Freitag, 10. Februar 2012

Blick ins Innere der Wäscherei und Reinigung Hohn


Mitarbeiterinnen an den "kleinen" Waschmaschinen. Foto: Rücker
Mitarbeiterinnen an den "kleinen" Waschmaschinen. Foto: Rücker

Es hat etwas von Zauberei: Der Kunde gibt schmutzige Wäsche ab und erhält saubere Textilien zurück. Was zwischen diesen beiden Zuständen passiert, ließ sich die VKZ bei der Wäscherei und Reinigung Hohn in Oberriexingen zeigen.
 In den Hallen der Wäscherei und Reinigung Hohn in Oberriexingen herrscht emsige Betriebsamkeit. Wäsche baumelt an Kleiderhaken, wandert Förderbänder entlang, wirbelt in Riesenmaschinen. Zwischen Kleidungsstücken, Dampffontänen und Rollcontainern wuseln Mitarbeiter, merzen Falten aus, bestücken Mangelmaschinen und schieben Kleiderständer von hier nach dort. Geschäftsführerin Silke Seitz nimmt behutsam einen Stapel frisch gemangelte Bettwäsche zwischen ihre Hände. „Ich würde nie ungebügelte Bettwäsche benutzen“, sagt sie und legt das Bündel vorsichtig wieder ab.
Textilreinigermeisterin Seitz leitet gemeinsam mit Vater und Firmengründer Willi Hohn den Betrieb. Was an der Enz 1961 als kleine Wäscherei begann, ist inzwischen zu einem Unternehmen mit neun Filialen und dem Hauptsitz in Oberriexingen gewachsen. Rund 80 Mitarbeiter stehen im Dienst der Firma, davon 35 in der kleinsten Stadt im Landkreis Ludwigsburg. Mit den „tollsten Zeitmodellen“ werde vor allem auch Müttern die Berufstätigkeit ermöglicht, sagt Silke Seitz, selbst Mutter des zweieinhalbjährigen Leevi.
Zum Waschhäusle an der Enz Anfang der 60er Jahre gesellte sich bald eine Reinigung hinzu. Seitz beschreibt den grundsätzlichen Unterschied zwischen den beiden Verfahren. Beim Waschen werde mit Wasser gewaschen, beim Reinigen komme in Oberriexingen die chemische Substanz Perchlorethylen, in Kurzform Per genannt, zum Einsatz. Mit Per geht es vor allem fettigem Schmutz an den Kragen. „Beim Reinigen wird die Faser umspült, beim Waschen ausgespült“, ergänzt Willi Hohn. Wer schon mal ein Papiertaschentuch mitgewaschen hat, kennt den Zustand nach der Wäsche. Das Tüchlein ist sozusagen in seine Einzelteile zerlegt. Bei der Reinigung mit dem Lösungsmittel Per „kommt das wie neu raus“, so Silke Seitz.
Bevor die eigentliche Prozedur für Sakko und Hose beginnt, wird in der Hauffstraße in Oberriexingen jedes Kleidungsstück einer Warenschau unterzogen. Hierzu gehört eine Taschenkontrolle, das Anschauen der Pflegekennzeichen und Suchen nach Beschädigungen. Sind Perlen oder Pailletten an dem guten Stück, wird es im Schonverfahren mit einem kürzeren Reinigungsprogramm behandelt.
Die Reinigung erfolgt heutzutage im geschlossenen System
Die Teile, die nicht gewaschen werden dürfen, werden chemisch gereinigt. Hierzu werden sichtbare Flecken, die wasserlöslich sind, vorher behandelt, beispielsweise mit speziellen Fleckentfernern oder Wasserdampf. Eine individuelle Kundennummer macht das Kleidungsstück inzwischen identifizierbar. Anschließend wird sortiert nach hell und dunkel, rot und weiß, dann sind die Teile bereit für die chemische Reinigung. In zwei großen Maschinen ist das fettlösende Per eingeschlossen. Die Wäsche kommt trocken in die Trommel und kommt trocken wieder raus, betont Chefin Seitz. Früher sei die Wäsche nach der Reinigung teilweise noch feucht gewesen und die Abluft beim Trocknen wurde aus der Maschine gepustet. Das wurde verbessert, da zu inniger Kontakt mit Per als gesundheitsschädlich gilt.
