Ein Besuch bei den Höfen Linckh und Zaiser in Pulverdingen
Pulverdingen (sr). Ohne ein fantasievolles Zubrot kann kaum ein Landwirt mehr leben, stellt Marie-Luise Linckh aus Pulverdingen fest. Schweinemast ist auf ihrem Hof der Schwerpunkt. Bei Zaisers nebenan stehen Pferde in Pension. Am Sonntag sind die Höfe im Rahmen der gläsernen Produktion geöffnet.
Bei Marie-Luise und Manfred Linckh futtern sich rund 750 Schweine dem Schlachthof entgegen. Mit Sonderkleidung ausstaffierte Besucher werden mit Grunzen und neugierigen Blicken begrüßt. „Die sind am Freitag dran“, sagt Landwirt Manfred Linckh in der Kammer mit den „Großen“. Die bringen mit ihren gut neun Lebensmonaten 110 Kilogramm auf die Waage.
Bei der Ankunft in Pulverdingen sind die Schweine mit knapp 30 Kilogramm noch richtige Ferkelchen. Von einem Ferkelerzeuger im Hohenlohischen reisen alle 14 Tage 100 der Jungtiere gen Pulverdingen. Bei den Linckhs werden die Neulinge in vier Gruppen aufgeteilt und in einer der acht Kammern im Schweinestall untergebracht. Männchen und Weibchen werden getrennt, da sich beispielsweise das Fressverhalten unterscheidet. „Die Männchen werden gerne fetter“, sagt Marie-Luise Linckh.
Die nächsten 120 Tage verbringen die baden-württembergischen Hybridschweine im wohltemperierten Stall. Bei 24 beziehungsweise 22 Grad Celsius dürfen die kleinen und die großen Borstentiere „essen, bis sie genug haben“. Bis zu 16-mal pro Tag sorgt eine computergesteuerte Anlage dafür, dass der Trog gefüllt bleibt. Gefüttert wird Getreide vom eigenen Hof.
„Bei uns gibt es keine Arzneimittel“, stellt die 53-jährige Hauswirtschaftsmeisterin Linckh klar. „Bio-Schweine haben wir nicht“, fügt sie hinzu, „aber sie werden schon sehr gut gefüttert und gehalten.“
Familienanschluss genießen die Tiere allerdings nicht, sagt ihr Gatte Manfred. Es sei ja klar, dass die Schweine geschlachtet werden. Der Abschied vom Hof ist für die Schweine der Auftakt für die Reise zum Schlachthof. Teilweise gondeln die Pulverdinger Nutztiere mit dem Händler bis nach Österreich, was auch Marie-Luise Linckh nicht ganz nachvollziehen kann. Doch der Händler hat ihr Vertrauen: „Ich würde sie nicht jedem geben.“
Die Gülle aus der Schweinemast „wird nach Vorschrift auf den eigenen Feldern ausgebracht“. Bei der gläsernen Produktion morgen dürfen aus hygienischen Gründen keine Besucher in den Stall. Doch Marie-Luise Linckh will die Abläufe auf ihrem Hof mit großen Plakaten verdeutlichen.
Bis zum Jahr 1540 lässt sich der Stammbaum der Familie Linckh in Pulverdingen zurückverfolgen. Der Hof Pulverdingen 22 wurde Mitte der 1950er Jahre erbaut. Marie-Luise Linckh stammt aus Kleinglattbach und wollte eigentlich nach dem Abitur Lehrerin werden. Doch aufgrund der Zukunftsplanung mit ihrem Manfred hat sie Hauswirtschaftsmeisterin gelernt und sich unter anderem den Kindern und dem Hof gewidmet. Seit 34 Jahren lebt Linckh nun in Pulverdingen. Die Umstellung zur Schweinemast auf dem Hof fand ungefähr zum gleichen Zeitpunkt statt. Neben dem Getreide für die Tiere baut das Ehepaar außerdem noch Zuckerrüben und Sonderkulturen an. Erdbeeren, Kürbisse und Blumen zum Selberschneiden locken beispielsweise an der B 10.
Linckh, die auch Vorsitzende der Kreislandfrauen Ludwigsburg ist, zur allgemeinen Situation der Landwirte: „Wenn man es krass ausdrücken will, muss jemand, der nur von der Landwirtschaft leben will, schon ziemlich kämpfen.“ Insofern müsse der Bauer von heute flexibel sein und sich mit Besonderheiten durchhangeln. Der eine eröffnet eine Besenwirtschaft, der andere nimmt Feriengäste auf, Marie-Luise Linckh hegt und vermarktet pflanzliche Schönheiten. Mit gerechten Preisen, die Bauern für ihre Produkte erzielen könnten, wäre schon einiges gewonnen.
Familie Zaiser hat auf Pferdepension umgesattelt und es nicht bereut
Wenige Meter vom Linckh-Anwesen entfernt freuen sich beim Pferdehof Zaiser 41 Rösser ihres Lebens. Vor 17 Jahren hatte Daniel Zaiser mit seinem Vater Rudolf den Pferdehof aufgebaut. 38 der Tiere genießen dort gegen Bezahlung die Dienste der Zaisers. Bis zur Vollpension reicht das Angebot, samt misten, füttern. Drei Pferde gehören den Zaiser-Töchtern. Die Chefs schaffen selbst mit der Hand am Arm. „Viel Schubkarren und viele Gabeln voll Pferdemist“, verdeutlicht Daniel Zaiser das Arbeitspensum. Obwohl er den Stundenlohn lieber nicht berechnen mag, sagt Zaiser über seine Pferdepension: „Es war eine gute Entscheidung.“ Der Kontakt zu den Kunden, den sogenannten Einstellern, sei teilweise recht intensiv. Das spielen dann schon mal psychologische Aspekte eine Rolle, verrät Zaiser. Ähnlich wie beim Friseurbesuch.
Im Rahmen der gläsernen Produktion präsentieren sich die beiden Pulverdinger Höfe morgen. Die gläserne Produktion findet seit 1990 einmal jährlich statt. Die Aktivitäten im Rahmen dieser Aktion sollen die Bürger mit den Erzeugungsgrundlagen vertraut machen und das Vertrauen in die heimische Lebensmittelproduktion stärken.
Am 12. September 2010, findet bei Manfred und Marie-Luise Linckh im Rahmen der gläsernen Produktion um 10 Uhr ein Eröffnungsgottesdienst statt. Im Anschluss daran ein Hoffest, ein Bauernmarkt, Maschinen- und Oldtimerausstellung. Informationsstände der Fachbereiche Veterinärangelegenheiten, Verbraucherschutz und Landwirtschaft, eine Strohhüpfburg und ein Kinderprogramm warten auf die Besucher. Beim Pferdehof Zaiser locken ab 11 Uhr Reitvorführungen, Ponyreiten, eine Maschinenausstellung und Aktionen für Kinder. Marktstände und ein Stand des Weinbauvereins Enzweihingen stehen bereit. Für das leibliche Wohl wird auf beiden Höfen gesorgt.



