: „Wir haben mit Eltern und Schülern in Mühlacker ein Probeessen veranstaltet und waren zufrieden.“ Die Wiebelsheimer Caterer statten die Schüler, die am Mittagstisch teilnehmen, nicht mit Kartoffelchips, sondern mit elektronisch lesbaren Chips aus. Diese sind in einer Art Schlüsselanhänger verpackt. „Auf den Chips“, so der Schulleiter, „ist ein Guthaben gespeichert, welches die Eltern überwiesen haben.“ Die Eltern wiederum können via Internet mit ihrem Passwort den Kontostand des Chips abrufen und einsehen, wann ihr Kind gegessen hat.
Zum Einheitspreis von je 3,50 Euro wandern die Hauptgerichte inklusive wahlweise Salat oder Nachtisch über die Theke. „Die Pizza-Zeit ist vorbei“, erklärt Peisch inbrünstig – zumindest an den beiden Mensa-Tagen. Üblicherweise lassen sich die Schüler über Mittag schon mal Pizza liefern. Der Schulleiter: „Wir haben gesagt: An diesen Tagen keine Pizza.“ Das klappe gut, die Kinder seien froh über das neue Angebot der offenen Mensa im Atrium des Gebäudes. Die Befürchtungen, dass es zu laut werde, dass das Klappern von Geschirr störe oder es zu einer Geruchsbelästigung komme, hätten sich nicht bestätigt. Mittlerweile klappe auch das Anstellen gut, „die Schüler sind sehr diszipliniert“. Zu den Anfangsschwierigkeiten zählt Peisch die „etwas längeren Wartezeiten“. Demnächst wird auch der Schulchef in der Schlange stehen, denn sein Chip ist schon bestellt. Und da können nach der 6. Stunde schon mal 45 Minuten ins Land gehen, bis der Hungrige mit dem gefüllten Teller belohnt wird.
Doch bei der ersten Donnerstagsschicht bleibt alles im Rahmen. Die drei Damen der Firma Sander kommen trotzdem in Wallung. Petra Greschner, Hauswirtschaftsmeisterin und Hygienefachfrau aus Gündelbach, wirbelt zwischen Kombidämpfer, Kühlschrank und Wärmebad herum. Auch die Kolleginnen Halina Schulz aus Hochdorf und Inge Kopriva aus Illingen leiden nicht unter Langeweile. Die aus Wiebelsheim gelieferten Lebensmittel müssen noch fertig zubereitet werden. Da dampfen Kartoffeln im Kombidämpfer, nebenan schmilzt der Käse auf dem Blumenkohlauflauf. Eine der Damen füllt die Dessertschüsseln mit Fruchtjoghurt, während die andere den gefrorenen Fisch fürs Aufbacken auf einem Blech ausbreitet. Ganz wichtig, sagt Petra Greschner, sei der Test mit dem Kerntemperaturfühler. Ob im Kombidämpfer oder später im Warmhaltebecken: Keine Speise entgeht dem Piks, der die Temperatur im Innern misst. In den Baine-Marie genannten Wasserbecken wird auch während der Essensausgabe getestet: „Ich geh’ mit 70 Grad Celsius immer auf Nummer sicher, damit auch alle Mikroorganismen abgetötet sind“, betont Greschner. Auch auf eine durchgehende Kühlkette von der Anlieferung bis zur Zubereitung wird geachtet.
Am Donnerstag liegen 50 Portionen Blumenkohl und 100 Portionen Fisch bereit – wobei der Fisch in der Beliebtheitsskala die Nase vorne hat. Doch das täuscht: Vegetarisch laufe gut, bestätigen die Küchenfeen. Manchmal so gut, dass die Fleischlos-Version frühzeitig vergriffen ist. Um 12 Uhr wird die Ausgabetheke geöffnet, das Essen wird auf die gewärmten Teller geschöpft. Die Kunden lassen den Chip ablesen, nehmen ihr Essen in Empfang, setzen sich und kauen zufrieden. Beate Hölzl, Lehrerin: „Sehr lecker. Bloß nach der 6. Stunde muss man manchmal eine Dreiviertelstunde warten.“ Julian Erhard aus der 6c urteilt in schwäbischer Manier: „Net schlecht!“ Doch auch er und seine Klassenkameraden mokieren zeitweise lange Wartezeiten bei der zweiten Schicht. Die Damen hierzu: „Am Ablauf können wir fast nichts mehr ändern.“ Unabhängig davon würden Greschner und ihre Kolleginnen für die bessere Planung eine Vorbestellung wünschen. Reste müssen laut Vorschrift im Müll entsorgt werden.
Nach dem Essen ist für die drei Frauen noch lange nicht Schluss. „Picobello“ müssen Küche und Mensa gereinigt werden. Und das kann bis 17.30 Uhr dauern.
