Donnerstag, 09. Februar 2012

Ein Besuch bei Burger King


Wenn die Brötchen aus dem Riesentoaster purzeln

Die Zeit läuft: Wenn die Bestellung in die Kasse eingegeben wurde, bleiben 2,5 Minuten für die Zubereitung. Foto: Schmid
Im Sommer können die Gäste auch auf der Terrasse ihren Burger essen.

Vaihingen – Zwischen 800 und 1000 Kunden geben jeden Tag aufs Neue in der Vaihinger Burger-King-Filiale ihre Bestellungen auf. Für die Angestellten des Fast-Food-Restaurants bedeutet das Stress pur. Viele verschiedene Burger müssen in Windeseile belegt werden, die Mitarbeiter dürfen die Friteuse dabei nicht aus dem Auge verlieren. Die Vaihinger Kreiszeitung hat beim Fast-Food-König in Vaihingen hinter die Kulissen geschaut.

Wenn in den meisten Vaihinger Betrieben die Mittagspause beginnt, kommen die Mitarbeiter der Vaihinger Burger-King-Filiale erst so richtig ins Schwitzen: „Bei uns ist ab viertel nach Zwölf die Hölle los“, sagt Restaurantleiter Amr Ahmed. Zur Hauptverkaufszeit arbeiten in der Vaihinger Fast-Food-Küche am Vaihinger Eck sieben Personen wie am Fließband, denn was an der Kasse bestellt wird, muss in maximal 2,5 Minuten auf dem Tablett des Bestellers liegen. Damit in der Systemgastronomie alles glatt läuft, sind alle Arbeitsabläufe und Handgriffe genau definiert.

Schon die Order an der Kasse läuft nach bestimmten Regeln ab – „viele Kunden merken das gar nicht, weil sie sich keine Gedanken darüber machen.“ Damit alle Bestellvorgänge gleich ablaufen, sind neben den modernen Touchscreen-Kassen für jeden Kassierer die sieben goldenen Bedienschritte aufgelistet. An erster Stelle steht kurz und knapp: „Lächeln – Begrüßung – Bestellung“. Und wer zum Beispiel einen Whopper bestellt, wird der Frage, ob der Burger „mit Käse oder Bacon“ verfeinert werden soll, nicht entgehen können. „Wir gehen nicht davon aus, dass jeder Kunde jedes Produkt und jede Produktvariante kennt, deshalb fragen unsere Mitarbeiter bei der Bestellung nach“, erklärt Ahmed. Dass die Burger mit jedem Extrawunsch ein bisschen teurer werden, erwähnt er dabei nicht.

Hat der Kunde sich entschieden, wandert seine Bestellung über die Datenautobahn auf einen Bildschirm, der in der Fast-Food-Küche hängt. Jeder der sieben Küchenmitarbeiter behält einen bestimmten Teil des Bildschirms im Auge, denn auch hier läuft alles nach System. Die Bestellungen, die auf dem Schirm erscheinen, werden vom Zuständigen der Reihe nach abgearbeitet. Auf der rechten Seite des Zubereitungstisches werden hauptsächlich die kleinen Burger zubereitet. Links wird hingegen unter anderem das Flaggschiff der Fast-Food-Kette belegt. Der Burger besteht aus einem Burgerbrötchen, einer Scheibe Rinderhack, die etwas mehr als 110 Gramm wiegt, aus Tomaten, Salat, Mayonnaise, Ketchup, sauren Gurken und Zwiebeln. In Deutschland geht der Whopper täglich tausendfach über die Theken von Burger King.

Etwa 30 Sekunden vergehen, nachdem ein Mitarbeiter die zwei Hälften eines Brötchens in eine große Maschine gesteckt hat. Gut gebräunt und aufgewärmt fallen die beiden Scheiben, die später als Fundament und Deckel für einen Whopper dienen, unten wieder aus dem Riesentoaster heraus. Das Fleisch für den Whopper wurde derweil über einer offenen Flamme in einem Gasgrill gegrillt. Von den Rinderhackscheiben – im Fachjargon Pettys genannt – gibt es bei Burger King zwei Größen: eine für die kleinen Burger und eine für die großen.Die restlichen Zutaten, die in exakt abgestimmter Menge später auf dem Burger liegen sollen, stehen in der Mitte des Zubereitungstisches bereit.

Die Frühschicht tritt ihren Dienst bereits drei Stunden vor Restauranteröffnung an, um die Zutaten für die Tagesproduktion vorbereiten zu können. „Zwiebeln und Tomaten werden mit Hilfe von speziellen Geräten geschnitten, damit sie immer gleich dick sind“, erklärt Marc Balluff, der für das Marketing von vier Burger-King-Filialen verantwortlich ist. Die Zutaten werden drei Mal in der Woche frisch angeliefert und in zwei Kühlräumen im Restaurant aufbewahrt.

Mitarbeiter brauchen ein Händchen fürs Gewicht

Wie viel von welcher Zutat auf den Whopper gehört, steht in einer Art Bauanleitung. Erfahrene Mitarbeiter sollten allerdings ohne die Hilfe auskommen: „Man entwickelt mit der Zeit ein Händchen für jede Zutat. Da weiß man dann, wie viel man aus den Töpfchen nehmen muss, ohne nachwiegen zu müssen“, sagt Ahmed. Damit die Mitarbeiter ein Gespür für das Gewicht der Zutaten bekommen, wird hin und wieder geübt. „Wir nehmen zum Beispiel ein paar Zwiebelringe und legen die auf die Waage – so lange, bis das Gewicht stimmt.“

Bei den Soßen, die auf den Burger kommen, ist das etwas einfacher. „Unsere Mitarbeiter bekommen genau gesagt, wie viele Umdrehungen sie mit der jeweiligen Soßenflasche über dem Brötchen machen müssen. So ist garantiert, dass in jeder Filiale jeder Burger identisch schmeckt“, erläutert der Restaurantleiter. Ist der Whopper fertig, wandert er in eine Mikrowelle. „Das hört sich vielleicht komisch an, ist aber so gewollt. Dadurch können wir unsere Produkte genau auf die Temperatur bringen, mit der wir sie verkaufen möchten. Ein Hamburger soll bei der Ausgabe aufs Tablett zum Beispiel 65 Grad warm sein.“

Coca Cola, Fanta, Sprite und die anderen Getränke werden übrigens in jeder Filiale frisch gemixt. „Wir bekommen von den Lieferanten nur Sirup geliefert“, erklärt Marc Balluff. Der Sirup werde im Restaurant mit Wasser und Kohlensäure gemischt. Aus einem Liter Cola-Sirup können so 5,5 Liter des Soft-Drinks hergestellt werden. Als Alternativen werden seit einiger Zeit aber auch Orangensaft und Mineralwasser angeboten.

Die Friteuse dürfen die Küchenarbeiter auch im größten Stress nicht aus den Augen verlieren. Denn wenn Pommes frites, Country Potatoes und Co. zu lange im rund 167 Grad heißen Fett baden, werden sie ungenießbar. „Burger-King-Pommes müssen exakt sieben Minuten lang in der Friteuse bleiben“, weiß Restaurantleiter Amr Ahmed. Früher seien es zehn Minuten gewesen. Warum die Zeit von zehn auf sieben Minuten verkürzt wurde, sei ein Betriebsgeheimnis.

Betriebsgeheimnisse gibt’s beim Fast-Food-Riesen offensichtlich en masse: Während des Rundgangs durch die Vaihinger Fast-Food-Küche musste unsere Kamera leider draußen bleiben.

Philipp-Marc Schmid


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