Jetzt verbleibt der flüssige Saubermacher im geschlossenen System. Die Ware wird in der Maschine mit der Flüssigkeit gereinigt und in der gleichen Trommel getrocknet, die Abluft wird über Aktivkohle geleitet und von Per befreit. Ein Messcomputer gibt die fertigen Kleidungsstücke erst aus der Maschine frei, wenn der Per-Anteil der Trockenluft in der Trommel auf maximal zwei parts per million, also zwei Teile pro Million, gesunken ist.
Seitz: „Man ist sehr viel zum Waschen übergegangen, vor allem aus Umweltschutzgründen.“ Mittlerweile würden bei Hohn auch Brautkleider, Federbetten und teilweise auch Motorradkleidung mit Wasser gewaschen. „Das hätte man sich früher nicht getraut“, so Seitz. Für die Faser sei zwar die Reinigung schonender, „aber beim Waschen ist das Ergebnis oftmals besser“. Aber es könne einfach nicht alles gewaschen werden.
Bei Hohn wird das Waschwasser in einer Drei-Kammer-Kläranlage mit Rückgewinnung aufbereitet. Eine eigene Enthärtungsanlage liefert weiches Wasser. Immerhin laufen rund 1,5 Tonnen Wäsche pro Tag allein durch die große Waschstraße, die fünf „kleinen“ Waschmaschinen mit einem Fassungsvermögen von bis zu 22 Kilogramm nicht mitgerechnet. Hotelwäsche, Privatkleidung, Industriewäsche und Textilien aus dem Altenheim wird durch die Waschstraße geschleust. Für die Zusammenarbeit mit dem Altenheim ist eine jährliche Kontrolle eines Hygienebeauftragten nötig, außerdem erhält Hohn nach regelmäßiger Prüfung durch das Textilforschungszentrum Hohensteiner Institute ein Gütezeichen. „Und der Tüv überprüft jährlich die Maschinen“, wirft Willi Hohn noch ein. Nach der Reinigung in einer der zwei großen Maschinen werden die Kleidungsstücke von Hand gebügelt. Am „Hosentopper“ wird dabei zuerst durch das Einpusten von warmem Dampf Vorarbeit geleistet.
Nach der Waschstraße werden die Sachen entweder getrocknet, gemangelt oder kommen zum Finishen. Die feuchten Wäschestücke durchlaufen den „Tunnelfinisher“, er dämpft und trocknet sie, macht sie faltenfrei und glatt. In den Tunnel gleiten beispielsweise Arbeitshosen oder Nachthemden hinein. Oberhemden dagegen werden an der Puppe gefinisht. Es wird gepresst und auch hier strömt der Dampf aus Kragen und Ärmel raus.
Eine gesonderte Behandlung benötigt die „Läusewäsche“, wie Seitz das nennt. Institutionen, die mit Läusen zu kämpfen haben, dürfen ihre Wäsche in speziellen, gelben Wäschesäcken bringen. Dieses sogenannte infektiöse Wäschegut muss extra dokumentiert werden.
Obwohl die 43-jährige Silke Seitz schon von Kindesbeinen an mit und in der Wäscherei lebt, hat sie von dem Thema nicht genug und sagt in breitem Schwäbisch: „I ben gern Wäschere.“ Baumwolle nennt sie, ganz der Jeanstyp, ihre Lieblingsfaser. Was sie ein wenig traurig mache ist, dass der Beruf des Textilreinigers in der Bevölkerung nicht sonderlich anerkannt sei. Seitz: „Dabei ist der Beruf durchaus anspruchsvoll, mit Faserkunde, Maschinenkunde und Chemie.“ Auch privat hat sie vom Waschen nicht genug: „Wenn wir vom Urlaub kommen, stürze ich mich erst mal auf die Wäsche.“ Und das mit Begeisterung. (sr)


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